Inhalt
Basierend auf Colleen Hoovers Bestseller erzählt dieser ebenso verführerische wie fesselnde Psychothriller die Geschichte der renommierten Autorin Verity Crawford (Anne Hathaway) und Lowen Ashleigh (Dakota Johnson), einer bislang recht erfolglosen Schriftstellerin, die auf das abgelegene Anwesen der Crawfords zieht, um für Verity als Ghostwriterin zu arbeiten. Nachdem Lowen scheinbar Veritys erschreckende autobiografische Aufzeichnungen entdeckt, gerät sie in einen Strudel verstörender und verwirrender Geständnisse über Veritys Ehemann Jeremy (Josh Hartnett) – und ringt damit, Fiktion von Realität, Manipulation von Anziehung und Gelegenheit von Besessenheit zu unterscheiden.
Kritik
Wenn Regisseur Michael Showalter (The Big Sick) die Bestseller-Vorlagen der umstrittenen Autorin Colleen Hoover adaptiert, schwingt zwangsläufig die Hoffnung auf packende Unterhaltung mit. In Verity – Dunkle Geheimnisse zieht die mäßig erfolgreiche Autorin Lowen in das abgelegene Anwesen der Familie, um das Werk der nach einem Unfall schwer gezeichneten Star-Kollegin zu vollenden. Schnell verstrickt sie sich in ein Netz aus Psychospielen und nähert sich dabei auch dem Ehemann an. Zwischen den düsteren Familiengeheimnissen und der Frage, was sich hinter Veritys Zustand tatsächlich verbirgt, versucht der Film, zugleich Erotikthriller, Familiendrama und psychologisches Katz-und-Maus-Spiel zu sein.
Was folgt, ist ein filmischer Ritt der extremen Kontraste. Gleich zu Beginn wird hier eine Szenen serviert, deren nackter Absurditätsgrad schlicht famos ist: Da wird Lowen bei einem Unfall mit Kunstblut dekoriert, zieht sich kurz darauf auf der Männertoilette bis auf den BH aus und führt zwischen Handtüchern und Pissbecken mit Josh Hartnetts Figur seelenruhig tiefschürfende Gespräche über private Schicksalsschläge. Das wirkt weniger wie der Auftakt eines ernst gemeinten Thrillers als wie eine besonders bizarre Parodie auf genau dieses Genre. Und gerade darin liegt zunächst ein gewisser Reiz. Solche Momente retten den Film, weil sie so herrlich drüber und unverschämt albern sind, dass man gar nicht anders kann, als grinsend am Ball zu bleiben.
"Verity": Wenn der Thriller plötzlich den Humor verliert
Auch später blitzen immer wieder Situationen auf, in denen der Film seine eigene unfreiwillige Komik beinahe erreicht. Die Inszenierung nimmt ihre Figuren und deren Probleme allerdings meist so ernst, dass der Gegensatz zwischen dem behaupteten Drama und dem tatsächlichen Geschehen zunehmend größer wird. Statt diese Absurdität bewusst auszuspielen, versucht der Film immer wieder, Spannung und emotionale Schwere herzustellen. Genau das macht die Sache letztlich schwieriger. Denn je ernster Verity – Dunkle Geheimnisse seine Geschichte behandelt, desto deutlicher treten die Schwächen des Drehbuchs hervor.
Leider hält der Film diesen anarchischen Humor nicht durch. Nach einem Drittel schaltet das Geschehen unglücklicherweise in einen drögen Ernstmodus zurück, der dem absurden Treiben viel von seinem Charme raubt. Plötzlich dominieren hölzerne Dialoge, vorhersehbare Klischees und völlig zusammenhanglose Sexszenen das Bild. Statt die Figuren glaubwürdig aufeinander reagieren zu lassen, werden sie immer wieder von der Handlung dorthin geschoben, wo die nächste Enthüllung oder Wendung gebraucht wird. Das erzeugt zwar Bewegung, aber kaum echte Spannung. Selbst die vermeintlich großen Momente wirken dadurch eher konstruiert als überraschend.
Zwar geben sich Dakota Johnson, Josh Hartnett und Anne Hathaway redlich Mühe, doch spielen sie sichtlich gegen ein Drehbuch an, das vor lauter Konstruktionen kaum noch Luft bekommt. Gerade Johnson bringt immer wieder eine gewisse Präsenz mit, während Hartnett und Hathaway sichtbar versuchen, aus ihren Figuren mehr herauszuholen, als ihnen das Skript erlaubt. Wirklich tragen können sie die Geschichte jedoch nicht. Dafür bleiben die Figuren zu schematisch und ihre Beziehungen zueinander zu stark von den Anforderungen der Handlung abhängig.
Dakota Johnson und Anne Hathaway können den Thriller nicht retten
Das imposante Anwesen am See verkommt dabei zur reinen Kulisse, statt echte Schauermomente zu liefern. Wo eigentlich eine beklemmende Atmosphäre entstehen könnte, bleibt vieles erstaunlich glatt. Räume, Landschaft und abgeschottete Umgebung werden zwar prominent präsentiert, entwickeln aber kaum ein Eigenleben. Der Film zeigt uns immer wieder, dass hier etwas Unheimliches passieren könnte, schafft es jedoch nur selten, dieses Gefühl tatsächlich zu erzeugen.
Am Ende steht ein Film, der als ernsthafter Thriller kläglich scheitert, aber gerade wegen seiner skurrilen Entgleisungen im Gedächtnis hängen bleibt. Die Momente, in denen Verity – Dunkle Geheimnisse unfreiwillig völlig die Kontrolle verliert, sind unterhaltsamer als vieles, was der Film ganz bewusst als spannend, erotisch oder dramatisch verkaufen möchte. Wer einen raffinierten Psychothriller erwartet, dürfte entsprechend enttäuscht werden. Wer sich dagegen auf einen erstaunlich absurden Genremix einlässt, findet zumindest genug Stoff zum Kopfschütteln, Grinsen und gelegentlichen Staunen.
Fazit
Als Thriller ist "Verity – Dunkle Geheimnisse" vor allem Unsinn in Hochglanzkulisse. Doch zwischen hölzernen Dialogen, faden Sexszenen und hanebüchenen Konstruktionen blitzt so viel unfreiwillige Absurdität auf, dass sich eine gewisse Faszination kaum verleugnen lässt.