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Sie heiratet?! Die von der Kritik gefeierte Enola-Holmes-Reihe wird fortgesetzt. Dieses Mal ist Enola fernab von London, wo private und berufliche Träume in einem Fall aufeinanderprallen, der verworrener und tückischer ist als alles, was sie bisher erlebt hat.
Kritik
Mit den ersten beiden Enola Holmes-Filmen hat Netflix bewiesen, dass Sherlock Holmes auch ohne seinen berühmtesten Ermittler funktionieren kann. Statt düsterer Kriminalfälle setzte die Reihe von Beginn an auf Charme, Humor und eine Coming-of-Age-Geschichte, die sich nie zu ernst nahm. Genau diesem Erfolgsrezept bleibt auch der dritte Teil treu. Diesmal verschlägt es Enola nach Malta, wo aus den Vorbereitungen ihrer Hochzeit mit Lord Tewkesbury plötzlich eine gefährliche Suche nach ihrem verschwundenen Bruder Sherlock wird. Zwischen Verschwörung, gesellschaftlichen Machtspielen und der Frage, welchen Weg Enola selbst im Leben einschlagen möchte, entwickelt sich ein neues Abenteuer, das vieles richtig macht, sich aber auch einige unnötige Stolpersteine leistet.
Was der Reihe weiterhin so sympathisch macht, ist ihre spielerische Leichtigkeit. Die direkte Ansprache des Publikums, kleine Blicke in die Kamera und der lockere Ton verleihen Enola Holmes 3 erneut eine ganz eigene Identität. Der Film versucht gar nicht erst, der cleverste Detektiv-Thriller des Jahres zu sein. Stattdessen setzt er auf Figuren, mit denen man gerne Zeit verbringt – und genau das funktioniert erneut relativ gut. Millie Bobby Brown (Stranger Things, Damsel, The Electric State) geht inzwischen vollkommen in ihrer Rolle auf. Während sie in den Vorgänger-Filmen mitunter etwas sperrig wirkt, scheint Teil 3 wie für sie geschrieben zu sein. Das liegt vielleicht auch daran, dass Ehemann Jake Bongiove als ausführender Produzent beteiligt war. Selbstbewusst, schlagfertig und gleichzeitig verletzlich trägt sie den Film über weite Strecken und im Zusammenspiel mit Louis Partridge (The House of Guinness, Argylle, Jay Kelly) entwickelt sich erneut eine Chemie, die zu den größten Stärken der Reihe gehört. Die Beziehung zwischen Enola und Tewkesbury wirkt inzwischen deutlich reifer als in den Vorgängern und schafft es, romantische Momente zu erzählen, ohne kitschig zu werden. Man nimmt den beiden ihre Zuneigung jederzeit ab.
Auch das Setting weiß zu gefallen. Malta verleiht dem Film eine frische Kulisse, die sich angenehm von den vertrauten Straßen Londons abhebt. Gleichzeitig streut das Drehbuch immer wieder gesellschaftliche Themen wie Klassenunterschiede oder koloniale Machtstrukturen ein. Diese Aspekte bleiben zwar eher Begleiterscheinung als Mittelpunkt der Geschichte, geben dem Abenteuer aber etwas mehr Substanz, als man zunächst erwarten würde.
Ganz ohne Schwächen kommt der Film allerdings nicht davon. Nach einem dynamischen Einstieg verliert die Geschichte immer wieder an Tempo. Es gibt mehrere Passagen, in denen der Kriminalfall kaum vorankommt und sich das Geschehen in die Länge zieht. Gerade die eigentliche Ermittlungsarbeit entwickelt dabei selten die Spannung, die man sich von einem Holmes-Abenteuer erhofft. Viele Wendungen zeichnen sich früh ab, echte Überraschungen bleiben weitgehend aus und manche Szenen wirken eher wie Übergänge zum nächsten Handlungspunkt als wie organischer Bestandteil der Geschichte. Dadurch entsteht stellenweise das Gefühl, dass der Film länger dauert, als es seine Laufzeit tatsächlich vermuten lässt. Henry Cavill (In the Grey, Highlander) bleibt als Sherlock Holmes erneut eher Nebendarsteller als eigentliche Hauptfigur. Trotzdem hinterlässt er mit jeder Szene Eindruck. Gemeinsam mit Himesh Patel (Die Odyssee) als Dr. Watson entwickelt sich eine Dynamik, die Lust auf deutlich mehr macht. Tatsächlich ertappt man sich mehrfach bei dem Gedanken, dass Netflix aus genau dieser Konstellation eine eigene Sherlock-Reihe entwickeln könnte.
Das Finale hinterlässt einen gemischten Eindruck. Einerseits gönnt sich der Film etwas zu viele Abschiedsmomente und hätte an dieser Stelle durchaus konsequenter auf den Punkt kommen dürfen. Andererseits funktioniert die emotionale Auflösung gut. Gerade die Beziehung zwischen Enola und Tewkesbury verleiht dem Ende genau die Wärme, die die Reihe seit ihrem Beginn auszeichnet. Man verlässt den Film deshalb weniger wegen des gelösten Kriminalfalls mit einem Lächeln, sondern vielmehr wegen seiner Figuren.
Fazit
"Enola Holmes 3" ist kein großer Detektivfilm und erreicht auch nicht die erzählerische Raffinesse, die das Holmes-Universum eigentlich hergibt. Dafür überzeugt er mit sympathischen Figuren, einer gut funktionierenden Chemie zwischen seinen Hauptdarstellern und einer angenehm leichten Tonalität. Trotz einiger Längen und eines nur bedingt spannenden Kriminalfalls bleibt ein unterhaltsames Abenteuer, das vor allem vom Herz seiner Figuren lebt und Fans der Reihe genau das liefert, was sie erwarten.
Autor: Mike Kaminski