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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Im Südwesten Nigerias der 1990er-Jahre führen die Schwestern Ade und Titi Ajayi im Schatten ihres verstorbenen Vaters in seinem Elternhaus völlig unterschiedliche Leben. Ade, eine tiefgläubige Christin und Alleinverdienerin der Familie, hat Schwierigkeiten, ihre jüngere Schwester Titi zu verstehen, eine aufstrebende Sängerin, deren Unabhängigkeit mit Konventionen bricht. Als ihre kranke Mutter bei ihnen einzieht, brechen alte Ressentiments wieder auf und zwingen beide Frauen, sich mit Trauer, Glauben, Ehrgeiz und den zerbrechlichen Banden auseinanderzusetzen, die eine Familie zusammenhalten.

Kritik

Auf symbolischer Ebene scheinen die Schwestern im Zentrum s (For Maria Ebun Pataki) einfühlsamen Zweitwerks zwei Seiten der gleichen Persönlichkeit. Deren persönliche Entwicklung zu einander äußerlich diametral entgegengesetzten Lebensmodellen, die unterschwellig dennoch bezeichnende Gemeinsamkeiten enthüllen, ist der eigentliche Gegenstand des psychologischen Diptychons. Dessen prototypische Heldinnen sind Ade (Bimbo Akintol) und Titi (Tosin Adeyemi), die in den 90ern im Südwesten Nigerias jede auf ihre Art mit privaten und beruflichen Hindernissen kämpfen. Die Rückkehr ihrer erkrankten Mutter bringt schwelende Konflikte zum Ausbruch. 

Während die ältere Ade ihrem religiös verwurzelten Pflichtgefühl als alleinige Versorgerin ihrer Familie nachkommt, verfolgt ihre jüngere Schwester unbeirrbar ihren Traum von einer  Gesangskarriere. Titus Ungebundenheit ist indes noch weit entfernt von der Freiheit, nach der sie sich sehnt. Finanzielle Abhängigkeit sowie professionelle und sexuelle Ausbeutung sind die Schattenseiten ihrer schillernden Bühnenauftritte. Das gewöhnliche Gegenbild des Glamours ist Ades Alltag, überschattet von häuslicher Gewalt und Missachtung. Beide glauben fest an ein höheres Ideal, kreativ oder spirituell. 

Äußere Erwartungen formen beider Vorstellungen von Erfolg in einer von Tradition und Chauvinismus bestimmten Gesellschaft. Selbst nach seinem Tod scheint ihr Vater weiterhin der Herr des Hauses, das sich beide teilen. Die Rückkehr der Mutter wird zum Katalysator dieser unsichtbaren Präsenz, die ihre eigene Autorität zugleich herausfordert. Zwischen einer schmerzlichen Vergangenheit und einer unsicheren Zukunft erkennen Ade und Titi die Kraft der anderen und ihre vereinte Stärke. Schwesterlichkeit im familiären und figurativen Sinn öffnet beiden einen neuen Weg.

Fazit

Die widersprüchlichen Impulse verwandtschaftlicher Verbindungen werden zum latenten Momentum Damilola Orimogunjes nuancierten Familiendramas. Als erste nigerianische Produktion in der Biennale Parallel-Sektion Giornate degli Autori entwirft der strukturell und allegorisch mit Doppellungen arbeitende Plot ein prototypisches Diagramm weiblicher Lebensentwürfe. Das überzeugende Spiel des Darstellerinnen-Trios vertieft die Entwicklung der Charaktere, die sich trotz ihrer Verschiedenheit alle gegen Gewalt, Genderrollen wirtschaftlicher Instabilität behaupten müssen. Ré Olunugas kongenialer Soundtrack verdichtet die elegische Atmosphäre und emotionale Komplexität als musikalische Manifestation unausgesprochener Gefühle. 

Kritik: Lida Bach

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