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Inhalt

Nach dem Tod ihrer Eltern wohnen die Geschwister Benny und Juniper, genannt Joon, gemeinsam in einem Haus. Während Benny als Automechaniker den Lebensunterhalt verdient, ist die verhaltensauffällige Joon auf seine Betreuung angewiesen, um nicht in der Psychiatrie leben zu müssen. Als die junge Frau eines Tages beim Pokern den schüchternen Sam „gewinnt“, entwickelt sich zwischen den beiden Außenseitern bald eine ganz eigene Chemie. Doch unter den Augen der „normalen“ Gesellschaft müssen die beiden erst für ihre Liebe kämpfen.

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Kritik

An guten Tagen kann sich Juniper (Mary Stuart Masterson, Auf kurze Distanz), Joon genannt, von morgens bis abends damit beschäftigten, expressionistische Bilder zu malen. An schlechten Tagen entscheidet sich die junge Frau allerdings auch mal dazu, den Straßenverkehr mit einem Tischtennisschläger und Taucherbrille im Gesicht zu regeln. Joon leidet an einer schweren Nervenkrankheit, welche wohl am ehesten mit den Symptomen des Asperger-Syndrom zu vergleichen ist. Ihre ungezügelten Aggressionen und Panikattacken kommen oft aus dem Nichts. Seit dem Unfalltod ihrer Eltern leben Joon und ihr großer Bruder Benjamin (Aidan Quinn, Jenseits der Träume), genannt Benny, zusammen. Wobei man von einem Zusammenleben nur an jenen guten Tagen sprechen kann – und auch an denen ist Benny immer voller Sorge dahingehend, dass Joon irgendetwas zustoßen könnte.

Es sind vielmehr Abhängigkeits- und Verantwortungsstrukturen, die Benny und Joon in ihrem Miteinander umklammern, obgleich sich das Geschwisterpaar fraglos liebt. Die Tragikomödie von Jeremiah S. Chechik (Schöne Bescherung) möchte sich aber nicht zu niederschmetternd und zu bedrückend mit den Anstrengungen und Zermürbungen, dem Verlust und der Verstörung auseinandersetzen, mit denen sich Benny und Joon, wenn auch oftmals nur unter der Oberfläche, konfrontiert sehen. Stattdessen erscheint bald Sam (Johnny Depp, Fear and Loathing in Las Vegas) auf der Bildfläche, den Joon beim Pokern gewonnen hat. Ein kautziger Zeitgenossen, dessen Vorliebe für Charlie Chaplin und Buster Keaton sich nicht nur in seinem Outfit widerspiegelt, Sam lässt auch keine Chance ungenutzt, um den pantomimischen Slapstick seiner Ikonen zu zelebrieren. Natürlich darf der berühmte Brötchentanz aus Goldrausch nicht fehlen.

Zwischen Joon und Sam, zwei Außenseitern und Randläufern, die ihren Käsetoast am liebsten mit dem Bügeleisen bearbeiten und den Stangensellerie tief in die Erdnussbutter tunken, entspinnt sich eine sanfte Romanze, die natürlich im nächsten Schritt zu absehbaren Problemen mit Benny führt und damit viel schwerwiegendere Konflikte freilegt. Benny & Joon möchte sich in erster Linie als verspieltes, leicht melancholisches Märchen verstehen, welches all den Sorgen und Nöten der modernen Gesellschaft mit kindlicher Unschuld begegnet und den Wundern im Alltäglichen nachspürt. Wenig bekömmlich aber erscheint die verharmlosende und bagatellisierende Herangehensweise des Drehbuchs an die psychische Störung der Hauptdarstellerin: Etwas Irrsinn hat noch niemandem geschadet! Dass sich Benny & Joon aber auf ein herzlich aufgelegtes Schauspieltrio verlassen kann, rettet den letztlich durchaus süßen Film vor ernsthaft geschmacklosen Entgleisungen.

Fazit

Natürlich möchte "Benny & Joon" sein Publikum ein Stück weit für den Umgang mit psychisch Kranken sensibilisieren, allerdings verkürzt und bagatellisiert der Film die Nervenkrankheit seiner Hauptdarstellerin so rigoros, dass einem schwindelig werden könnte. Könnte. Letztlich aber ist "Benny & Joon" immer noch ein verspieltes, melancholisches, herzliches und einnehmend gespieltes Märchen.

Autor: Pascal Reis

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