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Quelle: themoviedb.org
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Inhalt

Lässt sich subjektives Bewusstsein objektiv erforschen? Ein philosophisches und wissenschaftliches Dilemma spielt in einem Film über die Geheimnisse des Gehirns eine große Rolle, in dem das Leben selbst einen Neurowissenschaftler einholt.

Kritik

Auf die assoziativen Gedankengänge und affektiven Emotionen, zu denen Menschen mit Demenz oftmals übergehen, stützt sich auch Suki Chan in ihrem gleichsam ambitionierten und abstrakten Unterfangen, das menschliche Bewusstsein filmisch greifbar zu machen. Ihr in der auf wissenschaftliche Themen ausgerichteten Sektion Brainwaves von CPH:DOX uraufgeführtes Essays mäandert zwischen metaphysischen Visionen und neurologischer Nüchternheit. Doku-Drama und Dokumentation verschmelzen auf der Suche nach Bildern für das unsichtbare Konzept, das für manche Seele ist und für andere Synapsen. 

Der Übergang von hypnotisch zu einschläfernd und von stringent zu diffus ist dabei fließend. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse und individuelles Erleben bilden die Gegenpole der essayistischen Exkursion in die Windungen der menschlichen Erinnerung und des Vergessens. Letztes ist in Form der in biographischen Vignetten illustrierten Altersdemenz ein Kernmotiv des dokumentarischen Hybrids. Der orientiert sich an den Theorien von Neurowissenschaftler Anil Seth, der Realität als kontrollierte Halluzination betrachtet. Neben ihm erscheinen drei von Demenz betroffene Menschen als variable Fallbeispiele. 

Wendy Mitchell spricht in der Frühphase überraschend klar über ihre Diagnose. Maureen Winfield betreut ihren bereits umnachteten Ehemann. Pegeen O’Sullivan scheint durch den Verlust ihrer Erinnerungen auch von einer Last befreit. Einige der Charaktere seien Schauspielende, andere reale Personen, besagt ein Schlusstext, der inszenierte Szenen und reale Situationen als austauschbar präsentiert: “Alle Geschichten sind wahr.” Ob diese Aussage mehr als philosophischer Verweis auf subjektive Wahrheiten gemeint ist, bleibt unklar. Aus dokumentationstheroetischer Sicht ist die Gleichsetzung mindestens ambivalent.

Fazit

Eine 2022 ausgestellte interaktive Installation gleichen Titels bildet ein thematisches Gegenstück Suki Chans experimentellen Essays. Das verknüpft Interviews, Tier- und Landschaftsaufnahmen sowie an abstrakte Gemälde erinnernde Naturformationen zu einem meditativen Memorandum. Dessen gedeckte Farbpalette, elegische Langsamkeit und fließende Bewegungen distanzieren sich mit ihrer ästhetisierten Aura bewusst von der unterkühlten Optik klassischer Wissenschafts-Dokus. Jene visuelle Stilisierung untergräbt allerdings faktische Erkenntnis ebenso wie emotionale Anteilnahme. Digitale Simulationen und symbolistische Überfrachtung verdrängen eine nachhaltige Auseinandersetzung mit faszinierenden Thesen zugunsten prätentiöser Platzhalter.

Kritik: Lida Bach

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