MB-Kritik

Eklipse 2026

Drama

Moritz Hohlrieder
Finley Brown
Hannes Perkmann
Lenz Moretti
Lisa Schützenberger
Barbara Romaner

Inhalt

Die Geschichte folgt Tomy und Chris, zwei besten Freunden, die während der Sonnenfinsternis von 1999 auf einer Alm in den Tiroler Alpen arbeiten; dabei muss Tomy eine Zurückweisung hinnehmen, als Chris erfährt, dass sein Vater an der „Schwulenkrankheit“ leidet.

Kritik

Das titelgebende astronomische Ereignis wird in Manuel Wetschers sensiblen Spielfilm-Debüt zum Symbol eines seismischen Umbruchs. Die Erkenntnis, die diese psychische Erschütterung auslöst, ist mehr als die eines bevorstehenden Verlusts. Es das Begreifen eines fundamentalen Misstrauens, sowohl von familiärer Seite als auch von angeblichen Freunden, von falschen Hoffnungen, gesellschaftlicher Stigmatisierung und irrationalem Hass hinter einem trügerisch idyllischen Umfeld. Letztes ist die malerische Berglandschaft  der österreichischen Alpen, wo der 12-jährige Tomy (Moritz Hohlrieder, Das geheime Stockwerk) und sein bester Freund Chris (Finley Brown) den Sommer verbringen. 

Als einzige Kinder auf der Alm sind sie unzertrennlich. Von Tomys Onkel Georg (Hannes Perkmann, Totenfrau) lernen sie das Versorgen der Kühe und die für sie noch spielerische Hofarbeit, die Georgs erwachsener Sohn längst satt hat. Sie tanzen zu Euro-Trash-Pop und erwarten das neue Millennium. Das Handlungsjahr ist 1999, vor 9/11, Trump und vor Covid-19, das beklemmend vorführte, dass die Welt nichts aus der Vergangenheit gelernt hat. Der Rest dieser Vergangenheit ist Tomys Gegenwart, in der Kameradschaft abrupt in Feindseligkeit umschlägt.  

Chris begegnet ihm plötzlich abweisend und er spürt immer deutlicher, dass seine Mutter (Lisa Schützenberger, Tatort: Messer) ihm etwas verheimlicht. Sein Vater ist unterdessen im Krankenhaus mit Lungenentzündung und Tomys Fragen nach ihm werden abgeblockt. Dem älteren Teil des Kinopublikums ist spätestens bei der vorgeschobenen Diagnose Lungenentzündung klar, welches Geheimnis alle kennen, nur nicht der kindliche Protagonist. Sein Erleben ist inspiriert von den eigenen Kindheitserinnerungen des Regisseurs und Co-Autors des mit Bernhard Jarosch verfassten Drehbuchs. Dessen Fokus liegt auf der gemeinschaftlichen Ausgrenzung aus kindlicher Perspektive.

Fazit

Die instinktive Wahrnehmung heimlicher Furcht um sich herum und das wachsende  Bewusstsein dafür, die Ursache dieser Furcht zu sein, verdunkeln die letzten warmen Sommertage des jungen Hauptcharakters Manuel Wetschers bittersüßen Debüt-Dramas. Dessen Handlungszeitraum akzentuiert den emotionalen Einschnitt im Leben des Protagonisten, den Moritz Hohlrieder mit intuitiver Verletzlichkeit verkörpert. Simone Harts Kamera erfasst das Naturpanorama in satten Farben und weichem Licht, das mit der Brutalität der sozialen Stigmatisierung kontrastiert. Ein Kinderfilm, der seinem jungen Zielpublikum das Verständnis zutraut, das dem Protagonisten dessen Bezugspersonen absprechen. 

Autor: Lida Bach
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