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Inhalt

Das junge Lehrerpaar Malte und Liv Blendermann wird bei seinem Sommerurlaub auf einer Mittelmeerinsel von drei Jugendlichen überfallen, wobei Liv vergewaltigt wird. Zwei Jahre später verarbeiten sie noch immer das tragische Ereignis, doch dabei zeigen sie Stärke und Zusammenhalt. Beide halten nach wie vor an ihrer Beziehung fest, auch wenn sich das gegenseitige Vertrauen als auch ihre gemeinsame Sexualität nur langsam wieder normalisieren. Eines Tages begegnet Malte jedoch zufällig einem der Täter. Während Liv einfach nur vergessen und ihr Leben weiterleben möchte, ist Malte getrieben von dem starken Bedürfnis nach Rache. Noch ehe er sich Liv oder der Polizei anvertrauen kann, kommt es schließlich zu einer Konfrontation zwischen ihm und dem jungen Mann und damit gleichzeitig auch zu einer Zerreißprobe für die Beziehung von Malte und Liv.

Kritik

Es vergehen nicht einmal zehn Minuten, bis die Welt von Malte (Maximilian Brückner, Resturlaub) und Liv (Luise Heyer, Der Junge muss an die frische Luft) rücksichtslos in Trümmer geschlagen wird. Nach einem romantischen Tag am Meer, der seinen Höhepunkt darin fand, dass sich das Paar inmitten der mallorquinischen Steilküstenkulisse liebte, möchte man an den Abend entspannt in der Ferienwohnung ausklingen lassen. Wein, Musik und noch mehr Liebe. Tatsächlich aber nimmt der Tag ein grauenvolles Ende, als plötzlich drei Jugendliche vor Malte und Liv stehen und diese dazu nötigen, vor ihnen Sex zu haben. Schlichtende Gespräche verlaufen ins Nichts, die Lage eskaliert und Malte muss mitansehen, wie seine Freundin vergewaltigt wird. Regisseur und Drehbuchautor Sven Taddicken (Gleißendes Glück) geht direkt in die Vollen.

Dieser Akt sexualisierter Gewalt ist der Katalysator für eine stetig unter Spannung stehende Geschichte, die sich explizit mit der Frage beschäftigt, wie Normalität nach einer solchen Erfahrung wieder in den Alltag einkehren kann; wie ein geregeltes, kontrolliertes Weitermachen wieder in den Bereich des Möglichen gerückt wird. Nach jener Eröffnung, die den Zuschauer wie ein Schlag in die Magengrube erwischt, folgt in Zeitsprung, der zwei Jahre umfasst. Malte und Liv sind wieder als Lehrkräfte tätig, sie haben profesionelle Hilfe im Zuge einer Psychotherapie in Anspruch genommen und der Vorfall auf Mallorca scheint der Vergangenheit anzugehören – bis Malte dem Täter (Leonard Kunz, A Cure for Wellness) in einem Imbiss zufällig über den Weg läuft. In Wahrheit ist nichts verarbeitet, die Ängste, die Scham, der Zorn, all das kulminiert schlagartig in einem ungesteuerten Aktionismus.

Malte nämlich ist der Überzeugung, Rache nehmen zu müssen. Er muss den Jungen betrafen. Wie diese Vergeltung aussiehen soll, ist auch ihm nicht klar, stattdessen ringt er mit Überforderung und Schuldgefühlen und verliert sich selbst an den inneren Zwang, handeln zu müssen. Sven Taddicken gelingt es dabei, sein schwieriges Thema nicht an reißerische Gesten zu verschwenden, er hingegen baut auf Intimität und Authentizität. Es ist den beiden Hauptdarstellern dabei in jeder Minute anzumerken, wie aufopferungsvoll sie füreinander einstehen, wie weit sie füreinander gehen würden, wie „schön“ ihre Liebe wirklich ist. Durch diese ungemein organischen Performances gewinnt Das schönste Paar an zwischenmenschlicher Dreidimensionalität und erzählt glaubwürdig und sensibel, wie der Verarbeitungsprozess tiefsitzender Traumata zur innerseelischen Zerreißprobe werden kann. Manchmal allerdings muss man die Kontrolle verlieren, um sich selbst befreien zu können.

Fazit

"Das schönste Paar" von Sven Taddicken ist so einfühlsam wie aufwühlend. Ausgehend von der Frage, wie Normalität nach einer Vergewaltigung wieder Einzug in den (Beziehungs-)Alltag erhalten kann, erzählt der Film von Beklemmungen, Vorwürfen und Zusammenhalt – emotionale Bewältigung ist oftmals ein Kampf, den man gegen sich selbst austrägt. Manchmal auch gemeinsam. Vor allem dank den hervorragenden Darstellern wird "Das schönste Paar" zu einem organischen und berührenden Beitrag des aktuellen deutschen Kinos.

Autor: Pascal Reis

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