Inhalt
Professor Se Jeong besucht eine Biotech-Konferenz – nur um mitzuerleben, wie diese ins Chaos stürzt, als ein sich rasant mutierendes Virus freigesetzt wird. Während sich der Ausbruch ausbreitet und die Infizierten beginnen, sich zu verwandeln, riegeln die Behörden die gesamte Anlage ab.
Kritik
Zug als fahrendes Epizentrum einer Zombie-Attacke gab Yeon Sang-hos Action-Horror Erfolg Train to Busan den Funken an Originalität, der die routiniert choreographierten Schlachtszenen und reichlich Gore zu mehr als einer Fingerübung machten. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an seinen nächsten Eintrag ins Zombie-Subgenre, der in Cannes am Rande des Wettbewerbs außer Konkurrenz Premiere feierte. Diesmal fungiert ein Hochhaus, das Bürogebäude und Shopping Mall vereint, als Ausbruchsort eines evolutionären Supervirus. Das verwandelt Infizierte in blutrünstige Bestien, die dank Schwarm-Intelligenz zur mörderischen Masse werden.
Schon die Prämisse verrät die überdeutlichen Anleihen bei 28 Days Later, Dawn of the Dead und #Alive. Thematische Bezüge zur Pandemie und dem Lockdown sowie urbaner Überwachungstechnologie und der buchstäblich viralen Verbreitung von Informationen sollen der geradlinigen Handlung einen zeitkritischen Anstrich geben. Doch das mit Kyu-Seok Choi verfasste Drehbuch macht daraus nicht mehr als oberflächliche Verweise. Ein größenwahnsinniger Angestellter eines Biotech-Konzerns, Young-chul (Koo Kyo-hwan aus Peninsula) setzt das Virus frei, um die Evolution anzukurbeln, während er sich selbst die einzigen Antikörper injiziert.
Die rapide wachsende Horde Infizierter macht in der Shopping Mall des von der Polizei abgeriegelten Gebäudes Jagd auf Passanten, von denen sich eine kleine Gruppe zum Gegenschlag wappnet. Professor Se-jeong (Gianna Jun, Kingdom: Ashin of the North), Wachmann Hyun-seok (Ji Chang-wook) und seine querschnittsgelähmte Schwester Hyun-hee (Kim Shin-rock, Tastefully Yours) müssen das Dach erreichen, um evakuiert werden zu können - mit Young-chul. Einige amüsante Finten, um die Zombie-Meute zu täuschen, sind eine willkommene Ablenkung von dem derivativen Szenario. Die mentale Gleichschaltung der Zombies wird zur unfreiwilligen Analogie der generischen Kommerzialität des hirntoten Horrors.
Fazit
Nicht nur prägnante Charaktere fehlen in Yeon Sang-hos austauschbarem Zombie-Horror, sondern auch die dynamischen Action-Einlagen und chaotischen Kills, die "Train to Busan" aus der Masse an Genre-Kost hervorhoben. Die Splatter Effekte sind solide, doch die mitunter an Ausdruckstanz erinnernden Verrenkungen der mörderischen Meute eher unbeabsichtigt komisch. Obwohl straff inszeniert und ohne unnötige Schnörkel ist der Plot mit über zwei Stunden eindeutig zu lang für das dünne Konzept. Umso weiter das Geschehen fortschreitet, umso deutlicher zeigt sich das repetitive Schema. Gekillt wird hier vor allem die Spannung.
Autor: Lida Bach