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Inhalt

Christine, die bei einem Kleinstadt-Nachrichtensender in Florida arbeitet und immer die klügste Person im Raum ist, will unbedingt die Nachrichten präsentieren. Als aufstrebende TV-Journalistin mit einem Auge für Nuancen und großem Interesse für soziale Gerechtigkeit liegt sie ständig mit ihrem Boss im Clinch, der nur auf Sensationsstorys aus ist, die die Quote nach oben treiben. Geplagt von Selbstzweifeln und einem turbulenten Privatleben, schöpft Christine neue Hoffnung, als ihr ein Mitarbeiter, der als Nachrichtensprecher arbeitet, seine Freundschaft anbietet – woraus sich jedoch nur eine weitere unerwiderte Liebe entwickelt. Als ihre Welt endgültig zusammenbricht, trifft Christine völlig desillusioniert eine drastische Entscheidung ...

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Quelle: themoviedb.com

Kritik

„Gibt es Tote, machst du Quote!“

Blood sells, eine Binsenweisheit die sich auch in jeder angeblich ach so kultivierten Zivilisation regelmäßig bestätigt. Im Kampf um mediale Aufmerksamkeit ist die lüsterne Sensationsgier immer effektiver als seriöser Aufklärungs- und Informationsjournalismus, wird es wohl auch immer sein,  ebenso wie fast unmöglich als Frau in einem männlich dominierten Ellbogen-Karriere-Business zu bestehen. Gegen alle Widerstände versuchte Christine Chubbuck diese beiden künstlichen, menschlich erschaffenen Naturgesetze zu wiederlegen. Sich sowohl als integre Journalistin wie als Frau im Allgemeinen zu behaupten; Logik, gesunden Menschenverstand, Ethik und fairen Wettbewerb ausgerechnet dort zu bestätigen, wo er niemals restlos beheimatet sein kann. Allerdings ist sie keine strahlend-selbstbewusste Kämpfernatur, keine Feministin mit dem unbändigen Willen die Welt zu verändern. Ganz im Gegenteil: Christine steht schon längst am Abgrund, nur übersieht es jeder – übersieht sie jeder. Sie, wie sie wirklich ist, was in ihr vorgeht, jedes Warnsignal, selbst als ihre Hilfeschreie kaum noch fehlzuinterpretieren sind.

Angesiedelt im Jahr 1974 erzählt Christine die auf wahren Ereignissen beruhende Lebensgeschichte einer heute kaum noch erwähnten Person, die auf ihre Art tragische US-Fernsehgeschichte schrieb. Zumindest den unmittelbar davor stattfindenden Lebensabschnitt der Christine Chubbuck, herausragend verkörpert von Rebecca Hall (The Gift), deren sagenhafte One-Woman-Show das Ansehen fast schon alleine rechtfertigt. Als introvertiertes, einsames, sensibles und bereits frühzeitig unweigerlich als schwer depressiv gezeichnetes Mauerblümchen, das sich jedoch lange an ihren beruflichen Ambitionen und einer bald schon als krankhaft zu bezeichnenden Wunschvorstellung einer nicht existenten Romanze klammert, glänzt Hall wie noch nie zuvor. Ohne wirklich zu glänzen, zumindest zu strahlen. Ihre Interpretation der Figur grenzt an Selbstaufgabe, sie als prominente Darstellerin ist kaum wiederzuerkennen. Ein größeres Kompliment lässt sich einer Schauspielerin wohl kaum machen.

Dem Inhalt angemessen bleibt der Ton des Films eher zurückhaltend und wenig reißerisch, was angesichts der kritisierten Medienmechanismen natürlich auch zwingend notwendig ist. Bewusst schmucklos, in trister Farbpaletten und im Hintergrund immer latent mit der desillusionierten Stimmung der Watergate-Ära hantierend erschafft Regisseur Antonio Campos (The Sinner) ein Art stilistische Reflektion des Gemütszustandes und Innenlebens seiner Protagonistin, vernachlässigt im Gengenzug leider oft konkrete Zusammenhänge, detaillierte Hintergründe und die nur sehr geringfügig skizzierten Nebenfiguren. Alles fokussiert sich auf die Person der Christine Chubbuck und Rebecca Hall steht in der Pflicht, fehlende oder nur ganz grob angerissen Facetten ihrer Charakters förmlich hinwegzuspielen, was ihr oberflächlich betrachtet fulminant gelingt. Denn trotz seiner gefühlten und nicht von der Hand zu weisenden Nähe zu diffizilen Psychogrammen wie z.B. Taxi Driver (um mal ganz oben anzusetzen) oder Attentat auf Richard Nixon fehlt es Christine letztlich dann doch an der letzten und entscheidenden Schicht Tiefe wie Transparenz, ist jedoch sehr bemüht darin seine reale Tragödie nicht bewusst auszuschlachten.

"Womit hinterlässt du Spuren?!"

Fazit

Ein – im positiven Sinne- unspektakulär gehaltenes Mini-Biopic und Charakterstudie mit deutlicher Kritik an medialen und damit logischerweise einhergehenden kulturellen Missständen, die sich bis heute kaum geändert haben, eher noch multipliziert wurden. Mahnend ohne sich dabei penetrant aufzuzwingen und wirklich grandios gespielt von Rebecca Hall bleibt „Christine“ aber nicht mehr als ein durchaus beachtlicher und sicherlich hochambitionierter Independent-Film, der den gesamten Umfang seines inhaltlich möglichen Spielraums aber nur ansatzweise ausfüllen kann.

Autor: Jacko Kunze

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