Inhalt
Mira ist eine wortkarge Einzelgängerin. Sie reist umher und trifft auf verzweifelte Menschen, mit denen sie offenbar seltsame Todespakte eingegangen ist. Ohne klares Ziel begegnet sie Madeleine und Ludo, zwei freigeistigen Hedonist:innen, die tief im Wald leben. Als sie einem faszinierenden Mann begegnet, muss sie ihre Mission unterbrechen und beginnt, ihr Leben infrage zu stellen.
Kritik
„Gewalt gegen eines anderen Körper“ umkreist Denis Côtés (Paul) philosophisches Porträt laut des französischen Originaltitels, der wie so oft weit mehr über die dramatische Materie aussagt als der reduktive englische Verleih-Titel. Die verschiedenen Formen von Gewalt auf physischer, psychischer und emotionaler Ebene, und die Frage danach, ob, wann und wie sie gerechtfertigt sein kann, durchziehen die thantologische Studie. Deren gewohnt minimalistische Handlung folgt der mysteriösen Protagonistin zu ihren Begegnungen Menschen, die mit dem Leben abgeschlossen haben.
Oder ist es vielmehr das Leben, das mit ihnen abgeschlossen hat? So jedenfalls scheint es für die einzelgängerische Hauptfigur, verkörpert mit maskenhafter Selbstsicherheit von Larissa Corriveau (That kind of summer). Mira hat ein kameradschaftliches Verhältnis zu den Todeskandidaten, denen sie beim letzten Schritt hilft, doch zu niemanden eine tiefergehende Verbindung. Ihr eigener Hintergrund bleibt so schemenhaft wie das naturalistische Setting. Dessen karger Realismus deutet auf eine nahe Zukunft, in der die Welt seltsam entvölkert wirkt und das Ende greifbar nahe.
Denjenigen, denen es aufgrund seelischer oder körperlicher Leiden dennoch nicht schnell genug geht, besucht Mira mit einer erlösenden Ampulle. Ist der Pakt zwischen ihr und den Betroffenen heimlich oder institutionell? Handelt sie auf Eigeninitiative oder als Gesandte einer unsichtbaren Kraft? All dies bleibt vage. In deren von unterschwelliger Anspannung getriebenen Episoden konzentriert sich der kanadische Regisseur auf die ungewisse Sphäre an der Schwelle zum Tod, wo er sich selbst während der letzten 10 Jahre befand.
Fazit
„Es ist ein Film über mein Leben, aber hat nichts mit mir zu tun.“, beschreibt Denis Côté seine morbide Meditation über die letzten Dinge. Sex und Begehren sind gewohnt präsent, doch im Vordergrund steht die innere Isolation als emotionales Band zwischen den Charakteren. Entwicklungen bleiben rar in dieser Variation einer thanatophilen These. Das ethische Equilibrium zwischen Mord und Mitmenschlichkeit, das dem hypothetischen Charakterbild seine Spannung verleiht, muss schließlich aufgelöst werden. Die originelle Konstellation gewinnt nie Substanz.
Autor: Lida Bach