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Inhalt

Es ist nur noch eine Woche hin bis zum 45. Hochzeitstag von Kate und Geoff, und die Vorbereitungen für die Feierlichkeit laufen gut. Doch dann erreicht sie ein Brief von ihrem Ehemann. Die Leiche seiner ersten Liebe wurde gefunden, eingefroren und konserviert im Eis der Schweizer Alpen...

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Was muss das für ein zermürbendes Gefühl sein, nach 45 glücklichen Jahren der Ehe plötzlich in ein stetes Gefühl der Ungewissheit gestoßen zu werden: Wie viel Wert kann man der ehelichen Erfüllung, die man ihr über diese lange Zeit der Zweisamkeit beigemessen hat, noch rechtfertigen, wenn die Karten von Jetzt auf Gleich neu gemischt werden müssen? Kate Mercer (Charlotte Rampling, „Lemming“) findet sich in eben dieser Situation wieder. Seit 45 Jahren ist sie nun mit Geoff (Tom Courtenay, „Nachtzug nach Lissabon“) verheiratet und kurz bevor dieses Jubiläum, Messinghochzeit genannt, feierlich angetreten werden soll, wird die Ehe zwischen Kate von Geoff vom gewaltigen Schatten der Vergangenheit verdeckt. Der Leichnam von Geoffs alter Freundin Katya wurde nach 50 Jahren entdeckt, nachdem sie in den 1960er Jahren bei einer Bergtour tödlich verunglückte. Ihr Körper soll durch das Eis der Schweizer Alpengletscher perfekt konserviert worden soll, was in „45 Years“ (im übertragenen Sinne) symbolisch zu verstehen ist.

Die Ehe zwischen Kate und Geoff zeichnet sich durch die Selbstverständlichkeit einer von (keinesfalls negativ konnotierten) Gleichförmigkeit signierten Beziehung aus: Ein beschauliches Häuschen in der Provinz, ein uriges Dorf in Reichweite und ein Freundeskreis, der sich seit Dekaden nicht verändert hat. Diese Selbstverständlichkeit wird jedoch jäh aus den Fugen gerissen, als Kate bemerkt, wie sehr sich Geoff zurück in die Vergangenheit begibt und in Erinnerungen schwelgt. Nicht nur interessiert er sich nun für den Klimawandel und sorgt sich um das Wasser, welches durch die schmelzenden Gletscher in den Erdboden sickert; er malt sich in seiner Zurückgezogenheit unverkennbar ein Leben mit Katya anstatt Kate aus. Genau die gleiche Frage, wie sie Geoff in seinen Gedanken behandelt, quält Kate zusehends: Was wäre wenn? Was wäre, wenn Katya damals nicht tragisch ums Leben gekommen wäre? Und ist Kate nur ein Lückenbüßer, der die Wunden der Vergangenheit flicken soll? Zweifel keimen auf, es wird sich um Empathie bemüht, doch die Vernunft zerschellt zwangsläufig an der Irrationalität des eigenen Gefühlshaushaltes.

„45 Years“ ist ein ungemein intimer Film. Gedämpft in leichtem Blau, stellt uns Andrew Haigh („Weekend“) mit Kate und Geoff zwei Protagonisten vor, die so organisch sind, dass man nach wenigen Minuten bereits glauben könnte, diese wirklichkeitsnahen Personen in seinem eigenen Leben schon einmal getroffen zu haben – selbst wenn es nur auf einem flüchtigen Kontakt beruht. Entscheidend für diese Authentizität ist nicht nur das feingliedrige Drehbuch, welches sich zu keiner Zeit in Plattitüden wälzt und das strauchelnde Eheleben über Schlagworte zu entschlüsseln versucht, sondern auch die formidablen Schauspielleistungen. Sowohl Charlotte Rampling als auch Tom Courtenay begegnen ihren Charakteren mit einer pointiert angelegten Menschlichkeit, die unausgesetzt beeindruckend. Das Überdenken der gemeinsamen Geschichte, die Ungewissheit, die Zweifel, ja, das Hinterfragen der eigenen Identität wird auf den standhaften Schultern der großen Darsteller ausgetragen, die wissen, wie man Emotionen exakt in Gesten und Gesichtszüge übersetzt, ohne ein Wort darüber zu verlieren.

Fazit

Mit „45 Years“ hat Regisseur und Drehbuchautor Andrew Haigh zweifelsohne einen der besten Filme des Jahres 2015 inszeniert. Nicht nur, dass der britische Filmemacher ein ungemeines Feingefühl an den Tag legt, mit dem er seine Geschichte um eine ins Straucheln geratene Ehe angeht, er beweist sich auch als Meister in Sachen adäquater Schauspielführung. Das ist allerdings auch eine dankbare Angelegenheit gewesen, denn mit Charlotte Rampling und Tom Courtenay hat „45 Years“ zwei Darsteller an vorderster Front aufzuweisen, die durch ihr nuanciertes Spiel längst allseits bekannt geworden sind. Wer sich allerdings noch einmal davon überzeugen möchte, wie man Charakteren Menschlichkeit einhaucht, ist hier an der richtigen Adresse. Ein toller Film.

Kritik: Pascal Reis

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