Inhalt
Kate lebt glücklich mit ihrem Mann und ihrer Tochter und führt zugleich eine Liebesbeziehung mit einem anderen Mann. Nach Jahren der Heimlichkeit gerät ihr fragiles Doppelleben aus den Fugen. Inmitten des Chaos aus sozialen Normen, Körperflüssigkeiten, Scham, Lachen und dem versehentlichen Tod eines Vogels beginnt Kate einen existenziellen und ungelenken Kampf darum, Liebe neu zu definieren.
Kritik
In der Eröffnungsszene Maria Bäcks (I Remember When I Die) bourgeoiser Beziehungsdramödie sieht man Protagonistin Kate (Kathrine Thorborg Johansen, Demring) nackt am Ufer eins Badesees beim Pinkeln. Dann sammelt sie ein paar Äste ein, macht mit denen im Arm ein Selfie und schaut zu einem anderen Nacktbader (Anders Danielsen Lie, Everybody Digs Bill Evans). Der wird heimlich auch gleich fotografiert, damit das Publikum weiß: Kate hat diesen jungen Mann namens Andreas in jeder Hinsicht im Blick. Und all das, während ihr Ehemann Orla (Simon Sears, Secrets We Keep) zuschaut.
Eines immerhin gelingt der Regisseurin und Drehbuchautorin, nämlich in diesen ersten Einstellungen prägnant die Essenz der trivialen Tragikomödie zusammenzufassen. Nackte Körper und Körperflüssigkeiten, altbackene Partnerschaftsproblemchen, Pseudo-Kunst und ein biederes Bildungsbürger-Milieu, in dem das alles furchtbar gewagt, provokant und relevant erscheint, weil echte Konflikte und Probleme nicht existieren. Entsprechend ermüdend entfaltet sich die vorhersehbare Handlung, die Kate in Andreas Arme führt. Das Ganze soll heimlich und erotisch sein und ist beides etwa so sehr wie Nacktpinkeln im Wald.
Aus dem soliden, doch schwunglosen Ensemble sticht einzig Lie mit emotionalen Nuancen hervor. Einige bemühte Verweise auf klassische Sagen behaupten in Gleichklang mit dem auf Shakespeare und Huxley verweisenden Titel einen intellektuellen Anspruch, von dem die Akademiker-Affäre weit entfernt bleibt. Dem Humor fehlt es an Biss und Subversion der mittelständischen Egozentrik, die Langweile mit Lust und Selbstbestätigungsbedürfnis mit Zuneigung verwechselt. Maria Von Hausswolffs naturalistische Kamera fasst die privilegierten Profanitäten in lapidare Bilder, deren Konventionalismus der Handlung entspricht.
Fazit
Die in der Synopsis Maria Bäcks banaler Romantik-Klamotte angekündigten existenzialistischen Herausforderungen entpuppen sich als die narzisstischen Neurosen verwöhnter Wohlstandsbürger. Hätte das Szenario nur den Witz und Scharfblick einer soziologischen Satire, könnte die formelhafte Familienaffäre immerhin als Sittenstück gelingen. So verrät die zähe Inszenierung mehr über das Zielpublikum und dessen kruder Arthouse-Konzepte als über die Muster emotionaler Kompensation von heteronormativer Harmonie. Handwerklich passabel, doch ernüchternd arm an emotionaler und dramatische Substanz ist die „mutige neue Liebe“ keines davon.
Autor: Lida Bach