Bildnachweis: © Walt Disney | Werbemotiv zu "Schneewittchen" (2025)

Box Office: "Schneewittchen"-Remake erobert problemlos den ersten Platz - aber gute Zahlen sehen dennoch anders aus

von Sebastian Groß

Das vergangene Wochenende markierte den bislang schwächsten Umsatz des Kinojahres 2025. Nun zeigt sich eine leichte Erholung. Nicht falsch verstehen: Die Zahlen sind weiterhin wenig beeindruckend, doch dank  Schneewittchen gab es einen Aufwärtstrend. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Märchen mit herausragenden Ergebnissen glänzt.

© Disney | Szene aus "Schneewittchen"  (2025)

Mehr Low-Ho, als High-Ho?

Für Disney könnte 2025 insgesamt äußerst erfolgreich verlaufen. Zwar werden nicht alle Veröffentlichungen zu gigantischen Kassenschlagern avancieren, doch mit Lilo & Stitch, Zoomania 2 und Avatar: Fire and Ash stehen drei hochkarätige Blockbuster bereit, die mit enorm hoher Wahrscheinlichkeit ein breites Publikum anziehen und gute Einspielergebnisse erzielen werden. Natürlich hat Disney 2025 noch andere potenzielle Hits im Köcher.

Unterdessen hat das Studio mit seinem neuesten Live-Action-Remake Schneewittchen eine weitere Klassiker-Neuadaption ins Kino gebracht. Der Märchenfilm startete weltweit auf den meisten Märkten, in Nordamerika lief er in beachtlichen 4.200 Kinos an – eine solide Basis, wenngleich das Einspielergebnis am Startwochenende eher verhalten ausfällt. Mit einem inländischen Umsatz von etwas über 44 Millionen US-Dollar bleibt der Film hinter großen Erfolgen zurück, übertrifft jedoch die pessimistischen Erwartungen mancher Kritiker.

Disney dürfte in erster Linie Erleichterung verspüren, Schneewittchen endlich veröffentlicht zu haben. Das Projekt war von zahlreichen Kontroversen überschattet – von Kritik an der Darstellung der Zwerge über Hauptdarstellerin Rachel Zeglers distanziertes Verhältnis zum Original bis hin zu internen Unstimmigkeiten zwischen Zegler und Co-Star Gal Gadot bezüglich des Nahost-Konflikts. Für das Marketingteam war dieser Film wohl eine echte Bewährungsprobe.

Die anhaltend negative Berichterstattung im Vorfeld dürfte dazu beigetragen haben, dass Schneewittchen nicht den erhofften Anklang findet. Ein ähnliches Muster ließ sich bereits bei früheren Realverfilmungen von Disney-Klassikern beobachten. Arielle, die Meerjungfrau (2023) sorgte für viel mediale Aufmerksamkeit, konnte diese jedoch nicht in überragende Einspielergebnisse ummünzen. International erzielte das Unterwasser-Abenteuer knapp 570 Millionen US-Dollar – ein okayes Ergebnis, das allerdings keine überragenden Gewinne für das Studio brachte. Wobei das Potenzial des Merchandise-Geschäfts nicht außer Acht gelassen werden darf.

Es bleibt abzuwarten, ob Schneewittchen einen vergleichbaren Verlauf nehmen wird. Derzeit steht der Film international bei über 87 Millionen US-Dollar – ein eher mäßiger Wert. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich der Film stabilisiert oder rasch aus den Kinos verschwindet.

Black Bag: Stars reichen nicht mehr

In seiner zweiten Woche hält sich der Spionage-Thriller Black Bag - Doppeltes Spiel stabil auf Platz zwei. In Nordamerika wurde der Film in 2.713 Kinos gezeigt, acht mehr als in der Vorwoche. Das Wochenende brachte rund 4,4 Millionen US-Dollar ein, womit das Gesamtinlandsaufkommen auf knapp 15 Millionen US-Dollar steigt.

Es ist fraglich, ob der neue Film von Steven Soderbergh seine Kosten wieder einspielen kann. Mit einem Budget von 50 Millionen US-Dollar, zuzüglich Marketingausgaben, scheint ein finanzieller Erfolg unwahrscheinlich. Dies unterstreicht erneut die Tatsache, dass prominente Namen längst nicht mehr automatisch Publikumsmagneten sind.

Die Besetzung von Black Bag umfasst unter anderem und . In Deutschland startet der Thriller am 15. Mai.

Brave New World überschreitet 400 Millionen US-Dollar weltweit

Der Superheldenfilm Captain America: Brave New World, die erste von drei Marvel-Produktionen in diesem Jahr, ist von Platz vier auf Platz drei aufgestiegen. Er hat inzwischen weltweit die Marke von 400 Millionen US-Dollar überschritten. In Nordamerika erzielte der Titel an seinem sechsten Wochenende etwas über 4 Millionen US-Dollar und steht dort nun bei 192 Millionen US-Dollar.

Obwohl viele Studios mit solchen Zahlen zufrieden wären, sieht die Lage für Marvel und Disney anders aus. Der Blockbuster soll bis zu 380 Millionen US-Dollar gekostet haben – mutmaßlich aufgrund umfangreicher Nachdrehs, die den Film stärker an das aktuelle politische Klima anpassen sollten. Trotz der verbesserten Platzierung läuft Captain America: Brave New World nun in 2.900 Kinos – 350 weniger als in der Vorwoche – und dürfte bald aus den oberen Rängen der Charts verschwinden.

Ein Verlustgeschäft für Warner

Ein weitere Enttäuschung. Mickey17 bleibt für Warner ein finanzielles Fiasko. Der Film hat in Nordamerika bereits 1.223 Kinos verloren, läuft aber weiterhin in 2.584 Sälen. Der massive Rückgang erklärt sich durch die Entscheidung des Studios, den Titel bereits 18 Tage nach Kinostart als VoD anzubieten.

Am dritten Wochenende spielte Mickey 17 3,9 Millionen US-Dollar ein und kommt in den USA insgesamt auf 40 Millionen US-Dollar. Selbst mit den weltweiten Einnahmen wird er nicht die 300-Millionen-Marke knacken – eine Summe, die Warner für einen Gewinn benötigt hätte. Finanzexperten prognostizieren einen Verlust von etwa 75 Millionen US-Dollar.

Dass Mickey 17 kommerziell scheitern würde, zeichnete sich früh ab. Schon während der Postproduktion gab es Berichte über Spannungen zwischen Regisseur und dem Studio. Dass der Film überhaupt realisiert wurde, lag vermutlich an Bongs Oscar-Erfolg mit Parasite. Warner erhoffte sich ein Prestigeprojekt – doch dieser Plan ging nicht auf. Angesichts der schwierigen Entstehungsgeschichte ist es nicht unwahrscheinlich, dass Bong Joon-ho seinen nächsten Film wieder in seiner südkoreanischen Heimat drehen wird.

Vom Spitzenreiter zum Schlusslicht

Vergangene Woche noch an der Spitze, nun auf Platz fünf: Novocaine (hierzulande als Mr. No Pain betitelt). Die brutale Actionkomödie mit Jack Quaid, der einen schmerzunempfindlichen Angestellten spielt, der seine entführte Freundin retten will, lief weiterhin in 3.669 Kinos – vier mehr als zum Start – brachte aber nur noch 3,7 Millionen US-Dollar ein.

In den USA hat der Film nun knapp 16 Millionen US-Dollar eingespielt. Mit einem Budget von 18 Millionen US-Dollar (exklusive Marketingkosten) wird Paramount dennoch einen Gewinn verbuchen können – vor allem durch internationale Einnahmen. Ein Überraschungshit wird Mr. No Pain zwar nicht, doch im Vergleich zu anderen aktuellen Produktionen schlägt sich der Film achtbar.

Mit einem Einspielergebnis von 3,1 Millionen US-Dollar könnte man auch The Alto Knights zu diesem engen Rennen um die hinteren Platzierungen zählen. Letzte Woche hielten wir den Film für einen potenziellen Top-5-Kandidaten– eine Einschätzung, die sich nicht bewahrheitet hat. Laut Variety spielte das Mafia-Drama mit in einer Doppelrolle in Übersee auch nur magere 1,8 Millionen US-Dollar ein. Kurz: Flop!

Ausblick auf die nächste Woche

A Working Man startet in Deutschland bereits am Mittwoch (Reviews haben allerdings ein Embargo bis Mittwochabend) und dürfte ab Freitag auch in den USA für etwas Bewegung in den Charts sorgen. Der Actionfilm wird voraussichtlich solide Umsätze generieren, doch das R-Rating und die nachlassende Zugkraft von Jason Statham könnten größere Erfolge verhindern. Vielleicht überrascht er uns – nächste Woche wissen wir mehr.

Spannend wird zudem, wie sich die A24-Produktion Death of a Unicorn schlägt. Mit und sind zwei populäre Stars an Bord (was nicht viel heißen soll - siehe Black Bag), doch der Film dürfte kaum in den Spitzenpositionen starten. Denkbar ist allerdings, dass er im Mittelfeld für Dynamik sorgt. Auch hier gilt: Abwarten und nächste Woche Bilanz ziehen. Bis dahin, alles Gute.