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Quelle: themoviedb.org
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  • 93 Min
  • Regie
  • Drehbuch
  • Cast

Inhalt

A Wen, 38 ist Geschäftsmann und Familienvater in Barcelona und zugleich der Bruder der Filmemacherin. Wie in den Gangsterfilmen, die sie als Kinder auf VHS gesehen haben, hat er sich in Spanien mit der chinesischen Gangs eingelassen. Ohne zu urteilen oder etwas zu romantisieren, beobachtet Xisi Sofia Ye Chen in ihrem Film einen Mann, der zwischen krimineller Vergangenheit, familiären Pflichten und der Suche nach moralischer Klarheit hin- und hergerissen ist.

Kritik

In den unterschiedlichen Titeln, die Xisi Sofia Ye Chens somnambule Spurensuche im Laufe des filmischen Entstehungsprozesses erhielt, spiegeln sich die stilistischen und motivischen Schwerpunkte, zwischen denen die  autobiographische Auseinandersetzung oszilliert. Milieustudie, Monographie und filmische Mythologisierung verschmelzen zu einer dokumentarischen Meditation über die ätiologischen Verbindungen von Familienrealität und filmischer Fiktion. Letzte prägt nicht nur die ästhetisierte Optik der irisierenden Inszenierung, die im Internationalen Wettbewerb von Visions du Réel Premiere feiert, sondern die Biographie der chinesisch-spanischen Filmemacherin.

In ihren Kindheitserinnerungen an die gemeinsamen Jahre mit ihrem älteren Bruder A Wen erscheinen die chinesischen Gangster-Krimis der 80er und 90er, die beide in ihrer neuen Heimat im spanischen Exil auf Video sahen, als affektiver Auslöser seiner riskanten Laufbahn. Deren volles Ausmaß erfasste Ye Chen nach eigener Aussage erst während der Recherche zu ihrer retrospektiven Reflexion. Scheinbar magnetisch angezogen vom Gangster-Gestus auf dem Bildschirm, kehrte A Wen der Familie den Rücken und begann eine kriminelle Karriere.

Deren tiefere Auslöser bleiben ebenso rätselhaft wie die konkrete Form seiner illegalen Aktionen im spanischen Untergrund. Diesen zeigen Handkamera-Aufnahmen von Männerrunden beim Bier trinken, in chinesischen Restaurants und Nachtclubs mal als schillerndes Stereotyp, mal als triviale Routine. Ye Chens monologartiger Off-Kommentar entfaltet sich entlang der moralischen Kluft zwischen bürgerlicher Gegenwart und delinquenter Vergangenheit. Diese scheint ebenso unüberwindbar wie die trotz der verwandtschaftlichen Nähe bestehende emotionale Distanz. Der Bruder bleibt eine menschliche Chiffre für familiäre Entfremdung.

Fazit

Die kriminellen Netzwerke Spaniens chinesischer Diaspora liefern den faszinierenden gesellschaftlichen Hintergrund Xisi Sofia Ye Chens monologisierender Memoire. Darin verschränken sich persönliche Erinnerungen und milieustrukturelle Konflikte unauflöslich zu einem atmosphärischen Amalgam von Identität und Imagination. Die dramaturgisch überhöhte Figur des Bruders bleibt trotz ihrer Omnipräsens eine psychologische Leerstelle. Seine Vorstellungen von Männlichkeit und Macht werden ebenso wenig kritisch hinterfragt wie die Ursachen der überraschend offen diskutierten mentalen Probleme. Oft traumwandlerisch anmutend, spiegeln die stilisierten Szenen die narrative Ungewissheit. 

Kritik: Lida Bach

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