Inhalt
Jahrzehnte nach ihrem mysteriösen Verschwinden taucht die Blutgräfin im heutigen Wien wieder auf. Gemeinsam mit ihrer treuen Untergebenen Hermine versucht sie ein gefährliches Buch aufzuspüren, das die Macht besitzt, alles Böse zu vernichten – einschließlich Vampiren, zu denen sie selbst gehört. Das Duo begibt sich auf eine Schnitzeljagd entlang der prächtigen historischen Orte der Stadt und rekrutiert den melancholischen Neffen der Gräfin, einen Vegetarier-Vampir namens Rudi Bubi, sowie dessen Psychotherapeuten,
Kritik
Als haematophile Hommage an Isabelle Huppert (Die reichste Frau der Welt), deren alterslose Alabaster-Antlitz wie geschaffen ist für die vampirische Verkörperung der legendären Titelfigur, oder makabere Modenschau funktioniert Ulrike Ottingers (Paris Calligrammes) Genre-Groteske, die im Special der 76. Berlinale ihre Premiere feiert, weit besser denn als sozialkritisches Schauerstück. Es sei denn man betrachtet den ermüdend spießbürgerliche Humor als eine eigene Art von Horror, dessen Schrecken zu gleichen Teilen in platten Kalauern liegt und in der ständigen Wiederholung der gleichen Pointe: Eine monströse Elite mordet sich unbehelligt durch das moderne Wien.
Dessen brave Bürger*innen erkennen die Unholdin Elizabeth Báthory (Huppert) nichtmal als die weltgewandte Wiedergängerin hinter einer mysteriösen Mordreihe, wenn sie in Fleisch und unschuldigen höheren Töchtern ausgesaugtem Blute vor ihnen steht. Derlei Szenarien zelebriert die Regisseurin und Drehbuchautorin ein ums andere mal, regelrecht vernarrt in ihre in wechselnden Kostümen ausstaffierte (Anti-)Heldin. Deren grandiose Garderobe von Jorge Jara ist unbestreitbar ein farblich perfekt abgestimmtes Fest; neben Hupperts stoischer Süffisanz der genussvollste Glanzpunkt des exzentrischen Exposés.
Durch dessen opulente Kulissen spaziert eine renommierte Riege kurioser Charaktere. Deren Unterhaltsamste ist die zur düsteren Dominatrix-Louise-Brooks gestylte Birgit Minichmayr (Mit Einem Tiger Schlafen) als Báthorys ergebene Zofe Herminone. Der omnipräsente Lars Eidinger ist wiedermal nur Lars Eidigner (Man of Tomorrow) als Therapeut Theobald Tandem, der Báthorys akrophoben Vegetarier-Neffen Baron Rudi Bubi von Strudl zur Buchtelau (Thomas Schubert, Etwas ganz besonderes) seine Ängste mit Konfrontationstherapie austreiben soll. Dazu gesellen sich ein Vampirologen-Duo und Polizisten-Paar mit ähnlich abstrusen Namen. Jene sind symptomatisch für den manierierten Moralismus des krampfigen Kostümtheaters.
Fazit
Wer Namen wie Theobastus Bombastus, Nepomuk Nachbiss und Inspektor Unglaube zum Totlachen findet, wird an Ulrike Ottingers bieder-bürgerlicher Blutsauger-Burleske helle Freude haben. Morbide Monotonie regiert den papierdünnen Plot, dessen theatralische Tableaus nur ein kaum dramaturgischer Vorwand sind, um eine famose Isabelle Huppert in phantastischen Roben auftreten und in Deutsch, Französisch und Russisch von Elfriede Jelinek mitverfasste Dialoge rezitieren zu lassen. Dieses Philister-Panoptikon ist weder so clever noch amüsant wie es sich gibt. Eine scheintote Schauer-Oper, blasiert und blutleer.
Autor: Lida Bach