{{ tweet.login }}

{{{ tweet.body | format }}}

Wird geladen...

×
×

Erwähnungen

×

Benachrichtigungen

Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Inmitten der Natur von Sápmi setzt sich die samische Rentierhirtin Maia dafür ein, das Land ihrer Vorfahren vor einem drohenden Bergbauprojekt zu schützen. Während anwachsender Proteste wendet sie sich an ihren Onkel Lemme und bittet ihn um Hilfe. Doch der Kontakt mit ihm konfrontiert sie auch mit tief vergrabenen familiären Traumata. Sie muss eine Entscheidung treffen: auf Kosten ihrer Familie das Land retten oder das Land aufgeben und das Schweigen brechen. 

  • 3kx7oin2hisjrhp9aq8vtizn9ao
  • Hdaeuyuub993hzvdw2lvar84gcx
Quelle: themoviedb.org

Kritik

Relevante Konflikte, vernachlässigte Themen und eine auf der Leinwand selten repräsentierte Community, gefilmt mit formaler Ambition aus einer authentischen Perspektive: Elle Sofe Saras engagiertes Spielfilm-Debüt, das seine Weltpremiere im Panorama der 76. Berlinale feiert, ist eines jener Werke, die mehr auf theoretischer Ebene überzeugend als auch cineastischer. Die samische Regisseurin webt traditionelle Kostüme, Musik und Tanz in ihre Geschichte von ökologischem und sexuellem Missbrauch, die unsicher zwischen Coming-of-Age-Drama, politischem Statement und melancholischer Besinnung auf kulturelle Ursprünge changiert.

Ihre Erfahrung als Choreographin und bildende Künstlerin prägen spürbar ihre inszenatorische Sensibilität, die als erster Kinofilm das traditionelle Joik zum strukturellen Zentrum der Dramaturgie macht. Diese Facetten kultureller Innovation lassen die observativen Anfangsszenen in der norwegischen Region Sápmi fast dokumentarisch anmuten. Diese realistische Optik bricht unvermittelt auf, als die erwachsenen Geschwister Maia (Sara Marielle Gaup Beaska), Dánel (Simon Issát Marainen) und Áilin (Ayla Gáren Nutti) beim Hüten ihrer Rentiere plötzlich in eine Choreographie verfallen und sich dem Publikum singend vorstellen. 

Der verschneiten Weite der trügerisch unberührten Naturkulisse, die Cecilie Semecs schwelgerische Kamera in malerischen Panoramen einfängt, droht die Zerstörung durch eine geplante Mine. Jene würde mit dem angestammten Weiden die Lebensgrundlage der samischen Gemeinde zerstören. Maia wird zu einer zentralen Figur lokalen Widerstands, der sich ebenso gegen die  wirtschaftliche Ausbeutung richtet wie gegen die historische Marginalisierung der samischen Bevölkerung. Die politische Dimension des Konflikts verkompliziert dramatisch und dramaturgisch die von sexuellem Missbrauch durch ihren charismatischen Onkel Lemme (Mikkel Gaup, Börning 2 - On Ice) überschattete Familiengeschichte. 


Fazit

Die stärkenden Facetten und Abgründe gemeinschaftlicher Loyalität und kollektiven Zusammenhalts stehen einander in Elle Sofe Saras rhythmisch strukturierter Story unter dem Vergrößerungsglas öffentlicher Aufmerksamkeit gegenüber. Kulturtraditionelle Evokation verleiht dem Gesang ein emotionales Momentum, das die hölzernen Dialoge und konstruierten Interaktionen jedoch nur bedingt aufwiegen kann. Das Joik, Arbeitsrituale und die aufwendigen Trachten fungieren als wiederkehrende Motive, deren narrativer Einsatz zugleich Ausdruck kultureller Selbstbehauptung wird. Die gleichsam majestätische und verletzliche Natur ist Zuhause und wirtschaftliches Streitfeld in einer filmischen Hymne an Land und Erinnerung mit dramaturgischen Dissonanzen. 

Kritik: Lida Bach

Wird geladen...

×