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Mia ist eine Poetry-Slammerin. Sie bekommt die Möglichkeit, eine Anime-Superheldin zu synchronisieren. Doch ihr reales Leben scheint immer mehr aus den Fugen zu geraten und sich immer öfter mit dem der fiktiven Superheldin zu vermischen.

Kritik

Mia (Victoria Schulz, Die Unsichtbaren) macht eigentlich Poetry-Slam, doch kann eine  Rolle als Synchronsprecherin  für eine animierte Superheldenserie ergattern. Ganz im Sinne des Method Actings verliert sie sich allmählich in der Rolle und es vermischen sich die Identitäten der Berlinerin und der blauhaarigen Superheldin Kimiko. Ähnlich wie in der Serie fühlt sie sich zu einer für den Zuschauer und der Außenwelt nicht ganz verständlichen Mission berufen, von der in ihrer Wahrnehmung die ganze Welt abhängt. Von ihrer Familie, ihrem Umfeld und letztlich auch dem Regie-Team der Serie für wahnsinnig erklärt, steht ihr nur der verschrobene Nachbar zur Seite, der sich neben Mia allmählich zum Normalen entwickelt. 

Regisseurin Ziska Riemann (Lollipop Monster) drückt den Finger in die Wunde eines generationsübergreifenden Phänomens: Die Ausprägung von Subkulturen nimmt stetig zu, Identitäten werden in ihrer Natürlichkeit hinterfragt und durch die von fiktiven Charakteren ersetzt. Dahinter verbirgt sich nicht zwingend eine Flucht in eine andere Realität, sondern auch das Gefühl, dass die eigene Identität besser durch die vermeintliche Fiktion verkörpert wird, das Finden einer anderen Facette der Realität. Das kann soweit führen, dass auch Verhaltensmuster übernommen und in den Alltag integriert werden. So auch Mia, die sich plötzlich mit einer ähnlichen Mission konfrontiert sieht wie Kimiko. Der Zuschauer kann dabei über weite Strecken nicht einordnen, ob Mia eine Realität sieht, die den meisten verborgen bleibt, oder einfach nur wahnsinnig geworden ist. 

Dass Mia von ihrem Umfeld als wahnsinnig degradiert wird, scheint nur konsequent, versucht die Gesellschaft doch stets das eher wackelige Bewusstsein der eigenen Vernunft durch die Abgrenzung vom Anderen, von den vermeintlich Wahnsinnigen, zu reproduzieren: Ohne die Wahnsinnigen kann es auch keine Vernünftigen geben. Electric Girl hätte in diesem Zusammenhang tief in die Perspektive Mias eintauchen können, hätte ihre Welt zu unserer machen können. Stattdessen bleiben wir außerhalb ihrer Perspektive, blicken wir vielmehr wie ihr Umfeld auf sie herab. Nur einzelne Szenen präsentieren uns die Sicht Mias, die aber stets als Verblendung wahrgenommen wird.

Das ist vor allem ärgerlich, weil Riemann durchaus daran interessiert zu sein scheint, Mia ernst zu nehmen. Gelungen wird die Ekstase eingefangen, in die sie sich bei wirren Ausführungen ihrer Visionen begibt, fieberhaft wirkt ihr Unverständnis für die mangelnde Unterstützung von außen. Und dennoch gelingt es dem Film nicht, Mias Perspektive als relevant herauszuarbeiten, sie zur Diskussion zu stellen. Sie bleibt vielmehr ein tragischer Charakter, der sich endlos verirrt hat, dabei aber immerhin ein paar sympathische Skurrilitäten offenbart. Zwar wird das Ende relativ offen gehalten, doch gibt uns der Film ästhetisch nichts an die Hand, weswegen wir ihr unseren Glauben schenken sollten. 

Sicherlich lässt der Film Mia durch eine ambivalente Darstellung ihre Würde und erkennt mögliche Probleme von massivem Fankult und der Überidentifikation mit einigen Subkulturen, den eigentlich interessanten Schritt, einen eigenen Wert darin zu erkennen, geht er jedoch nicht. Die einseitige Ästhetik, die keinen überzeugenden Perspektivwechsel erlaubt, legt sogar eher das Gegenteil nahe. Da helfen ihm auch die kreativen Animationen nicht weiter, die die Superheldin Kimiko zum Leben erwachen lassen, jedoch nie eine wirklich glaubhafte Verschmelzung zwischen Mia und ihr zulassen. Vielleicht fehlt dem Film ein wenig von der Leidenschaft zur Protagonistin, die diese für Kimiko aufbringen kann. 

Fazit

"Electric Girl" hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine Stimme einer vermeintlich Wahnsinnigen zu leihen, einer Poetin, die sich als Synchronsprecherin so sehr in die Rolle der Superheldin Kimiko verliebt, dass die deren Identität annimmt. Dem Film gelingt es die Begeisterungsfähigkeit und die Diskrepanzen darzustellen, die Mia im Folgenden mit ihrem Umfeld zu bestreiten hat. Leider gelingt ihm jedoch nicht das wirklich Interessante, ein überzeugender Perspektivwechsel, der es uns erlaubt in die erlebte Realität Mias einzutauchen. So bleibt es bei einem Blick von oben herab, der sich zwar verständnisvoll gibt, jedoch nie wirklich der Perspektive seiner Protagonistin etwas abgewinnen möchte. 

Autor: Maximilian Knade

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