Inhalt
In „Mortal Kombat II“ kehren die Lieblinge der Fans zurück – noch schlagkräftiger, noch entschlossener und diesmal verstärkt durch niemand Geringeren als Johnny Cage höchstpersönlich. Auf die Helden wartet ein gnadenloser, blutiger Kampf, der alles Bisherige in den Schatten stellt. Das Ziel: die Schreckensherrschaft von Shao Khan zu beenden. Doch der Einsatz könnte nicht höher sein, denn es geht um das Überleben von Earthrealm – und das Schicksal seiner letzten Verteidiger.
Kritik
Das Franchise-Kino expandiert weiter – und Videospielverfilmungen haben sich vom einstigen Problemfall zu einer festen Größe entwickelt. Was lange als schwer übertragbar galt, wird inzwischen mit wachsendem Selbstbewusstsein adaptiert. Markenbekanntheit, internationale Fangemeinden und bereits ausgearbeitete Welten liefern ideale Voraussetzungen. Mortal Kombat 2 ist ein typisches Produkt dieser Entwicklung: sichtbar bemüht, die eigene Vorlage ernst zu nehmen, zugleich darauf bedacht, ein möglichst breites Publikum anzusprechen.
In der zweiten Kino-Runde gibt es endlich ein Turnier
Schon der erste Teil aus dem Jahr 2021 deutete an, dass sich das blutige Prügelspiel zumindest in Ansätzen filmisch umsetzen lässt. Die Kämpfe funktionierten, der Ton traf häufig die richtige Balance, auch wenn ein echtes Turnier damals noch fehlte. Genau dieses Versäumnis holt die Fortsetzung nun nach. Mortal Kombat 2 strukturiert sich deutlich stärker entlang eines klassischen Turnierprinzips und orientiert sich dabei erkennbar an den Mechaniken der Spiele. Figuren treten nacheinander gegeneinander an, Kämpfe wirken wie einzelne Level, die es zu absolvieren gilt.
Die Macher versuchen dabei, typische Game-Elemente ins Kino zu übertragen – mit gemischtem Erfolg. Was im Spiel als klare, motivierende Struktur funktioniert, wirkt hier oft erstaunlich grob. Übergänge bleiben holprig, Spannungsbögen werden nur halbherzig aufgebaut. Statt eines fließenden Erzählrhythmus entsteht der Eindruck, als würde sich der Film von Kampf zu Kampf hangeln, ohne die einzelnen Momente wirklich organisch miteinander zu verbinden. Die Idee ist nachvollziehbar, die Umsetzung jedoch eher bullig als elegant.
Zwischen Fanservice und erzählerischen Brüchen
Im Zentrum steht diesmal Johnny Cage, verkörpert von Karl Urban. Diese Besetzung erweist sich als klarer Gewinn. Urban bringt eine selbstironische Lässigkeit mit, die perfekt zur Figur passt und dem Film eine willkommene Dynamik verleiht. Seine Auftritte (vor allem die deutlich parodistischen) gehören zu den stärkeren Momenten, weil sie den Ton treffen, den der Film insgesamt anstrebt: überzeichnet, aber nicht völlig beliebig. Gleichzeitig rückt Cole Young (Lewis Tan), der ohnehin wenig profilierte Protagonist des ersten Teils, spürbar in den Hintergrund – eine Verschiebung, die kaum schmerzt, aber die fehlende Fokussierung des Films unterstreicht, der stellenweise fast mehr wie ein Reboot wirkt, als wie eine Fortführung.
Auch andere Figuren erhalten mehr Raum (besonders Adeline Rudolph als Kitana), doch die Vielzahl an Handlungssträngen sorgt eher für Zerstreuung als für Tiefe. Der Film springt häufig zwischen Schauplätzen und Charakteren, was den Fluss merklich bremst. Gerade in der ersten Hälfte funktioniert das noch erstaunlich gut. Der Film bewegt sich hier selbstbewusst in seinem bewusst überdrehten Kosmos, nimmt den eigenen Unsinn an und liefert kurzweilige Unterhaltung. Dieser Grundton verschwindet allerdings nie vollständig – Mortal Kombat 2 bleibt durchgehend ein ziemlich absurder Film. Nur wird ihm immer wieder eine Schwere übergestülpt, die sich nicht organisch entwickelt, sondern wie ein Fremdkörper wirkt.
Diese wiederkehrenden Versuche, dem Geschehen mehr Bedeutung zu verleihen, stehen im Kontrast zur eigentlichen Stärke des Films: seiner direkten, unkomplizierten Energie. Statt diese konsequent auszuspielen, unterbricht er sich selbst immer wieder mit Momenten, die größer wirken wollen, als sie sind. Das sorgt für Reibung im Tonfall und nimmt dem Film spürbar Tempo.
Solide Kämpfe, schwache Wirkung: Warum Action und Inszenierung nicht mehr zünden
Die Action selbst bleibt solide. Die Kämpfe sind (für solch eine Produktion) annehmbar choreografiert und liefern das erwartete Maß an Härte. Doch im Vergleich zum Vorgänger fehlt es ihnen an Frische. Die Gewalt wirkt weniger überraschend, eher wie ein fest eingeplanter Bestandteil, der zuverlässig abgerufen wird, ohne neue Akzente zu setzen. Hinzu kommt ein visuelles Problem: Während der erste Teil noch mehr mit Greifbarkeit punktete, setzt die Fortsetzung noch stärker auf digitale Welten. Das Ergebnis wirkt glatter, aber auch deutlich steriler. Viele Szenen verlieren dadurch an Wucht und hinterlassen einen zu künstlichen Eindruck.
Mortal Kombat 2 ist damit kein Totalausfall. Es gibt genug Momente, in denen der Film funktioniert – vor allem dann, wenn er sich auf seine Stärken verlässt und den überdrehten Ton nicht infrage stellt. Gleichzeitig steht er sich immer wieder selbst im Weg. Die Mischung aus überladenem Figurenensemble, unruhiger Struktur und tonalem Schwanken verhindert, dass sich ein klarer Rhythmus entwickelt.
Vermutlich ist das größte Problem des Sequels, dass es seine Stärken kennt, ihnen aber nicht konsequent vertraut. Er schwankt zwischen Selbstironie und aufgesetztem Ernst, zwischen Fanservice und dem Versuch, mehr erzählerisches Gewicht zu erzeugen. In seinen besten Momenten blitzt auf, welches Vergnügen in dieser Welt stecken könnte – getragen von einer spielfreudigen Besetzung (Josh Lawson als Kano ist der wahre Star!) und einem grundsätzlich funktionierenden Konzept. Doch zu oft verliert sich das Geschehen in Überfrachtung, büßt Tempo ein und verzettelt sich in seiner eigenen Struktur.
Fazit
"Mortal Kombat 2" liefert das ersehnte Turnier, verliert sich dabei jedoch in Struktur, Ton und Überfrachtung. Zwischen Unentschlossenheit und brachialem Fanservice blitzt kurzzeitig echtes Vergnügen auf – nur um im nächsten Moment wieder ausgebremst zu werden.
Autor: Sebastian Groß