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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

Christiania ist eines der bekanntesten sozialen Experimente der Welt. Nach 50 Jahren voller großer Träume, starkem Tabakkonsum und Anarchie hat dieses bunte Viertel endlich den Film bekommen, der seiner bewegten Geschichte gerecht wird.

Kritik

Überraschend wenig Filme befassen sich mit dem titelgebenden dänischen Viertel, dessen Geschichte Karl Friis Forchhammer in seinem dokumentarischen Debüt-Werk aufrollt. Der 1971 von rund 800 Besetzer*innen in einer verlassenen Militärkaserne inmitten Kopenhagens gegründete Freistaat schmückt sich seit Jahrzehnten mit dem Ruf des utopischen Gegenmodells zur bürgerlichen Gesellschaft; eine heile Welt, in der basisdemokratische Werte, kommunale Kreativität und anarchistische Ideale real gelebt werden. Kollektivistische Konflikte und krimineller Kontrollverlust sind dabei nur ein Teil der internen Herausforderungen.

Bevor sich die chronologische Erzählung mit den komplexen Differenzen, denen sich die nicht ganz so ideale Gemeinschaft über die Jahrzehnte stellen musste, befasst, zelebriert die herzerwärmende Hommage den Gründungsmythos. Eine Gruppe überwiegend junger Anarchos und Aussteiger*innen besetzte im September 1971 die verlassenen Kasernen im Kopenhagener Stadtteil Christianshavn und starten dort ein radikales soziales Experiment. Als unabhängige Kommune sollte Christiania ein Ort der Freiheit sein, jenseits staatlicher Kontrolle und kapitalistischer Logik, organisiert durch Konsens-Politik und gemeinschaftliche Verantwortung. 

Dieses ideologische Konzept untersucht die idealistische Inszenierung ebenso wenig wie die sozialstrukturell Zusammensetzung der Bewohnenden. Jene sind und waren offenbar schon immer nahezu ausschließlich bildungsbürgerlich und weiß. Interessanter- und ironischerweise werden die bourgeoisen Privilegien, die bei der institutionellen und politischen Akzeptanz des progressiven Projekts eine entscheidende Rolle spielten, nie erwähnt. Anders die zeitweisen Probleme mit harten Drogen, Gang-Gewalt und Biker-Belagerung, die zum Ende des freien Cannabis-Handels führten. Reichhaltiges Archivmaterial trifft auf eine ernüchternd einseitige Perspektive, die Bekanntes akkurat aufzählt, ohne Erkenntnisse zu bringen. 

Fazit

Als Kind ehemaliger Christianites, wie die Bewohnenden des Titelorts sich nennen, ist Karl Friis Forchhammer zugleich zu nah dran und zu distanziert für eine objektive Aufarbeitung der Geschichte Europas wohl bekanntesten sozialen Experiments. Verklärtes Milieuporträt und politologische Kartographie verschmelzen zu einer lebendigen Collage aus  Super-8-Aufnahmen, Fernsehberichte, Amateurvideos und Fotografien. Michael Aaglund Montage verbindet diese historischen Fragmente mit heutigen Aufnahmen aus der Freistadt, die deren touristischen Status und Gentrifizierung beflissen aussparen. Der Balanceakt zwischen Idealismus und Realität, mit dem die Gemeinschaft ringt, misslingt deren filmischer Verklärung. 

Kritik: Lida Bach

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