6.8

MB-Kritik

Glennkill: Ein Schafskrimi 2026

Action, Mystery, Comedy

6.8

Hugh Jackman
Emma Thompson
Nicholas Braun
Aroop Shergill
Nicholas Galitzine
Molly Gordon
Hong Chau
Tosin Cole
Jasper Ambrose
Kobna Holdbrook-Smith
Conleth Hill
Mandeep Dhillon
Bryan Cranston
Julia Louis-Dreyfus
Chris O'Dowd
Regina Hall

Inhalt

Schäfer George (HUGH JACKMAN) liest seinen geliebten Schafen jeden Abend Krimis vor und nimmt an, dass sie kein Wort davon verstehen. Doch als ein mysteriöser Vorfall das friedliche Leben auf der Farm durchbricht, wird den Schafen bewusst, dass sie selbst nun die Ermittlungen übernehmen müssen. Also folgen sie der Spur der Beweise und machen menschliche Verdächtige ausfindig. Dabei beweisen sie, dass auch Schafe brillant darin sein können, Verbrechen aufzuklären. Ein neuer, geistreicher Krimi der etwas anderen Art!

Kritik

Mit Glennkill: Ein Schafskrimi wird der Bestseller von Leonie Swann als ungewöhnlicher Mix aus Krimi, Familienfilm und Tierfabel adaptiert. Die Grundidee besitzt ohne Frage Charme: Eine Schafherde entdeckt ihren Schäfer tot auf der Weide und beginnt daraufhin selbst Nachforschungen anzustellen. Zwischen britischer Dorfidylle, trockenem Humor und sprechenden Schafen entsteht ein Film, der vor allem auf gemütliche Unterhaltung setzt – dabei aber viel von dem verschenkt, was die Romanvorlage besonders gemacht hat.

Die Macher von "Chernobyl" und "Minions" haben einen hochinteressanten Kriminalroman verfilmt

Die Geschichte folgt Lily, Moppel und dem Rest der Herde, die überzeugt davon sind, dass ihr Schäfer ermordet wurde. Weil die menschlichen Ermittler*innen kaum Fortschritte machen, nehmen die Tiere die Sache selbst in die Hufe. Der Kriminalfall entwickelt sich allerdings erstaunlich spannungsarm. Viele Wendungen sind früh vorhersehbar, die Auflösung bleibt unspektakulär und insgesamt erinnert der Film oft eher an harmlose Vorabendunterhaltung als an einen wirklich clever konstruierten Krimi. Wenn man bedenkt, dass für die Drehbuchadaption Craig Mazin verantwortlich war, der Macher hinter Serien-Erfolgen wie Chernobyl ist das Ergebnis eher ernüchternd.

Das größte Problem der Verfilmung liegt jedoch woanders: Der Roman bot gerade im philosophischen Bereich deutlich mehr Tiefe. Besonders die Perspektive der Schafe machte die Vorlage interessant, weil menschliches Verhalten aus Sicht der Tiere plötzlich absurd, traurig oder rätselhaft wirkte. Themen wie Tod, Erinnerung oder Religion wurden dort auf überraschend kluge Weise behandelt. Der Film streift viele dieser Ideen zwar kurz, nutzt die spannenden Ansätze der Vorlage aber nur sehr oberflächlich. Statt daraus etwas Eigenständiges oder Nachdenkliches zu entwickeln, bleibt es meist bei kleinen humorvollen Einfällen.

Gerade deshalb fühlt sich Glennkill oft harmloser an, als er eigentlich sein müsste. Die Verfilmung deutet interessante Gedanken lediglich an, ohne sie wirklich auszubauen. Wer den Roman kennt, merkt schnell, dass hier viel erzählerisches Potenzial verloren geht. Auch die Figuren bleiben recht schlicht gezeichnet. Viele der Schafe lassen sich schnell auf einzelne Eigenschaften reduzieren. Wirklich heraus sticht nur Moppel, der durch seine sensible Art und seinen Umgang mit Erinnerungen wenigstens etwas emotionale Tiefe bekommt. Man hätte sich gewünscht, der Film von Regisseur (Minions - Auf der Suche nach dem Mini-Boss) würde sich stärker auf ihn konzentrieren.

Alles grundsolide, aber das Potenzial wird nicht ausgeschöpft

Visuell hinterlassen die animierten Schafe einen gemischten Eindruck. Auf den Weiden oder innerhalb der Herde funktionieren die Effekte durchaus ordentlich. Schwieriger wird es immer dann, wenn die Tiere direkt mit Menschen interagieren. Dann wirkt die Animation häufig künstlich und sorgt stellenweise für einen leicht befremdlichen Eindruck. Trotzdem bleibt der Einsatz digitaler Tiere nachvollziehbar, gerade weil man dadurch auf echte Tiere am Set verzichten konnte.

Der prominent besetzte Cast dürfte für viele Zuschauer*innen dennoch ein Anreiz sein. Der ewige Wolverine  wird im Marketing zwar stark hervorgehoben, besitzt (wenig verwundlich im Kontext zur Handlung) aber nur wenig Screentime. Daneben treten unter anderem (Eine Zauberhafte Nanny),  (Wuthering Heights - Sturmhöhe),  (Succession) und  (Good Boys - Nix für kleine Jungs) auf, wobei besonders Gordons Figur erstaunlich blass bleibt und keine der Darsteller*innen wirklich genügend zu tun bekommt, um richtig glanzvolle Momente zu präsentieren. Die deutsche Synchronfassung funktioniert solide. Anke Engelke und Bastian Pastewka verleihen den Hauptschafen spürbar Charme, ohne dabei zu sehr in bekannte Comedy-Muster abzurutschen.

Glennkill: Ein Schafskrimi bleibt ein sympathischer, stellenweise durchaus amüsanter Wohlfühlkrimi mit hübscher Atmosphäre und einer originellen Ausgangsidee. Gleichzeitig fehlt es der Verfilmung an Spannung, erzählerischer Tiefe und Mut, die interessanten Gedanken der Vorlage wirklich auszureizen. Solide Unterhaltung für einen entspannten Kinoabend – mehr aber leider auch nicht.

Fazit

"Glennkill: Ein Schafskrimi" punktet mit Charme, nutzt die philosophische Tiefe der Vorlage jedoch nur oberflächlich und bleibt in austauschbarer Idylle sowie dröger Krimikost stecken. Immerhin wissen wir jetzt endlich, wie ein Film aussieht, bei dem die Macher von "Chernobyl" und den "Minions" Positionen beteiligt waren.

Autor: Sebastian Groß
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