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IMDb-ID
tt0133093
TMDB-ID
TMDB: 603
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Startdatum
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Dauer
Dauer: 120 (Minuten)
Regie
Regie: Nolan
Drehbuch
Drehbuch: Nolan
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50 Jahre Carrie: Der Film, mit dem Stephen King Hollywood eroberte

GoodGuyMikasch

Von GoodGuyMikasch in 50 Jahre Carrie: Der Film, mit dem Stephen King Hollywood eroberte

50 Jahre Carrie: Der Film, mit dem Stephen King Hollywood eroberte Bildnachweis: Szene aus Carrie | © Amazon MGM

Von Mike Kaminski

Als die Verfilmung von Carrie am 3. November 1976 in die amerikanischen Kinos kam, stand der Name Stephen King für genau zwei veröffentlichte Romane. Niemand sprach von einer King-Verfilmung, als wäre das eine eigene Kategorie. Kein Filmplakat konnte sich darauf verlassen, dass allein dieser Name beim Publikum bestimmte Erwartungen weckte. 50 Jahre später genügt er beinahe als Genrebezeichnung.

Dazwischen liegen Filme von Stanley Kubrick, David Cronenberg, John Carpenter, George A. Romero, Rob Reiner und Frank Darabont. Meisterwerke, Flops, Kuriositäten und einige Filme, die längst berühmter sind als die Bücher, auf denen sie basieren. Hollywood hat King seit Carrie praktisch nie wieder losgelassen.

Dabei machte Brian De Palmas Film Stephen King nicht berühmt. Zumindest nicht so, wie es die schöne Legende vom unbekannten Schriftsteller nahelegt, der durch Hollywood plötzlich zum Star wurde. Kings literarischer Durchbruch hatte längst begonnen. Carrie tat etwas anderes. Der Film zeigte, dass nicht bloß Kings Geschichten für das Kino interessant waren. Bald wurde es auch sein Name.

Bevor Hollywood anrief
Als Carrie am 5. April 1974 beim Verlagshaus Doubleday erschien, war King 26 Jahre alt. Er unterrichtete Englisch, schrieb nebenher Kurzgeschichten und hatte noch keinen Roman veröffentlicht. Bereits im Oktober 1975 folgte mit Salem's Lot sein zweites Buch. The Shining erschien erst im Januar 1977, einige Monate nach De Palmas Film. Der Wendepunkt in Kings Karriere kam schon vor Hollywood.

King schildert in seinem autobiografischen Buch On Writing, wie ihn sein damaliger Lektor Bill Thompson anrief und zunächst fragte, ob er sitze. Signet Books hatte die Paperback-Rechte an Carrie für 400.000 Dollar gekauft. Nach der vertraglichen Teilung mit Doubleday blieb für einen jungen Autor, der wenige Jahre zuvor noch mit finanziellen Problemen gekämpft hatte, eine lebensverändernde Summe.

Brian De Palma machte King nicht erst zum erfolgreichen Schriftsteller. Der Roman hatte das bereits erledigt. Was noch niemand wissen konnte: Ob sich das, was auf dem Papier funktionierte, ebenso wirkungsvoll ins Kino übertragen ließ.

Brian De Palma will seinen „Jaws“-Moment
Auch die Verfilmung entstand weniger zwangsläufig, als es heute erscheinen mag.
Das Projekt wurde zunächst bei 20th Century Fox entwickelt und später von United Artists übernommen. Produzent Paul Monash sicherte sich die Rechte, Lawrence D. Cohen schrieb das Drehbuch. Die Dreharbeiten begannen am 1. März 1976. Eine interessante Rolle spielte dabei Marcia Nasatir, die später als erste weibliche Vice President of Production in Hollywood Geschichte schrieb. Nach ihrer eigenen Erinnerung hatte sie sich bereits als Agentin für Carrie eingesetzt und den Stoff ursprünglich an Monash vermittelt. Noch bevor dieser die Rechte gesichert hatte, war auch Brian De Palma auf das Buch aufmerksam geworden. Seine Motivation war durchaus handfest.

De Palma erinnerte sich später daran, dass er in Carrie die Chance auf den Karriereschub sah, den sein Freund Steven Spielberg kurz zuvor mit Der weiße Hai erlebt hatte. Spielberg war mit einem Hai endgültig zum Regiestar geworden. De Palma hatte nun ein Mädchen mit Telekinese.

Er sollte recht behalten.

De Palma macht aus King De Palma
Dass Carrie funktionierte, lag allerdings nicht daran, dass De Palma Kings Roman möglichst ehrfürchtig reproduzierte. Die literarische Vorlage erzählt Carries Geschichte keineswegs ausschließlich linear. King unterbricht die Handlung immer wieder mit fingierten Zeitungsberichten, wissenschaftlichen Texten, Buchauszügen und Protokollen einer Untersuchungskommission. Ein Teil der Ereignisse wird dadurch aus einer Zukunft betrachtet, in der die Katastrophe von Chamberlain längst geschehen ist und rekonstruiert wird. Der Film verzichtet weitgehend auf diese dokumentarische Ebene.

De Palma rückt Carrie White ins Zentrum. Ihre Unsicherheit, die Demütigungen durch ihre Mitschülerinnen, das religiös fanatische Elternhaus und schließlich die kurze Hoffnung, beim Abschlussball vielleicht doch Teil einer Welt werden zu können, die sie ihr Leben lang ausgeschlossen hat.

Zeitlupe, Split Screen und Pino Donaggios Musik machen daraus einen Film, der eindeutig auf King basiert und trotzdem unverkennbar De Palma gehört. Ausgerechnet darin steckt bereits ein Muster für viele der besten King-Verfilmungen. Stanley Kubrick machte später aus The Shining einen Kubrick-Film, sehr zum Ärger des Autors. David Cronenberg fand seinen eigenen Zugang zu The Dead Zone, John Carpenter zu Christine. Rob Reiner konnte aus Kings Geschichten sowohl Stand by Me als auch Misery entwickeln. Frank Darabont fand darin später The Shawshank Redemption und The Green Mile. King lieferte Geschichten, keine Gebrauchsanweisungen. Und gerade deshalb konnten sehr unterschiedliche Filmemacher etwas Eigenes darin finden.

Ein Horrorfilm bei den Oscars
Bei Carrie funktionierte diese Übersetzung ziemlich gut. Box Office Mojo weist für den Film 33,8 Millionen Dollar Einspielergebnis in Nordamerika aus. Noch bemerkenswerter war allerdings, dass De Palmas Film nicht im Genrekino stecken blieb. Sissy Spacek wurde für ihre Darstellung der Carrie White für den Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert, Piper Laurie als beste Nebendarstellerin. Ein Horrorfilm über ein telekinetisches Schulmädchen brachte seine beiden zentralen Darstellerinnen zu den Academy Awards.

Darin lässt sich bereits erkennen, warum King für das Kino so ergiebig werden sollte. Seine Geschichten lassen sich leicht über ihre großen Einfälle beschreiben. Ein Mädchen besitzt telekinetische Kräfte. Ein Hotel treibt seinen Hausmeister in den Wahnsinn. Ein Auto entwickelt ein Eigenleben. Ein Hund bekommt Tollwut. Nur liegen darunter meist sehr viel alltäglichere Ängste.

Bei Carrie sind es Ausgrenzung, Pubertät, religiöser Fanatismus, eine zerstörerische Mutter-Tochter-Beziehung und der verzweifelte Wunsch, irgendwo dazuzugehören. Die Telekinese liefert die Bilder. Das Grauen beginnt lange davor.

Als die Prom Night zum Albtraum wurde
Carrie hinterließ noch an einer anderen Stelle Spuren. De Palmas Film verband den Horror so wirkungsvoll mit dem amerikanischen Teenagerleben, dass sich einiges davon in den folgenden Jahren im Genre wiederfinden sollte.
Neu waren seine einzelnen Zutaten nicht. Jugendliche hatte es im Horror längst gegeben, ebenso Geschichten über übersinnliche Kräfte. Entscheidend war ihre Mischung. Highschool-Hierarchien, Außenseitertum, erwachende Sexualität und die Grausamkeit unter Jugendlichen gehörten bei Carrie ebenso selbstverständlich zum Horror wie Telekinese und Tod.

Der Filmhistoriker Neil Mitchell sieht darin einen wichtigen Einfluss auf die Welle von Teen-Horrorfilmen und -komödien, die Ende der Siebziger und Anfang der Achtziger folgte.

Vor allem die Prom Night bekam durch Carrie ein Bild, das sich kaum noch von ihr trennen lässt. Der Abschlussball, eigentlich eines der großen amerikanischen Rituale des Erwachsenwerdens, wird zum Ort maximaler öffentlicher Demütigung. Sissy Spacek, regungslos auf der Bühne, das helle Kleid voller Schweineblut, gehört inzwischen zu den ikonischen Bildern des Horrorkinos, die auch Menschen erkennen können, die Carrie nie gesehen haben. Dass der Film dabei weit über seinen ursprünglichen Kinostart hinausgewachsen ist, lässt sich sogar ziemlich offiziell festhalten: 2022 nahm die Library of Congress Carrie in das National Film Registry auf, in dem Filme aufgrund ihrer kulturellen, historischen oder ästhetischen Bedeutung für das amerikanische Filmerbe bewahrt werden.

Carrie hatte damit längst ein Eigenleben entwickelt. Kings Name sollte in den folgenden Jahren immer größer über den Verfilmungen seiner Bücher stehen. De Palmas Film brauchte ihn irgendwann kaum noch, um erkannt zu werden. Ein weißes Kleid, Schweineblut und eine Abschlussballbühne genügten.

Sieben Jahre bis zur King-Welle
Hollywood reagierte auf den Erfolg von Carrie nicht sofort mit einer Lawine weiterer Verfilmungen. Genau das macht die Entwicklung interessanter. 1979 wurde Salem's Lot von Tobe Hooper für das amerikanische Fernsehen adaptiert. 1980 folgte Stanley Kubricks The Shining. 1982 arbeitete King mit George A. Romero an Creepshow. Und dann kam 1983. Im August startete Cujo. Im Oktober folgte David Cronenbergs The Dead Zone. Im Dezember John Carpenters Christine.

Drei King-Verfilmungen innerhalb von fünf Monaten.

Besonders schön lässt sich die Veränderung an Christine ablesen. Kings Roman erschien am 29. April 1983. Carpenters Film kam bereits am 9. Dezember desselben Jahres ins Kino. Zwischen Buch und Film lagen nicht einmal acht Monate. Sieben Jahre nach Carrie musste ein King-Roman offenbar nicht mehr jahrelang auf eine Verfilmung warten. Der Name hatte begonnen, seinen eigenen Sog zu entwickeln. Es folgten Kinder des Zorns, Der Feuerteufel, Der Werwolf von Tarker Mills, Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers, Running Man, Friedhof der Kuscheltiere, Misery und viele weitere. Nicht alle waren gut. Manche waren ziemlich schlecht.

Stephen King überstand sie alle.

Ein Franchise, das keines ist
Genau darin liegt das eigentlich Außergewöhnliche seiner Hollywood-Karriere. Stephen King wurde zu einer Art Franchise ohne Franchise. Batman braucht Batman. James Bond braucht Bond. Star Wars braucht zumindest irgendeine Verbindung zu seiner weit entfernten Galaxis. Stephen King braucht im Zweifelsfall einen Schriftsteller in einer Schreibblockade, vier Jungen auf der Suche nach einer Leiche, einen Gefängnisinsassen, einen tollwütigen Hund, ein besessenes Auto oder ein Hotel mit erheblichen Personalproblemen.

Der Zusammenhang ist nicht die Handlung. Der Zusammenhang ist der Autor.

Selbst die Vorstellung von King als reinem Horrorlieferanten hält seiner Filmografie kaum stand. Stand by Me ist eine Coming-of-Age-Geschichte. The Shawshank Redemption ein Gefängnisdrama. The Green Mile verbindet das Übernatürliche mit einer Geschichte über Schuld, Mitgefühl und Tod. Und Misery lässt sich ebenso als ziemlich boshafte Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Künstler und Publikum lesen. Kings Geschichten besitzen einen Wiedererkennungswert, ohne auf eine einzige Form festgelegt zu sein. Das ist der eigentliche Sonderfall. Hollywood konnte immer wieder Stephen King verfilmen, ohne immer wieder denselben Film drehen zu müssen.

Und wieder Carrie
Wie langlebig diese Verbindung geworden ist, zeigt ausgerechnet der Stoff, mit dem alles angefangen hat. Carrie selbst wurde längst mehrfach neu aufgelegt. 1999 kam mit Carrie 2 – Die Rache eine Fortsetzung ins Kino, 2002 folgte eine Fernsehfassung, 2013 eine weitere Kinoversion. Und nun beginnt die Geschichte erneut.

Am 7. Oktober 2026 veröffentlicht Prime Video eine achtteilige Carrie-Serie, die erste Serienadaption des Romans. Mike Flanagan fungiert als Showrunner, Autor und Executive Producer und inszenierte vier Episoden. Stephen King ist ebenfalls Executive Producer. Summer H. Howell spielt Carrie White, Samantha Sloyan ihre Mutter Margaret. Interessanter als die bloße Neuauflage ist, wo Flanagan den alten Stoff in der Gegenwart verortet. Amazon beschreibt eine Carrie, die sich mit viralem Mobbing und dem sozialen Druck einer völlig anderen Jugendkultur auseinandersetzen muss. Die Mechanik bleibt vertraut, ihre Reichweite hat sich verändert. Wo die Demütigung 1976 auf Schulfluren, in Umkleiden und schließlich vor den Augen eines Abschlussballs stattfand, besitzt sie 2026 eine potenziell unbegrenzte Öffentlichkeit.

Vielleicht ist das der Grund, warum ausgerechnet diese Geschichte immer wieder zurückkehrt. Carrie handelt nur oberflächlich von Telekinese. Darunter steckt eine Geschichte darüber, was Menschen einander antun, sobald eine Gruppe entschieden hat, dass jemand nicht dazugehört. Der Eimer Schweineblut ist lediglich die spektakulärste Form davon.

50 Jahre später
Brian De Palma wollte 1976 einen guten Film drehen und hoffte darauf, dass Carrie seiner Karriere den entscheidenden Schub geben würde. Stephen King wiederum war bereits auf dem Weg zum erfolgreichen Schriftsteller. Sein erster Roman hatte sein Leben schon verändert, bevor die erste Filmrolle belichtet wurde. Was keiner von beiden wissen konnte, war, was danach aus dieser Verbindung entstehen würde.

Sieben Jahre später liefen drei King-Verfilmungen innerhalb von fünf Monaten im Kino. Danach verschwand sein Name praktisch nie wieder von der Leinwand. Einige der größten Regisseure ihrer Generation griffen auf seine Geschichten zurück, andere scheiterten spektakulär daran. Selbst das schadete der Faszination kaum. Und nun, 50 Jahre später, landet Hollywood wieder bei Carrie White. 1976 war Stephen King der Autor des Buches, auf dem Brian De Palmas neuer Film basierte. Heute ist Carrie wieder da, weil sie Carrie ist.

Aber eben auch, weil Stephen King draufsteht.

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