9.5

MB-Kritik

Schmetterling 2025

Biography, Short, Animation

9.5

Fayçal Zafi
Jessica Jaouiche
Yassine Mestaoui
Alexandre Liebe
Johannes Oliver Hamm
Hocine Ben
Olivier Peissel
Foued Kemeche

Inhalt

In Schmetterling ruft das Schwimmen im Meer Erinnerungen in einem Mann wach. Denn von seinen ersten Erfahrungen als Kind bis hin zu seinem Erwachsenenleben sind all diese Erinnerungen mit dem Wasser verbunden.

Kritik

Bereits vor fünf Jahren bewies die Regisseurin Florence Miailhe mit Die Odyssee, dass sie wahre Geschichten gefühlvoll zum Leben erwecken kann. Sie erzählte damals die Geschichte von Flucht und Schicksal der Vertriebenen und wurde von ihrer eigenen Familiengeschichte inspiriert. Auch diesmal lässt sie sich von wahren Ereignissen inspirieren und erzählt die Geschichte des großen französischen Meisters im Schmetterlingsschwimmen, Alfred Nakache. Er war ein algerischer Jude, der einen Weltrekord im Schmetterlingsschwimmen hielt, bis er aufgrund der antijüdischen Gesetze im besetzten Frankreich nicht mehr an den Schwimmwettbewerben teilnehmen durfte und schließlich im Jahre 1944 nach Auschwitz verschleppt wurde. Der Vater von Mialihe kannte Nakache persönlich und sprach immer voller Respekt über ihn. Deswegen beschloss Florence Mialhe, einen Kurzfilm über das Leben dieses bemerkenswerten Mannes zu drehen.

Mit diesem Film erzählt sie von seinem letzten Schwimmen, bei dem er sein ganzes Leben Revue passieren lässt. Er schwelgt in Erinnerungen an wichtige Momente seines Lebens und diese Bilder tauchen plötzlich vor ihm auf: Erinnerungen an seine Kindheit, an seine Jugendzeit, an die Schwimmwettbewerbe und an seine Ehefrau und sein Kind. Immer mehr Bilder kommen an die Oberfläche und all diese Bilder erzählen die traurige Geschichte seines Lebens, das sich aus künstlerischen Gründen fast ausschließlich im Wasser abspielt. Dabei erschafft Mialhe wie schon mit Die Odyssee ein bewegendes Kunstwerk. Die einzelnen Bilder wurden direkt vor der Kamera animiert und die Bewegung entwickelte sich quasi von selbst. Man trug auf die Leinwände Grundierungen auf und die Bilder wurden mit Ölfarbe gemalt und anschließend lackiert. Das ermöglichte den Filmemachern, die Figuren zu bearbeiten oder wieder zu löschen. Die Leinwände wurden direkt auf dem Animationstisch aufgespannt und die Kamera wurde darüber montiert. Dadurch erhielt man die einzigartigen Aufnahmen, die den Eindruck erwecken, als würde ein Ölgemälde lebendig werden.

Jede Momentaufnahme fügt sich in ein wunderschönes Gesamtwerk, das mit seiner Individualität, aber auch mit seiner emotionalen Seite besticht. Schmetterling ist gefühlvoll, doch gleichzeitig auch sehr subtil. Die Bildersprache ist dabei gewaltig und jeder einzelne Moment des Films ist gut durchdacht und mit vielen Emotionen getränkt. Es ist einer von diesen Filmen, die zeigen, welche Bilder man kurz vor seinem Ableben vor seinen Augen sieht. Gerade deshalb ist Schmetterling so bewegend, weil er Erinnerungen wachruft, die jeder einzelne Mensch in seinem Leben hat. Nur leider war das Leben von Alfred Nakache weitaus dramatischer, als man es sich hätte vorstellen können. Trotzdem hörte er nie auf, zu kämpfen, und tauchte immer wieder an der Wasseroberfläche auf. Egal, was geschehen ist, er schwamm einfach weiter und weiter, bis er nicht mehr konnte. Manche Botschaften sind auch noch nach hundert Jahren wichtig und aktuell, weil sie uns an die Menschlichkeit erinnern sollen und daran, dass es Momente in der Geschichte gab, die man niemals vergessen sollte. Genau diese Botschaft vermittelt Schmetterling.

Der Kurzfilm setzt Alfred Nakache und allen Opfern des Naziregimes ein Denkmal und erinnert an die Leiden, die so viele Menschen während der Nazizeit erlebt haben. Laut Regisseurin soll Schmetterling die Menschen dazu bewegen, über Rassismus und Diskriminierung nachzudenken, sich aber gleichzeitig an die Solidarität unter Menschen zu erinnern. Wenn ein Film es schafft, Menschen daran zu erinnern, wie wichtig es ist, anderen in ihrer Not beizustehen, dann ist es ein großartiger Film. Schmetterling wurde dieses Jahr völlig zu Recht für einen Oscar nominiert und hoffentlich wird dieses Kunstwerk bei den Oscars entsprechend honoriert.

Fazit

Ein emotionales und bildgewaltiges Kunstwerk aus Öl, das die wahre Geschichte des jüdischen Schwimmers und des Auschwitz-Überlebenden Alfred Nakache erzählt. "Schmetterling" soll die Erinnerung an finstere Zeiten wachrufen, doch gleichzeitig auch an die Solidarität unter Menschen erinnern. Dort, wo es Schatten gibt, ist auch immer Licht, und das darf man niemals vergessen. 

Autor: Yuliya Mieland
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