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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Als Musik in Afghanistan verboten wird, sehen sich der Orchesterdirigent Nazar und sein Tuba spielender Sohn Jalil gezwungen, alles hinter sich zu lassen. Ihre Reise entlang der Balkanroute nach Italien ist ungewiss, birgt jedoch die Hoffnung, einen Ort zu finden, an dem sie wieder musizieren können. Unterwegs begegnen sie der italienischen Ärztin Greta. Gemeinsam stehen die drei vor Entscheidungen, die ihr Leben grundlegend verändern werden.

Kritik

Gleich eines melancholischen Duettes begleitet die Musik der beiden Instrumente, die zu spielen in der afghanischen Heimat des Vater-Sohn-Gespanns im Zentrum s kargen Dramas verboten wurde, die minimalistische Handlung. Ihr Weg nach Italien kreuzt sich mit dem einer jungen Ärztin auf der Flucht vor ihren eigenen Zweifeln. Subtile allegorische Untertöne verbinden sich mit dem kongenialen Soundtrack zu einer dichten Atmosphäre zwischen humanistischem Gleichnis und geopolitischen Realismus. Künstlerische Freiheit wird im übertragenen und wörtlichen Sinn zum universellen Ausdruck von Mitmenschlichkeit und Hoffnung in düsteren Zeiten. 

Letzte manifestieren sich in Damjan Radovanovićs diesigen Kameraaufnahmen, in denen die titelgebende Balkanregion in ominösem Halbdunkel liegt, ebenso wie in Sorcinellis gemeinsam mit Andrea Brusa verfasstem Skript. Jenes folgt dem alten Musiker Nazar (Babak Karimi, Du hast das Leben vor dir) und seinem erwachsenen Sohn Jalil (Ivar WafaeiBlindgänger), einem Tuba-Spieler, entlang der nass-kalten Bergpässe an der schwer bewachten Grenze zu Europa. Dort sind sie genauso fremd wie die Ärztin Greta (Matilda de Angelis, Fuori). Auf ihrer ersten humanitären Mission öffnet ihr die Notlage der geflohenen Menschen die Augen über die brutale Realität des EU-Ideals.

Das bedrohliche Bellen von Spürhunden in der Nacht verfolgt Jalil in die spukhaften Traumvisionen, deren fließender Übergang von der Wirklichkeit das Publikum mit ihm in eine symbolistische Nachtwelt zieht. Licht und Dunkel sind in dem suggestiven Szenario zugleich physische und metaphysische Zustände, Sinnbilder von Empathie und Entmenschlichung. Mit seiner Wärme und Sonne wird Gretas Herkunftsland zum idealen Wunschort, dessen Fürsorge sie in sich trägt. Der seltsam verlassene Schauplatz wird hingegen zun spukhaften Nicht-Ort; eine Zone der psychischen und moralischen Ungewissheit und Unsicherheit, zwischen Verzweiflung und Hoffnung. 

Fazit

Darstellerisch eindringlich und visuell expressiv, hüllt Nicola Sorcinellis stimmungsvolles Debüt-Drama seine zeitaktuellen Themen um Migration, nationalistischer Abschottung und ethischer Verunsicherung in die das mystische Zwielicht einer modernen Fabel. Trotz archetypischer Züge bewahren die Charaktere dank des nuancierten Spiels ihre Individualität. Die von dunklen Blau-, Grün-, und Brauntönen dominierte Farbpalette verstärkt die gedrückte Stimmung, in der Leid und Entbehrung der Figuren stets greifbar bleiben. Unterstützung von der anderen Seite der europäischen Grenzlinie ist in dieser von Rechtspopulismus und Paranoia pervertierten Gegenwart eine riskante Ausnahme. 

Kritik: Lida Bach

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