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MB-Kritik

Pray for Us 2026

Drama – Spain

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Zoe Bonafonte
Manuela Calle
Carla Domínguez
María Gandiaga
Shiara Fernández
Adelfa Calvo
Malena Gutiérrez
María Cerezuela
Belén Cruz
Xavi Sáez
Bea Segura

Inhalt

Im Barcelona des Jahres 1974 schickt die wohlhabende Familie der 19-jährigen Ana diese in ein Madrider Erziehungsheim für „gefallene Mädchen“, nachdem sie sich heimlich davongeschlichen hat. In der von Nonnen geführten Einrichtung findet sie durch Freundschaften – insbesondere zu Sole – neue Kraft.

Kritik

Bedrückender als die institutionalisierte Unterdrückung weiblicher Autonomie in Daniel Monzóns (El Niño - Jagd vor Gibraltar) exemplarischen Exposé patriarchalischen Pietismus ist die perspektivische Beschränktheit dieses dezidiert männlichen filmischen Blicks. Gelenkt und geleitet von dem gleichen moralistischen Monopolismus, der den archaischen Apparat religiöser Repression antrieb, definiert die scheinheilige Inszenierung die Figuren nach den gleichen sexistischen Stereotypen wie auf der Handlungsebene das Franko-Regime. Dieser dramaturgische Dichotomie untergräbt jede verbleibende emotionale Ausdruckskraft, die das organische Schauspiel der jungen Hauptdarstellerinnen dem paternalistischen Plot geben kann. 


Dass die Legitimation patriarchalischer Gewalt und institutioneller Intervention unter dem Deckmantel der Fürsorge gegen junge Mädchen und Frauen keineswegs ein Relikt einer totalitären Vergangenheit ist, drinkt zu keinem Zeitpunkt durch die schematische Story. Deren Charakter bleiben die gleichen dramatischen Stereotypen, die ein konservativer Kanon seit Jahrzehnten diktiert. Diese narrativen Muster wirken ebenso undurchdringlich wie das engmaschige Netz autoritärer Entrechtung, das traditionelle Familienstrukturen, katholischer Klerikalismus und misogyne Moralvorstellungen im Spanien der Franko-Diktatur im Jahr 1974 schaffen. 


Die 19-jährige Ana (Zoe Bonafonte, Handbuch einer Anstandsdame) wird nach einem abendlichen Ausflug zu einem Konzert von ihren wohlhabenden Eltern in die Gewalt des franquistischen Patronato de Protección a la Mujer gegeben. Nach einem Fluchtversuch mit Hilfe der rebellischen Sole (Manuela Calle) verschleppen die Ordensschwestern beide in ein noch brutalere Erziehungsanstalt in Madrid. Sittliche Besserung fungiert in dem sadistischen System als Rechtfertigung für despotische Manuela Calle. Konventionelle Episoden von Mädchenfreundschaft und pubertärem Widerstand trivialisieren taktisch Zwangsarbeit, Folter und seelische Grausamkeit. 


Fazit

Die historische Dimension systemischer Gewalt gegen junge Mädchen im Namen gesellschaftlicher Eingliederung und gesundheitlicher Pflege negieren Daniel Monzón und sein Co-Drehbuchautor Jorge Guerricaechevarría in ihrem schablonenhaften Szenario. Das verwässert die verstörende Realität katholischer Mädchenheime gezielt mittels der gefälligen Tropen und austauschbaren Ästhetik kommerzieller Coming-of-Age-Tales. Diese inszenatorische Implementierung der die abgebildeten Anekdoten um vieles überschreitenden Fakten in ein filmisches Schema reaktionärer Romantisierung stellt das engagierte Schauspiel in den Dienst der patriarchalischen Konstrukte, die sie vorgeblich kritisiert. 

Autor: Lida Bach