Wer dich dazu bringt, Absurditäten zu glauben, kann dich dazu bringen, Gräueltaten zu begehen.
Voltaire
Die Menschheit hat über zwanzig Jahre auf Ali G gewartet und nun ist er endlich zurück, for real!
Sacha Baron Cohen (Ali G Indahouse) bringt mit seinem Film nicht nur die beliebte Kultfigur zurück, sondern auch die in den letzten Jahren heiß diskutierte Frage, worüber man sich heutzutage noch lustig machen darf und worüber nicht. Schon bei Scary Movie 6 fühlte sich so mancher aus dem Publikum schnell von dem bissigen Humor getriggert und entschied kurzerhand, dass man sich über dies oder jenes nicht lustig machen darf oder dass es schlichtweg nicht lustig ist, weil es nicht dem eigenen Humor entspricht. Das scheint ein häufig verbreitetes Problem unserer heutigen Gesellschaft zu sein und genau dieses Problem greift Ali G mutig auf und stellt die offensichtliche Frage: Ist es kulturelle Aneignung, wenn man eine Kultfigur erschafft, die nicht aus dem kulturellen Kreis des Schauspielers stammt? Dürfen Weiße zu schwarzer Musik klatschen oder überschreiten sie damit bereits eine unsichtbare Grenze? Wer die Antworten auf all diese Fragen sucht, findet sie bei Ali G:Who Iz I?
Der Produzent, Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller des Films, Sacha Baron Cohen, macht sich über so einige Weltanschauungen lustig, die in ihrer Zugespitztheit aufzeigen, wie absurd manche Ansichten sind und wie absurd es ist, dass die Menschen Ali G ihr wahres Gesicht zeigen, wenn er sie nur ein wenig herausfordert. Diesmal spielt Cohen sogar drei Rollen, in denen er ausnahmslos brilliert, und in jeder seiner Rollen bringt er die Menschen dazu, einige Grenzen zu überschreiten. Es sind nicht alle in diesem Film Schauspieler und die ganze Zeit, während man sich diesen Film ansieht, fragt man sich: Wer ist nun echt und wer nicht? Damit kokettiert dieser Film ganz bewusst und genauso wie bei Brüno und Borat hat Ali G: Who Iz I? einige „Das hat er nicht gerade gesagt/ getan“-Momente und das macht diesen Film so unfassbar reizvoll! Besonders ein von KI generiertes Entschuldigungsvideo sorgt für unkontrolliertes Gelächter und jede Menge Spaß, wie eigentlich alles an dieser unglaublich spritzigen Mockumentary, die nicht aufhören kann, die richtigen Fragen zu stellen und prompt selbst die Antworten zu liefern. Und alle, die geglaubt haben, dass Sacha Baron Cohen ein Rassist ist, nur weil er sich als Ali G verkleidet, lehrt der Film, wer ein Rassist ist und wer einfach nur eine bestimmte Kultur bewundert und so eine Art Hommage an den Kleidungsstil, die Sprache und den Lifestyle kreiert hat.
Während die Menschen heutzutage wie besessen von der richtigen Wortwahl sind, vergessen sie oft, was eigentlich im Vordergrund stehen sollte, und das sind unsere Gemeinsamkeiten und nicht unsere Unterschiede: Das sind Liebe, Frieden, Humor und gegenseitiger Respekt und davon gibt es reichlich bei Ali G. Hinzu kommt noch die wunderschöne Liebesgeschichte zwischen Ali G und Me Julie (Morgana Robinson, Hexen Hexen), die uns wieder den Glauben an die wahre Liebe schenkt oder vielleicht auch nur zeigt, dass auch die Leute aus der Hood zusammenhalten können. Das kann jeder so interpretieren, wie er will. Es bleibt auch jedem überlassen, Ali G mit dem „weißer Cis-Mann-Abwehrradar“ auf politische Korrektheit zu prüfen, wobei Sacha Baron Cohen die Kritik an seiner Person schon selbst vorweggenommen hat. Wenn die Weißen sich darüber echauffieren, dass die anderen Weißen sich nicht schwarz verhalten dürfen, weil sie genau wissen, dass es die Gefühle von Schwarzen verletzt, dann klingt es doch irgendwie nach kultureller Aneignung oder etwa nicht? Wieso maßen sich die woken Weißen an, zu wissen, wie sich die Schwarzen überhaupt fühlen?
All diese tiefgründigen Fragen wirft Ali G: Who Iz I? auf. Wenn man über das alles nachdenkt, dann werden so manche Diskussionen ad absurdum geführt und sind nebenbei sehr gefährlich. Wenn man den Weißen verbieten würde, auf Rap zu stehen, dann würde man doch die schwarze Musik einfach für einen großen Teil der Bevölkerung verbannen und das kann doch nicht ernsthaft jemand wollen. Nicht auszudenken, wenn die Weißen sich nur noch Ed Sheeran und Taylor Swift anhören müssten. Was für ein Albtraum! Ali G: Who Iz I? verbirgt hinter seiner rohen Hood-Fassade durchaus einige philosophische Ansätze, die man leicht übersieht, wenn man sich zu sehr auf die Äußerlichkeiten und auf den eigenwilligen Humor versteift. Dabei ist dieser Film tausendmal besser als jener prätentiöse Müll, der uns Jahr für Jahr vom Arthouse-Kino als Kunst verkauft wird, also quasi den privilegierten Kinogängern auf dem Silbertablett serviert wird. Ali G: Who Iz I? ist dagegen ein Film, der von echten Menschen für echte Menschen gemacht wird. In diesem Sinne: Keep it real und gewöhnt euch schon mal daran, dass während des Films eure Kinnlade öfter nach unten fährt. Ali G is in the house! Peace out.