MB-Kritik

September Afternoon 2026

Amin Motallebzadeh
Katharina Grossmann-Hensel
Hedi Grossmann
Ada Kurzhöfer

Inhalt

Ein Paar weigert sich, zu akzeptieren, dass der Sommer vorbei ist. Ein letztes Mal fährt es an die Küste – ein Tag zwischen Meer und Dünen. Doch statt sanfter Sommersonne empfängt sie der böige Herbstwind. Der verzweifelte Kampf gegen die Naturgewalten ist nur ein Zwischenspiel, bevor die Situation in ein Desaster ganz anderer Grössenordnung umschlägt. 

Kritik

„In einer Zeit beliebiger Aussergewöhnlichkeit ist reine Banalität verdammt stimulierend.“, postuliert Nicolaas Schmidt (First Time: The Time for All but Sunset - Violet) im Regiekommentar seines lethargischen Langfilm-Debüts. Für den Regisseur, Drehbuchautor, Cutter und Co-Sounddesigner mag das zutreffen, allerdings weniger für das Publikum seines anstelle des Titels bedeutsam als „post postmodern resistance parabel“ vorgestellten Szenarios. Selbiges scheitert selbst an der zehrenden Langweile des Geschehens. Dessen musikalisch akzentuierte Monotonie durchbricht schließlich eine außergewöhnliche, womöglich gar außerweltliche, Entwicklung, die jedoch weder originell ist, noch interessant oder unterhaltsam. 

Doch all das soll so sein und ist tiefgründiges Konzeptkino, vermitteln die Beschreibung Giona A. Nazarros, Programmdirektor Locarnos, wo Schmidts Werk im Concorso Cineasti del Presente uraufgeführt wird: „Die Trivialitäten, die wir sehen, sind exakt die Dinge, die wir in Zukunft vermissen könnten, weil wir dann nicht mehr die Zeit haben, uns zu langweilen.“  Vor der Leinwand hat man dafür reichlich Zeit, sich zu langweilen. Ganze 70 Minuten, die sich locker wie 170 anfühlen. 

Währenddessen fährt das gutsituierte Protagonisten-Paar (Amin Motallebzadeh, Katharina Grossmann), zur Fortsetzung ihres Sommerurlaubs ans Meer, laut Synopsis, weil es sich „weigert, zu akzeptieren, dass der Sommer vorbei ist.“ Doch statt Spaß mit dem Inhalt der in Echtzeit vor der Kamera gepackten Strandtasche erwartete sie „der verzweifelte Kampf gegen die Naturgewalten“. Mit dieser Formulierung im Hinterkopf sind die kümmerlichen Versuche, das Ferien-Feeling einer als prologartiges Panorama realitätsferner Erwartungshaltungen vorangestellten Vintage Langnese-Reklame zu kreieren, fast absurd komisch. 

Einen Sonnenschutz bei Sturmböen aufbauen, ein Eis (scheinbar Schlumpf-Geschmack) bei gegen den Sand aufwirbelnden Wind essen, Muscheln füreinander zu sammeln, wo bloß Flaschenkorken und Plastikteile herumliegen. Das partnerschaftliche Klima ist ähnlich kühl wie das Wetter. Als satirischer Sketch könnte das funktionieren, würde die experimentelle Inszenierung es nicht endlos ausdehnen. Übersättigte Farben, Lichtblitze und sonorer Soundtrack suggerieren eine kosmische Dissonanz, gegen die sich die Natur selbst auflehnt. Doch der finale Twist bleibt ernüchternd und derivativ.

Fazit

Shirley Jackson veröffentlichte - ironischerweise im September, in dem ihre Story spielt - 1950 ihre allegorische Horror-Kurzgeschichte „The Summer People“. Nicolaas Schmidts phlegmatisches Spielfilm-Debüt wirkt wie eine inoffizielle Adaption, die Systemkritik, Suspense, sozialanalytische Symbolik tilgt. Dabei wäre reichlich Raum für eine Auseinandersetzung mit den inhärenten Motive Egozentrismus und mittelständischer Megalomanie. Doch die klassenspezifischen Aspekte ignoriert die selbstzweckhafte Story, laut Nazarro vermittelt, wie man die Kontrolle über die eigene Zeit erhält. Lieber in einen anderen Film gehen.

Autor: Lida Bach
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