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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Zwei Ehepaare aus völlig unterschiedlichen Lebenswelten begegnen sich, als die Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm sie zusammenführen. Auf der einen Seite stehen ein arbeitslos gewordener Mann und seine Frau, die versuchen, mit den Veränderungen ihres Alltags zurechtzukommen. Auf der anderen Seite befinden sich eine Dokumentarfilmerin und ihr Partner, deren Beziehung ebenfalls von unausgesprochenen Spannungen geprägt ist. Während die Kamera das Leben der Beteiligten festhält, geraten auch ihre persönlichen Wünsche, Enttäuschungen und verborgenen Sehnsüchte zunehmend in den Mittelpunkt. Die Begegnungen zwischen den beiden Paaren führen dazu, dass festgefahrene Rollenbilder und bestehende Beziehungen hinterfragt werden und jeder von ihnen Entscheidungen treffen muss, die das eigene Leben nachhaltig verändern können.

Quelle: themoviedb.org

Kritik

Der Schatten von Parasite lastete schwer auf Lee Chang-dongs (Burning) doppelbödiger und doppelgleisiger Beziehungsstudie, die nicht nur thematische Assoziationen mit Bong Joon-ho weckt. Die Prämisse zweier Paare aus verschiedenen Gesellschaftsklassen, dessen ärmeres im Anwesen der wohlhabenden Bekannten landet, das zentrale Motiv eines toxischen Geflechts von Geben, um zu Nehmen; sogar das Poster mit seiner allegorischen Anordnung isolierter Figuren und der Soundtrack Bong Joon-hos Stammkomponisten Jung Jae-il evozieren die Oscar-gekrönte Thriller-Satire. Von dieser distanziert sich Lee Chang-dongs nuanciertes Soziogramm mit einer sozialrealistischen Härte, die kein morbider Humor abfängt.

Das erste der zwei distinktiven Handlungskapitel, lose inspiriert von Krzysztof Kieslowskis Dekalog, dessen zehnten Eintrag das Eingangszitat „Thou Shalt not Covet“ referenziert, ist ein enthüllender Blick auf Koreas ökonomisch, sozialstrukturell und physisch gleichsam brutale Unterdrückung von Arbeiterrechten. Der Einsatz dafür kostete Fabrikarbeiter Ho-seok (Sul Kyung-gu, Good News) neben seiner beruflichen auch die soziale Stellung, seine Gesundheit und psychische Stabilität. Traumatisiert von der Polizeigewalt, die ihn bei einem Protest gegen Massenentlassungen seines ehemaligen Arbeitgebers erst ins Krankenhaus und dann ins Gefängnis brachte, ertränkt er seine Perspektivlosigkeit in Alkohol. 

Seine Gattin Mi-ok (Jeon Do-yeon, Mantis) versucht, ihre Ehe zusammenzuhalten und den 10-jährigen Sohn Cheol (Jung Seop) vor der Depression seines Vaters abzuschirmen. Als scheinbar uneigennützige Unterstützerin erscheint ehrgeizige Dokumentarfilmerin Ye-ji (Cho Yeo-jeongMy Daughter Is a Zombie), die ein Exposé über ausbeuterische Arbeitsstrukturen und den täglichen Existenzkampf der Arbeiterklasse plant. Etwas von der spürbaren Skepsis ihrer Produzenten überträgt sich auf die ambitionierte Akademikerin, die ihren filmischen Fokus diskret auf die Eheprobleme ihrer Protagonisten verschiebt. Parallel dazu dirigiert der Regisseur sein Sozialdrama elegant in das zweite Kapitel eines Kammerspiels klassistischer Konflikte. 

Ye-ji lädt trotz des Widerwillens ihres Ehemanns Sang-woo (Zo In-sung, Hope), dessen Vermögen ihre Filmprojekte finanziert, das befreundete Paar in ihr Ferienhaus ein. In dem Luxusanwesen mit Gärtner und Hausmädchen drängen die unterdrückten Ressentiments immer aggressiver an die Oberfläche. Ye-jis filmischer Aktivismus entpuppt sich als selbstgenügsame Fassade voyeuristischen Opportunismus. Ihre eigene Regie-Karriere vor Augen, lockt sie Mi-ok und Ho-seok in ihre Privatsphäre, um bessere Einblicke in deren Privatleben zu haben. Sang-woo durchschaut ihre unterdrückte Animosität gegenüber den Gästen, die er für ihre ökonomische Lage verachtet. 

Seine frühere „Kinderfreundschaft“ mit dem Gärtner spiegelt das Machtungleichgewicht in der Konstellation der kontrastierenden Paare. Cheol findet eine alte Trillerpfeife, auf der Sang-woo damals den Gärtnerjungen buchstäblich zum Spielen herbei pfiff. Die unteren Gesellschaftsschichten sind degradiert zu dressierten Haustieren der Elite, die sie als kindliche Spielpartner oder dokumentarisches Spektakel unterhalten sollen. Kollegialität und Kameradschaft kaschieren ein pervertiertes Abhängigkeitsverhältnis, das Mi-ok und Ho-seok langsam dämmert. Auf Firmen- und Familienebene bestimmt der gleiche  Ausbeutungs und Machtapparat, wessen Perspektive das mediale Bild und die öffentliche Wahrnehmung einer Gesellschaftsgruppe definiert. 

Fazit

Sein dreiseitiges Beziehungsdrama eines Paares aus der Oberschicht, eines Paares aus der Arbeiterschicht sowie beider Verhältnis zueinander erweitert Lee Chang-dong zu einer desillusionierten Dekonstruktion intellektuellen Idealismus und altruistischen Aktivismus. Beide dienen lediglich der Selbstdarstellung und Selbstbereicherung einer Akademiker-Elite, deren Selbsttäuschung nicht ihre internalisierten klassistischen Ressentiments überschreiben kann. Differenzierte Darstellungen, insbesondere von Jeon und Sul, und inszenatorisches Feingefühl verbinden die stilistisch und atmosphärisch divergenten Handlungskapitel. Deren pessimistische Pointe ist der Umstand, dass der Regisseur und sein formal geschliffenes Werk Teil des klassistischen Mechanismus sind, den sie kritisieren. 

Kritik: Lida Bach

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