Die ersten Folgen der fünften Staffel erwecken nicht den Eindruck, dass sich daran etwas ändern wird. Von Folge zu Folge gibt es zwar neue Arten der Beißer (so werden die Zombies in der Serie genannt) zu bestaunen (Oh toll, ein brennender Zombie), inhaltlich hält Showrunner Scott M. Gimple aber den Kurs, den er mit dem Finale der vierten Staffel eingeschlagen hat. Das heißt, dass die fünfte Staffel, trotz einiger Pausen und langgezogener, dramaturgisch oftmals sehr ausgewalzter Dialogszenen, vor allem auf brutale Action setzt. Dabei erweist sich das Motto „Fight the Dead, Fear the Living“ als äußerst repräsentativ, denn die erhoffte Zuflucht Terminus erweist sich als Hort des Grauens. Eine Art Feriencamp für Hannibal Lecter und solche die es werden wollen. Die Pilotepisode der fünften Staffel ist dabei wirklich eingängig, rasant und fesselnd inszeniert. Im Gegensatz zu Staffel 2, 3 und 4 - die letztlich mehr Staffel 3.2 war – macht Gimple hier endlich einmal von Beginn an Tempo und zieht einzelne Situationen und Momente nicht unnötig in die Länge.
Bereits mit der zweiten Folge schleichen sich dann aber wieder Nachlässigkeiten in die Serie. Erneut wird wieder zu oft unnötig auf die Bremse gedrückt und so langsam gelingt es der Serie auch nicht mehr, die plötzlichen Zombieangriffe wirklich überraschend zu verkaufen. Staffel 5 von „The Walking Dead“ pendelt in den ersten Episoden noch zwischen Stagnation und dem Willen nicht mehr abzuliefern als reißerischen Horror, in dem mittlerweile nicht nur vom Gewaltgrad alle Grenzen sprengt, sondern auch die facettenlose Charakterisierung der Figuren. Als guilty pleasure, als großes, dumpfes Zombiemassaker macht die Serien auch in Staffel 5 Laune, nur leider scheinen Gimple und sein Team wieder mehr aus der Serie rausholen zu wollen als das. Dabei extrahieren sie aus der dargebotenen Serienwelt aber nicht mehr als eine brutale Seifenoper mit Untoten.
Bisheriges Fazit:
Trotz allen bisher aufgetretenen Makeln, hinterlassen die ersten Episoden der fünften Staffel doch einen besseren Eindruck, als alles, was nach Staffel 1 passiert ist. Jetzt zu sagen, dass es Hoffnung für die Serie gibt, ist Blödsinn. Egal wie sich Gimple nun entscheidet, wie Sheriff Rick (Andrew Lincoln) seine Gruppe durch die Zombiewelt führen wird, der Erfolg der Serie ist faktisch unbestreitbar. Vielleicht sollte es lieber so lauten: Es wäre schön, wenn „The Walking Dead“ nicht mehr zwanghaft versuchen würde auf großes Drama zu machen und stattdessen einfach nur räudige Zombieaction bietet, denn das kann die Serie wirklich gut. Ob dieser Wunsch Realität wird, lässt sich nach den ersten Folgen der neuen Staffel weder verneinen noch bestätigen. Auch eine Art der Spannung.
Redakteur, Teil der Chef-Redaktion
Liebt Film und liebt Kino. Sehr sogar. Schreibt seit (viel zu) langer Zeit News und Filmkritiken bei Moviebreak. Macht beim Tele-Stammtisch außerdem jede Menge Podcasts. Sein Lieblingsprojekt: Schocker mit Schlogger. Ist auch bei Letterboxd und Instagram zu finden.