Seit über 50 Jahren ist der deutsche Filmemacher Wim Wenders nun schon im Geschäft. Für Werke wie „Pina“, „The Salt of the Earth“ oder „Buena Vista Social Club“ wurde er mit etlichen Preisen überhäuft, gleichwohl national, wie auch international.
Wirft man jedoch einen Blick auf seine Filmographie, so wird man schnell erkennen, dass es vor allem das Genre des Dokumentarfilms ist, welches Wenders in den letzten Jahren frenetisch feierte. Mit „Everything will be fine“ kehrt er nun zu den Wurzel des Schauspiels zurück, denn im Kern handelt es sich bei dem Film um ein klassisches Kammerspiel mit überschaubaren Figuren und Drehorten.
James Franco spielt den wortkargen Autoren Thomas, der zu Beginn des Filmes im Norden Kanadas nach Inspiration für einen neuen Roman sucht. Nachdem Franco zuletzt bei der Presse keine gute Figur gemacht hat, seinem Auftritt in „The Interview“ sei dank, zeigt er hier wieder, dass er eben doch weiß, wie er eine Rolle adäquat zu spielen hat, denn was Thomas auf den ersten Blick an Dialog fehlt, gleicht er umso deutlicher mit seiner Mimik und Gestik aus.
An seiner Seite steht Charlotte Gainsbourg, die aktuell auch in „Heute bin ich Samba“ auf der Leinwand zu sehen ist. Obwohl sie, verglichen mit Franco, nur sehr selten zu sehen ist, gibt sie wie immer eine gute Figur. Die Rolle der trauernden Mutter, die über die Jahre lernt was es heißt zu vergeben, steht ihr ausgesprochen gut.
Wie eingangs bereits erwähnt besinnt sich die Handlung von „Everything will be fine“ auf die klassischen Tugenden der Schauspielkunst, was sich vor allem in den langen Dialogen zwischen den einzelnen Figuren zeigt. Als Zuschauer braucht man schon eine gewisse Portion Sitzfleisch, denn zwischen den Dialogen, langen Kamerafahrten über die malerische Landschaft Kanadas und einem Erzähltempo, das größtenteils als zäh betitelt werden muss, kann Langeweile durchaus mal vorkommen.
Die Geschichte umspannt einen Zeitraum von 10 Jahren, in der sich die Bahnen der Protagonisten immer wieder auf unterschiedlichstem Wege kreuzen, jedoch wirken viele der Szenen mehr wie eine Art Lückenbüßer, als ernsthafter Teil der Handlung. Hier hätte man des Öfteren deutlich mit der Schere ansetzen können, denn weder eine Nebenhandlung um Thomas und seinen Vater, gespielt von Patrick Bauchau, noch diverse andere Nebenhandlungsstränge führen am Ende zu einem kohärenten Ergebnis, sodass sie dem Zuschauer einzig und allein die jeweilige Gefühlslage der handelnden Figuren näher bringen, welche sich jedoch nicht weitgehend von jener aus der vorherigen Szene unterscheidet.
Da die eigentliche Handlung in ihrem Kern auch nichts Neues erzählt und man als Zuschauer weder mit dem zurückhaltenden Thomas, noch der spärlich zu sehenden Kate so richtig sympathisieren kann, verkommt das neuste Werk Wenders' leider zu einem Film, den man schon kurze Zeit nach dem Kinobesuch wieder vergessen hat.