Inhalt
Herr Sayama ist verschwunden. Noch am Tag zuvor versprach der Redakteur des Ultra-Mystery-Magazins die Story seines Lebens, eine Enthüllung, die alles Bisherige in den Schatten stellen sollte. Die jungen Journalist:innen Chihiro und Ozawa begeben sich auf die Suche nach ihrem Kollegen und graben sich dafür tief durch Sayamas Archiv im Keller des Verlagsgebäudes. Sie stoßen auf kryptische Zeichnungen, haarsträubende Videoclips und eine okkulte Legende, die in die finstersten Ecken der Region Kinki führen. Dann verschwindet auch Ozawa.
Kritik
Sayama, Journalist für ein auf übernatürliche Phänomene spezialisiertes Revolver-Blättchen, kündigt seinem Kollegen Ozawa (Eiji Akaso, Zom 100: Bucket List of the Dead) noch großspurig an, dass seine neueste Story diesen aus den Socken hauen würde, bis er dann wie aus heiterem Himmel spurlos verschwindet. Gemeinsam mit seiner befreundeten Kollegin Chihiro (Miho Kanno, Takeshi Kitanos Dolls) sucht Ozawa die Spur zu ihm in dessen gesammelten Unterlagen. Diese befassen sich mit knapp 40 Jahren von ebenso unter mysteriösen Umständen verschwundenen Personen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Bis sie unter den zahlreichen Videoaufnahmen doch auf eine Verbindung stoßen, die sie auf eine alte Volkssage in der Kinki-Region hinweist.
Der Genre-erprobte Regisseur Koji Shiraishi (Hell Girl) liefert mit About a Place in the Kinki Region eine Mixtur verschiedener Stilrichtungen ab. Was als Mystery-Thriller beginnt, deutet bereits früh klassischen J-Geister-Horror an, um dann immer wieder deutliche Elemente von Desktop-Thrillern und ganz besonders Found-Footage-Horror zu bedienen. Wer mit dem stilistisch schon viel zu lange gänzlich auserzählten Jump-Scare-Gewackel partout nichts anfangen kann muss hier aber nicht sofort entnervt abwinken, denn Shiraishi verlässt sich nicht exklusiv auf diese Methodik und verwendet den Found-Footage-Part - ähnlich wie in dem bis heute indizierten Genre-Primus Nackt und zerfleischt – mehr als erzählerische Komponente innerhalb eines konventionell vorgetragenen Films. So verkommt die Mechanik nicht zwangsläufig zum repetitiven Gimmick und versteckte Pauschal-Rechtfertigung für schmales Budget und limitierte Handwerkskunst, wie es bei so vielen Found-Footage-Filmen den Anschein macht.
Natürlich erfindet der Film damit das Genre auch nicht neu und bedient sehr wohl auch all das, was man an Found-Footage eventuell mögen oder eben abstoßend finden kann. Statt effektivem Spannungsaufbau wird sich überwiegend auf blankes Erschrecken verlassen und auch davon wird man nicht gerade überrannt. Mit zunehmender Laufzeit gewinnt der Film allerdings einiges an Stimmung hinzu und setzt immer mal wieder Akzente, die tatsächlich Beklemmung und sogar richtig verstörenden Situationen kreieren. Das bleiben zwar Momentaufnahmen, einer gewissen Effektivität und Qualität mag man dem aber kaum absprechen. Gegen Ende nimmt das Geschehen sogar noch einen deutlichen Abstecher Richtung Folk-Horror und kulminiert in einem Schlussakt, der sich nicht vor deutlicher, bizarrer Absurdität scheut. Das mag sogar überladen und für ein westlich-konservatives Publikum möglicherweise lächerlich wirken, gibt dem Ganzen aber eine recht eigene Note. Das ist in seiner Gesamtheit damit nicht zwangsläufig rundum gelungen oder grundsätzlich empfehlenswert, besitzt aber zumindest einen sonderbar-individuellen Reiz, der vielen 08/15-Schockern nach Schema F vollkommen abgeht. Lieber so was, als zum x-ten Mal den Insidious-Instant-Button malträtieren.
Fazit
Die Mischung aus Found-Footage, J-Spuk- und Folklore-Horror wirkt zwar oftmals wüst zusammengewürfelt und ist am Ende des Tages nicht mehr als neuer Stoff für unverbesserliche Horror-Film-Enthusiasten. Dank einer Handvoll gelungener Momente und seinem finalen Hang zum hemmungslosen Austoben besitzt es aber durchaus ein paar Reizpunkte, die ihn nicht völlig belanglos werden lassen.
Autor: Jacko Kunze