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MB-Kritik

What Remains 2026

Drama – France, Luxembourg, Bulgaria, Turkey

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Öykü Karayel
Metin Akdülger
Ali Kayra Kul
İlyas Salman
Aysegül Cengiz
Merve Engin
Feride Karaman
Kezban Küçük

Inhalt

Elif, eine Dichterin, die ihren schöpferischen Antrieb verloren hat und sich zunehmend in den Erwartungen gefangen fühlt, die an sie herangetragen werden. Sie reagiert darauf, indem sie das Vertraute hinter sich lässt und eine Reise antritt, die weit mehr ist als nur ein Ortswechsel. Während sie sich mit Fragen zu Identität, Familie, Erinnerung und Zugehörigkeit auseinandersetzt, zwingt die Reise sie dazu, die Grundlagen ihres Lebens – und das, was sich womöglich noch retten lässt – neu zu betrachten.

Kritik

Achtzehn Jahre nachdem sie mit Pandora‘s Box in San Sebastián die Golden Shell errang, kehrt Yeşim Ustaoğlu zurück in den Wettbewerb des Festivals mit einer weiteren Kontemplation über beider gemeinsame Kernmotive von familiärer Verantwortung, Selbstverwirklichung und dem Loslassen einer belastenden Vergangenheit. Trennung wird zu einer eigenen Form der Rückgewinnung in einem elegischen Ehedrama, das Selbstzuwendung als Grundlage des Verständnisses anderer betrachtet. Eine gemeinsame Zukunft fordert gemäß des dramaturgischen Diptychons eine individuelle Aufarbeitung der eigenen Geschichte. 


Diese Lektion lernen die 38-jährige Dichterin Elif (Öykü Karayel, Platonisch), die in Istanbul mit dem strauchelnden Musiker Mehmet (Metin Akdülger, Danke - Nächster!) und ihrem achtjährigen Sohn Selim (Ali Kayra Kul) lebt, und ihr Ehemann unabhängig voneinander. Beide fühlen sich künstlerisch berufen, doch ringen um finanzielle Stabilität und der Aufrechterhaltung des bürgerlichen Status. Um dem materiellen Druck und der bürgerlichen Enge zu entkommen, reißt die frustrierte Protagonistin in das entlegene Heimatdorf ihrer Eltern. Unterdessen geht Mehmet mit Selim auf seine eigene biographische Besinnungsreise.


Dekorative Dichtungen der türkischen Autorin Birhan Keskin dienen als seelische Stimme der Protagonistin, die in der lokalen Distanz die Möglichkeit zu einer neuen psychischen Annäherung findet. Trägt man die dicken Schichten lyrischer Lasur und poetischer Prätention einmal ab, ist die psychologische Erkenntnis eine reichlich banale. Zu viel aufeinander sitzen führt zu Überdruss, während räumlicher und mentaler Abstand der alten Anziehung neue Kraft geben kann. Der Konflikt zwischen den autofiktionalen Figuren bleibt so oberflächlich wie der zwischen Individualismus und Pflichtgefühl.

Fazit

In trägem Tempo ergießt sich Yesim Ustaoglus betuliche Mischung aus bourgeoisem Beziehungs- und Befindlichkeitsbild in über zwei Stunden auf die Leinwand. Kameramann Kiril Prodanov gleitet in schwelgerischen Szenen vom Hochhausdschungel Istanbuls asiatischer Seite über ländliche Feldwege bis in die verschneiten Berge des Hinterlands. Jene tonale Topographie fungiert als emotionale Strukturierung, die urbane Enge und ländliche Einsamkeit als gesellschaftliche Gegenpole heraufbeschwört. Sparsame Stilmittel schaffen mit der versuchten Vereinigung von soziologischem Realismus und arrivierter Abstraktion eine unstete Parallele zur dramatischen Dynamik. 


Autor: Lida Bach