Inhalt
Wim Wenders setzt immersive 3D-Kameratechnik ein, um die einflussreichen Bauten des mit dem Pritzker-Preis ausgezeichneten Architekten Peter Zumthor zu präsentieren; dabei können die Zuschauer dessen Räume erkunden und entdecken, wie Architektur die menschliche Wahrnehmung und den Alltag prägt.
Kritik
„Wir verbringen eine Menge Zeit in Häusern.“, verkündet Wim Wenders (Anselm - Das Rauschen der Zeit) im Regie-Kommentar zu seiner dritten 3D-Doku und definiert damit deren Erkenntniswert. Die meisten wüssten fast nichts über Gebäude, Häuser, Zuhause und schon gar nicht Architektur. „Mit diesem Film wollte ich das ändern.“ Von dieser Intention zeigt sich wenig in Wenders dokumentarischem Porträt des Schweizer Architekten Peter Zumthor. Wer sich in von Wenders attestierter Ahnungslosigkeit über ihn informiert, liest von Minimalismus, Handwerk, Naturverbundenheit. Manche gedenken seiner auch als Beinah-Konstrukteur der Topographie des Terrors.
Zumthor jedenfalls erinnert sich offenbar genau an eines der peinlichsten Berliner Bau-Desaster. Das Land Berlin entzog ihm schließlich die Projektleitung bei sofortigem Baustopp, als die kosten von 35 Millionen D-Mark auf über 100 Millionen explodierten. Konstruktiv mit Kritik umzugehen, ist womöglich nicht die Stärke des Protagonisten, der trotzt: Berlin wäre mit seiner Vision Esser dran gewesen. Die ausführliche Episode ist ein rarer (unfreiwillig) amüsanter und psychologisch erhellender Moment des gediegenen Geniekults. Dessen malerische Landschaftsansichten und elegante Baustudien errichten ein vorgefertigtes Konstrukt eklektischer Erhabenheit.
Mal regungslos, mal sanft gleitend bestaunt Franz Lustig und Sebastian Cramers Kamera die Lieblingsbauten des Architekten, der deren jeweilige Konzept und ihre Besonderheiten erläutertet. Dieser didaktische Ansatz und Zumthors selbstgenügsamer Gestus erheben seine Ansichten zu architektonischen Axiomen. Wenders Regie-Kommentar und Off-Erzählung korrespondieren mit dieser intellektualistischen Idolatrie. So apart die Therme Vals, Bruder-Klaus-Kapelle und das Kolumba Museum anzusehen sind, so einförmig wirkt deren immer gleiche Sublimierung. Elitäre Entrücktheit ignoriert alle soziologischen und ideologischen Faktoren einer Architektur, geschaffen für eine akademistische Oberschicht und ideelle Institutionen.
Fazit
Entstanden über 14 Jahre, fühlt sich Wim Wenders sublimierende Studie des Peter Zumthors baulichen Schaffens noch länger an. Temperatur, Materialien, Lichteinfall sowie Echos der Vergangenheit und pittoreske Erinnerungen sollen Interieurs mit filmischen Mitteln greifbar machen als organische Lebens-Räume, die Zeit und Geschichte in sich aufsaugen. Der Versuch, in Zumthors traditionsgebundener Bauweise den Innovativen Impetus zu finden, widerstrebt auch inszenatorisch dem formalen und ästhetischen Konventionalismus. Das Ensemble prominenter Persönlichkeiten, das meist andächtig schweigend durch Zumthors heilige Hallen wandert, wirkt so redundant wie das 3D-Gimmick der überkonstruierten Laudatio.
Autor: Lida Bach