MB-Kritik

Roma Elastica 2026

Marion Cotillard
Noémie Merlant
Ornella Muti
Maurizio Lombardi
Martina Scrinzi
Franco Nero
Isabella Ferrari
Milutin Dapčević
Rose Harlean
Christophe Bier
Mathe Kabe
Agnese Claisse
Zlatko Burić
Josephine Thiesen
Michele Bravi
Alessio Gallo

Inhalt

Im Jahr 1982 reist eine Schauspielerin, die kurz vor dem Zusammenbruch steht, nach Rom, um ihren womöglich letzten Film zu drehen.

Kritik

Ein kalkulierter Cocktail aus cinephilem Eklektizismus und Experimentierfreude, popkultureller Parodie und schriller Satire sowie Feminismus weniger als politischer Direktive denn als abstraktes ästhetisches Konzept machen Bertrand Mandico (Conann) zum idealen Akzeptanz-Aushängeschild für Cannes. Dort debütiert seine surreales Star-Vehikel im doppelten Sinn in der Midnight Sektion. Sicher eine passendere Wahl für den französischen Filmemacher, dessen Werke immer mehr auf ihre äußere Anmutung bedacht scheinen als auf Inhalte. Letzte sind auch in seiner exaltierten Hommage an das italienische Kino vorrangig plakativ und pseudo-provokant.

Paradigmatisch für den offensiven Affront, der so überspitzt ist, das diejenigen, die er treffen sollte, sich leichthin davon distanzieren können, ist die Eingangsszene. Selbige ist tatsächlich zwei Szenen. Eine entsteht an dem klapperigen Set in der Wüste, wo Ex-Star-Schauspielerin Eddie (Marion Cotillard, Herz aus Eis) Anfang der 80er ein B-Movie dreht. Für dessen Finale massakriert sie einen aufgedunsenen Schauspieler (Zlatko Burić, Superman), der zuvor Off-Kamera eine sexistische Tirade über alternde Schauspielerinnen hält. Falls jemand die Botschaft nicht verstanden hat: Eddie ist aus, Sexismus zu töten. 

Unterstützung erhält sie von ihrer treuen Assistentin, der unerschrockenen Valentina (Noémie Merlant, Dusedie sie von zudringlichen Fotografen abschirmt und mit Zigaretten und Tabletten versorgt. Davon braucht Eddie reichlich auf der Reise nach Rom, wo sie einen bizarren Arthouse-Science-Fiction im Stil von Mandicos Projekten drehen soll. Sind die seltsamen Ereignisse am Set Wahnvorstellungen, verursacht durch Eddies tödlichen Gehirntumor? Oder sickern die Film-Phantasien in die reale Welt? Die Antwort ist nebensächlich in dem psychedelischen Plot, der ausgerechnet dem Kanon huldigt, den die Protagonistin im Film-im-Film symbolisch absticht. 

Fazit

Von Antonioni bis Zulawski zitiert Bertrand Mandicos exzentrische Experimental-Komödie mit einem Overkill an Retro-Stilmitteln von Split-Screen zu Überblendungen und Schwarz-Weiß-Segmenten ein Arsenal an Filmschaffenden. Bezeichnenderweise repräsentieren diese mehrheitlich den sexistischen Kanon, als dessen rebellischen Revolutionär sich der Regisseur inszeniert. Die verworrene Story ist nur ein Vorwand für endlose Referenzen, wilde Effekte und ästhetische Exzesse. Das Beste in diesem cineastischen Chaos sind die zahlreichen Star-Auftritte. Auch Cotillard und Merlant haben sichtlich Spaß an ihren wilden Rollen - wohl mehr als das Publikum an diesem Film. 

Autor: Lida Bach
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