7.5

MB-Kritik

Skiff 2025

Drama

7.5

Femke Vanhove
Lina Miftah
Natali Broods
Jeroen Van der Ven
Mil Sinaeve
Wout Vleugels

Inhalt

Die 15-jährige Malou (Femke Vanhove) wächst in einer belgischen Kleinstadt auf. Im örtlichen Ruderverein gehört sie zu den absoluten Top-Talenten, wird jedoch von ihren Teamkameradinnen ausgegrenzt und schikaniert. Da ihre Mutter beruflich und durch ein neues Dating-Leben meist abwesend ist, bleibt insbesondere ihr älterer Bruder Max (Wout Vleugels) ihre verlässliche Bezugsperson. Ihr Leben gerät jedoch völlig aus den Fugen, als sie Max’ neue Freundin Nouria (Lina Miftah) kennenlernt. Zwischen den beiden Mädchen entwickeln sich romantische Gefühle.

Kritik

Es ist bereits schwer genug, ein Teenager zu sein, weil man erst seinen Platz im Leben finden muss, und wenn man noch nicht genau weiß, welchem Geschlecht man eigentlich angehört, dann ist es noch tausendmal härter. Während Malous Brüder aufgeweckte junge Männer sind, die mit sich selbst im Reinen zu sein scheinen, ist Malou (Femke Vanhove, The Soundman) zurückhaltend und verschlossen. Sie hält sich weitestgehend von ihren Mitmenschen fern und kann nur beim Rudern sie selbst sein. Es scheint so, als ob sie ein Geheimnis hütet, das auf keinen Fall gelüftet werden darf. Malou ist eine sehr interessante Figur, die Femke Vanhove auf ihre ganz besondere Art kreiert: Malou ist stark und zerbrechlich zugleich und diese zerbrechliche Seite stellt Femke Vanhove ausgezeichnet dar. Wer den Film The Soundman aus dem Jahre 2025 kennt, bei dem Vanhove ebenfalls mitgespielt hat, wird sich vor Vanhoves Wandlungsfähigkeit verneigen, denn im Gegensatz zu so vielen anderen Schauspielerinnen, die nur eine leicht angepasste Version ihrer selbst spielen, ist Vanhoves schauspielerische Leistung und ihre Fähigkeit, eine glaubwürdige Figur zu kreieren, geradezu meisterhaft.

Sie hat ein feines Gespür für die Gefühlswelt ihrer Figuren und sie kann diese Gefühle mit einer Leichtigkeit nach außen transportieren. Gerade bei so einem wichtigen Film wie Skiff ist die richtige Besetzung Gold wert, weil es um ein sehr sensibles gesellschaftsrelevantes Thema geht, das man definitiv nicht jedem anvertrauen kann. Es geht um eine junge Frau, die unerwartet Gefühle für die Freundin ihres Bruders entwickelt und nicht weiß, wie sie damit umgehen soll. Ab dem Moment, als Malou Nouria (Lina Miftah) kennenlernt, beginnt sie zu erwachen und merkt, dass sie vielleicht gar nicht mehr die Einzelgängerin sein will, die sie früher immer war. Zu Beginn des Films wird deutlich, dass sie sich in ihrem Körper nicht wohlfühlt, weil sie nach dem Sport nicht mit anderen Mädchen zusammen duschen will. Dieses „Anderssein“ beschert ihr eine harte Zeit als Außenseiterin. Sie wird von anderen Mädchen gemobbt, dabei schlägt sie sich trotzdem sehr wacker und konzentriert sich auf den Sport. Wer allerdings denkt, dass der Film sich stärker ums Rudern dreht, wird eines Besseren belehrt.

Das Rudern ist nur der perfekte Aufhänger für eine queere Coming-of-Age-Geschichte, weil man damit eine gute Ausgangslage für das Kennenlernen der beiden Mädchen geschaffen hat. Sie unterhalten sich über das Rudern und rudern sogar gemeinsam und kommen sich so immer näher. Der Fokus bleibt jedoch nicht nur auf Malou und Nouria, sondern auch auf Malous Beziehung zu ihrem Bruder, die zunächst perfekt zu sein scheint. Max ‎ (Wout Vleugels) tritt als der Beschützer seiner kleinen Schwester auf, aber nur solange, bis sie ihm in seiner Beziehung mit Nouria in die Quere kommt. Das Drama hat gerade an dieser Stelle viel Konfliktpotenzial und es wird durchaus auch dramatisch und interessant, weil sich die familiäre Dynamik plötzlich verändert. Auch die Beziehung zwischen Malou und ihrer Mutter ist konfliktbeladen, weil sich ihre Mutter weigert, sie genauso wie ihre Brüder zu behandeln, und ihr das Fahren mit dem Roller verbieten will.

Malou hat so einige emotionale Baustellen in ihrem Leben, an denen sie arbeiten muss: Mobbing, erste Liebe, Zwietracht zwischen Geschwistern, Emanzipation von der Mutter. All diese Themen werden in Skiff gut miteinander verbunden und sensibel aufgearbeitet. Das Drehbuch und die Umsetzung funktionieren wunderbar und der gesamte Cast ist stark und vor allem gut gecastet, weil die Geschwister sogar äußerlich ähnlich aussehen, und das ist nicht bei jedem Film selbstverständlich. Schließlich werden die Konflikte ohne große Reden oder lange Erklärungen gelöst. Das Ende ist minimalistisch, doch besonders intensiv. Mit wenigen Worten, doch mit viel Ausdruck kommt die wichtigste Botschaft des Films zum Vorschein: Es ist schmerzhaft, wenn man endlich zu sich selbst steht, doch es ist ein wichtiger erster Schritt und der Beginn eines langen Prozesses.

Fazit

„Skiff“ ist eine sensibel erzählte, emotionale Coming-of-Age-Geschichte, die mit hervorragendem Cast, gut gesetzten Höhepunkten und der minimalistischen Intensität überzeugt.

Autor: Yuliya Mieland
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