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Quelle: themoviedb.org

Kritik

„Was ist denn los?“ Ein Colt ist doch 'ne Chance!“

Der Italo-Western sah sich in seiner schlammigen Blütezeit flankiert von zwei äußerst markanten Mysterien: Da gab es auf der einen Seiten den in schwarze Garderobe gehüllten Rächer Django, der in Sergio Corbuccis Klassiker von 1966 das Licht der Welt erblicken durfte, in den unzähligen filmischen Nachzüglern, die das 'Django' im Titel trugen, aber des öfteren einzig des deutschen Verleihs wegen vertreten war – Wo „Django“ draufstand, war von diesem zumeist keine Spur zu finden. Auf der anderen Seite positionierte sich ein gewisser Sartana, seinen Urknall ebenfalls im gleichnamigen Streifen aus dem Jahre 1966 findend, fungiert gleichermaßen als rächender Archetypus des Genres und durfte in seinen Auftritten von ähnlicher Willkür gesegnet werden, wie sein fiktiver Kamerad es wurde. Interessanterweise bedient sich Alfonso Balcázars „Für ein paar Leichen mehr“ nun auch dem Personenkult um Sartana, natürlich nur dank der deutschen Eingliederung, allerdings hier nicht in Form des Anti-Helden, sondern einfach mal in der des triefäugigen Antagonisten.

Hat das letzten Endes wohl irgendeine Bedeutung, dass wir in „Für ein paar Leichen mehr“ auch auf einen Sartana-Verschnitt treffen dürfen? Nein, nicht wirklich, amüsant aber ist es schon, wenn man bedenkt, wie kalkuliert man immerzu versucht hat, prominente Kunstfiguren in weniger renommierte Produktionen zu beherbergen, um die (Teil-)Aufmerksamkeit des damaligen Publikums auf sich ziehen zu können. Der Resonanzraum, den „Für ein paar Leichen mehr“ hier öffnet, darf sich aber ohnehin bestenfalls als reiner, primitiver Genre-Haudegen klassifizieren lassen, was im Prinzip nicht verwerflich ist, in der Ausführung aber bereits bis zum Gehtnichtmehr durchexerziert wurde. Hat man sich mit dem Italo-Western und seinen mal mehr, mal weniger glorreichen Vertretern auseinandergesetzt, dann ist „Für ein paar Leichen mehr“ vor allem eine Sache: Passable Schleuderware von der schroffen Stange. Uriah (George Martin) kann seine Frau nicht davor bewahren, vom sadistischen Gangster Slim „Sartana“ Kovacs (Jack Elam) geschändet und umgebracht zu werden und will die Untaten vergelten.

Noch fragen? Wahrscheinlich nicht. Es wäre indes auch der falsche Ansatz, „Für ein paar Leichen mehr“ aufgrund seines gewaltheischenden Habitus zu verurteilen, befinden wir uns doch in einem konkret arrangierten Projektionsradius, in dem die (durchaus harten) Brutalitäten nicht nur genreinhärenten Maßstäben entwächsen, sondern auch dem nicht exakt datierten zeithistorische Kontext angepasst wurde: Niemand möchte wohl behaupten, dass der Umgang in diesen Tage sonderlich liebevoll vonstatten ging, auch wenn der Italo-Western seit jeher immer viel Freude daran besaß, geschichtliche Klitterung zu betreiben. Die schrammige Gitarre von Francesco De Masi und der bohrende Blick vom pomadig glänzenden George Martin, der sich im emblematischen Zoom über die gesamte Mattscheibe erstreckt, bringen in Kombination natürlich entsprechendes Feeling in die zähnefletschende Chose. Ohnehin trägt „Für ein paar Leichen mehr“ durchaus das Herz seines Sujets in der Brust, und doch reicht es letzten Endes nur für den hohlen Zahn: Alles wie gehabt, alles schon (besser) gesehen.

Fazit

Sicher kein Meilenstein des Genres und noch weniger ein unbedingter Geheimtipp. Wer eine gewisse Affinität für den Italo-Western hegt und nicht immer qualitative Quantensprünge der Marke „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „Leichen pflastern seinen Weg“ erwartet, der kann sich durchaus auch mal an Alfonso Balcázars schroffen Rache-Reißer „Für ein paar Leichen mehr“ wagen. Bleiben wird von der Sichtung allerdings höchstens das ikonische Triefauge des Jack Elam.

Autor: Pascal Reis

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