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Tante Lydia - Ein ambivalenter und doch faszinierender Seriencharakter

lolineta

Von lolineta in Tante Lydia - Ein ambivalenter und doch faszinierender Seriencharakter

Tante Lydia - Ein ambivalenter und doch faszinierender Seriencharakter Bildnachweis: © Hulu / Disney+

Tante Lydia (Ann Dowd) aus der Serie The Handmaid's Tale - Der Report der Magd ist ein Phänomen. Man hasst sie und muss sie manchmal gleichzeitig irgendwie gern haben. Und dass, obwohl sie Dinge getan hat, die eigentlich absolut unverzeihlich sind. Aber genau das, weckt eine gewisse Faszination an diesem so ambivalenten Seriencharakter, der einerseits ein Monster und im nächsten Moment, ein sensibler und mitfühlender Mensch sein kann. Wenn auch nur für einen kurzen Moment... Zu Beginn der Serie The Handmaid's Tale hat man sie als Zuschauer gewiss nicht nur einmal für vollkommen verrückt, wenn nicht sogar für psychopatisch gehalten, bei dem kranken Unfug, den sie im “Rahel und Lea”-Zentrum von sich gegeben hat. Den Dienstmägden, eine Gruppe fruchtbarer Frauen, die dem christlich fundamentalistischen Staat Gilead als Gebärmaschinen zu dienen haben, zu erklären, dass die monatlichen Vergewaltigungen eine "heilige Zeremonie" seien und wie viel Glück sie doch hätten für diese heilige Pflicht, dem Staat Kinder zu gebären, ausgewählt worden zu sein. Oft hat man sich gefragt: Meint sie das gerade ernst, was sie da von sich gibt?

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Tatsächlich meinte sie es damals absolut ernst... Lydia ist nämlich in ihrem Glauben sehr fanatisch und zu Beginn geht man davon aus, dass Lydia die Vergewaltigungen der Mägde, während der Zeremonien, bloß mit biblischen Versen verschleiern will und ganz genau weiß, was den Frauen eigentlich damit angetan wird. Aber wie sich im Laufe der Serie herausstellt, wurde Lydia selbst hinters Licht geführt und von Gilead zum Narren gehalten. Und ihr war tatsächlich nicht ganz so bewusst, dass die Dienstmägde ("ihre Mädchen", wie sie sie nennt) nicht bloß eine heilige Pflicht erfüllen, sondern von ihren Kommandanten, während und auch über die monatliche Zeremonie hinaus, sexuell ausgebeutet werden. Dass sie sie auch noch ausgeliefert hat, gibt ihr irgendwann zu denken. Während der ersten 5 Staffeln gibt es immer wieder Momente, in denen sie für einen Augenblick nahbar und menschlich wirkt. Sie zeigt Mitgefühl mit den Mägden, hat aber die Pflicht, sie im Namen des Staates zu bestrafen, um am Ende nicht selbst an der Mauer zu landen, wo Menschen gehängt werden, die sich nicht an die Gesetze Gileads halten.

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Zum Ende der 6. Staffel zeigt Lydia dann eine Seite von sich, für die man ihr tatsächlich Standing Ovations geben möchte. Und das, nach allem was war. Endlich verteidigt sie "ihre Mädchen", für die sie all die Jahre verantwortlich war, und kämpft für sie. Kaum ein Charakter hat einen derart starken Wandel durchlaufen wie Tante Lydia, die von der brutalen Tyrannin, die Janine (Madeline Brewer), June (Elisabeth Moss) und die anderen Mägde auf brutale Weise gefoltert hat, zu einer mitfühlenden, reflektierten und nahbaren Person mit einer menschlichen Seite wird. Es gibt wohl kaum einen Charakter in der Serien- und Filmgeschichte, der derart ambivalente Gefühle in einem weckt wie Tante Lydia. Denn auch, wenn man für einen Moment Sympathien für sie entwickelt, vergisst man natürlich nicht ihre Gräueltaten. Vor allem ihre Janine, die sie liebt wie eine Tochter, hat viel mit ihrer charakterlichen Entwicklung zu tun. Das hat vor allem damit zu tun, dass sie Janines Auge entfernen ließ und sie sich im Nachhinein deswegen in irgendeiner Weise schuldig fühlt. Lydia war generell anfangs sehr gewalttätig und neigte oft zu unkontrollierten Wutausbrüchen. Erinnern wir uns auch an Emily (Alexis Bledel), die sie hat beschneiden lassen, weil sie lesbisch ist. Oder die Szene in Staffel 2, in der sie die Hände der Mägde an einem Gasherd festgeschnallt hat, weil sie Janine wegen eines Vergehens bei einer öffentlichen Hinrichtung nicht steinigen wollten.

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Tante Lydia hat uns am Ende jedoch alle (positiv) überrascht. Und das vollkommen unerwartet... Sie hat schlimme Fehler begangen. Es waren Grausamkeiten inklusive Folter schwerster Form. Natürlich sind ihre schrecklichen Taten schwere Verbrechen, die sie nie wieder gut machen kann und eigentlich unverzeihlich sind. Und doch ist sie ein Charakter, der hin und wieder inmitten dieses verrückten Horror-Regimes eine menschliche liebevolle Seite von sich gezeigt hat, wenn auch nur kurz. Sie ist letzten Endes sogar doch noch aufgewacht, hat ihre Fehler eingesehen, dafür aufrichtig um Vergebung gebeten und ist für ihre Mädchen öffentlich eingestanden. Ein rührender Moment, der im Gedächtnis bleibt. Und nicht zu vergessen, dass keine andere Darstellerin als Ann Dowd (Compliance) besser zu dieser wirklich speziellen Rolle gepasst hätte. Dieser Charakter wurde von ihr so herausragend gespielt, dass sie dafür im Jahr 2017 zu Recht sogar einen Emmy erhielt.

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In der Fortsetzung der Serie, die den Titel The Testaments trägt, wird Tante Lydia, neben Junes Töchtern Hannah alias Agnes (Chase Infiniti) und Nichole/Holly alias Daisy (Lucy Halliday) eine zentrale Rolle spielen. Denn ihre Geschichte wird auch in der Romanfortsetzung von Margaret Atwood The Testaments (Deutscher Titel: Die Zeuginnen) weitererzählt. In wie weit Tante Lydia ein Auge auf die beiden Mädchen haben wird, erfahren wir schon bald. Denn das Spin-Off erscheint bereits am 8. April auf Hulu und Disney+.

Was denkt ihr über den Seriencharakter Tante Lydia?

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