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Quelle: themoviedb.org

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Eine junge Kampfsportlerin aus Heide beschließt den Spieß gegen einen Serienmörder umzudrehen, der übers Internet jungen Mädchen auflauert und ermordet.

Kritik

Der deutsche Genrefilm hat es wahrlich nicht einfach. Gute Produktionen, die überraschen und Kritiker wie Publikum gleichermaßen begeistern, sind entweder rar oder laufen unbemerkt auf kleinen Festivals. Deutschland ist nun mal bekannt für seine tiefgründigen Dramen und seichten Komödien.
Natürlich gab es immer mal wieder kleine Perlen, die einiges an Talent und Kreativität seitens der Macher aufblitzen ließen. Exemplarisch seien an dieser Stelle einmal „Hell“, „Zimmer 205“ oder „Urban Explorer“ genannt. Meist fehlte aber eine wirklich mitreißende Story und der letzte Wille, etwas völlig Eigenständiges zu erschaffen.
Anatomie“ bleibt nach wie vor der bisher erfolgreichste deutsche Horrorfilm und daran wird auch der nun in ausgewählten Kinos startende „Gefällt mir“ nichts ändern.

Das Werk von Drehbuchautor und Regisseur Michael David Pate ist ein waschechter Slasher-Film nach amerikanischem Vorbild geworden und das findet man ja hierzulande eher selten. Beeindruckend ist die Tatsache, dass „Gefällt mir“ völlig ohne Fonds und Fördermittel auf die Beine gestellt wurde, was schon einiges an Respekt und einen Extrapunkt in der Bewertung verdient. Dabei nutzt Pate seine eigene Heimatstadt Heide als Mittelpunkt des Geschehens und erschuf so den etwas anderen Heimatfilm, wie es auch schon die „Zombies from Outer Space“ aus Bayern vorgemacht hatten.

Schon im Januar 2013 begann Michael David Pate mit der Vorproduktion zu „Gefällt mir“. Das Drehbuch schickte er an mehrere Wunschdarsteller, die kurzerhand zusagten. Dies rückte das kleine holsteinische Städtchen Heide in den Fokus der Medien und ließ potentielle Geldgeber auf die Produktion aufmerksam werden. Wenn man unterschiedlichen Quellen Glauben schenken darf, hatte Pate am Ende ein Budget von knapp 1 Mio. Euro zur Verfügung. Da ist mittlerweile jede Tatort-Folge teurer.

Wie der Filmtitel schon andeutet, behandelt Pates Debüt die Schattenseiten der sozialen Medien und vor allem die Gefahren der Zurschaustellung seines Lebens in der Öffentlichkeit. Die Story ist schnell umrissen: Ein Serienmörder, genannt „Der Fleischer“, geht um und sucht sich seine Opfer ausschließlich auf Facebook. Dort nimmt er mit ihnen unter Vortäuschung einer falschen Identität Kontakt auf, bis er schließlich die Chance bekommt von unbedarften Mädels nach Hause eingeladen zu werden, was die Damen in der Regel nicht überleben. Ihre letzte Aktivität auf Facebook ist ein "Selfie" kurz nach ihrem Tod, das der Täter schießt und direkt auf der Timeline postet.
Schließlich bekommt es „Fleischer“ jedoch mit der taffen Natascha (Isabella Vinet) zu tun, welche ihn direkt in einer TV-Talkshow herausfordert. Natascha ist eine Kampfsportlerin, die genug hat von der Hilflosigkeit von Polizei und Justiz. Nachdem ihre Freundin ihr Leben lassen musste, nimmt sie die Zügel selbst in die Hand und liefert sich ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel mit dem „Fleischer“. Unterstützt wird sie dabei vom jungen Polizisten Alex (Tobias Schenke). Doch der Mörder scheint immer einen Schritt voraus zu sein…

Die Idee, dass sich einen Mörder für seine kranken Phantasien die sozialen Netzwerke zunutze macht, wurde jetzt in der Form noch nicht filmisch verwertet und liefert eine durchaus spannende Ausgangsbasis. Klar, der gläserne Mensch hat heutzutage eine ganz neue Stufe erreicht. Der Zwang sich auf Plattformen im Internet öffentlich zu präsentieren und zu profilieren ist für viele zumeist jüngere Nutzer fast schon alltäglich.

Der Film beginnt wie ein typischer Teenie-Slasher und rückt den Täter mit seinem schaurigen (übrigens überaus gelungenen) Outfit schon nach wenigen Minuten ins Bild. Wenn dabei übertrieben viel Blut spritzt und mit schmatzenden Geräuschen Gliedmaßen abgetrennt werden, merkt man, dass sich „Gefällt mir“ kein bisschen ernst nimmt und ein Abdriften in Torture Porn-Gefilde nie zu befürchten ist. Wobei ein Großteil der Gewalt (wahrscheinlich auch aus Budgetgründen) nicht explizit gezeigt wird, sondern meist nur in den Köpfen der Zuschauer stattfindet. Was aber meist ohnehin das bessere Stilmittel ist.

Nach rund einem Drittel des Films ist klar: „Gefällt mir“ liefert nichts Neues. Im Gegenteil, es werden so viele Horrorklassiker zitiert und teils kopiert, dass man manchmal mehr darüber nachdenkt, woher die gezeigte Szene einem nun bekannt vorkommt, anstatt sich auf das Filmgeschehen zu konzentrieren. Dazu gesellen sich viele bekannte Horrorklischees (die Unfähigkeit der Polizei, die Dummheit der Opfer, falsche Verdächtige), oft peinliche und grammatikalisch fragwürdige Dialoge und eine manchmal recht hölzerne schauspielerische Darstellung. Doch trotz dieser Negativpunkte ist „Gefällt mir“ überaus unterhaltsam und ringt einem durchweg ein Schmunzeln ab. Allzu drastische Szenen oder Tabubrüche werden nämlich schnell wieder mit entsprechender Komik entschärft. Der Film geht ein hohes Tempo, schlägt wilde Haken in der Handlung und wartet mit vielen kreativen Ideen auf. Man merkt, dass das ganze Team hinter dem Film mit viel Herzblut dabei war und hier vor allem auch echte Horrorfans am Werk waren.

Gerade die Optik kann überzeugen und macht einige der oben genannten Schwachpunkte wieder wett. Vor allem die Vermischung zwischen Online-Welt und Realität, die Interaktion zwischen Mensch und Medien, ist visuell einfallsreich umgesetzt. Wie schon in den Sherlock-Filmen werden Nachrichten dem Zuschauer direkt eingeblendet, oft auch in unpassenden Momenten, wenn zum Beispiel an meinem Mordschauplatz Facebook-Posts von Schaulustigen visualisiert werden. Hier hält „Gefällt mir“ der Generation Facebook womöglich ihr eigenes Online-Verhalten vors Gesicht. Das wirkt zuweilen etwas aufdringlich, erfüllt allerdings immer seinen Zweck.

Weite Abschnitte des Films wirken - und das muss man objektiv gesehen einfach so festhalten - wie typischer Horror-Durchschnitt, den man schon dutzende Male über sich hat ergehen lassen. Dann kommen jedoch auch Szenen, die wie intelligente Satire wirken. Nämlich dann, wenn auch Kritik an den Medien und unseren Gesellschaft geübt wird. Da wird auch mal das deutsche Rechtssystem attackiert und Selbstjustiz geübt, wie man es ja aus amerikanischen Produktionen schon zuhauf gewöhnt ist. Dass dies jedoch nicht ohne Folgen bleibt, zeigt „Gefällt mir“ in einem ungewöhnlichen Showdown.

Die Darstellerleistungen sind nicht so professionell wie in einigen Berichten zum Film betont wurde. Oft wirken die Schauspieler etwas steif und die Dialoge wie auswendig gelernt und heruntergebetet. Tobias Schenke spielt den Polizisten routiniert mit sichtlich Spaß an der Rolle, er hat ja nun schon einiges an Kino- und TV-Erfahrung auf seiner Habenseite. Isabella Vinet nimmt man das taffe Mädel, das sich mit gleich mehreren Mördern anlegt, auf jeden Fall ab. Vor allem durch ihre Optik vermag sie eine große Präsenz auszustrahlen. In einer nicht ganz unwichtigen Nebenrolle gibt es sogar David Gant zu sehen, der vielen aus Braveheart bekannt sein dürfte.
Was die Darsteller anbelangt, ist eine Auffälligkeit schon sehr lustig (und dafür Hut ab!): Michael David Pate hat es geschafft viele bekannte deutsche Synchronsprecher in einem Film zu vereinen. Das irritiert zuerst, amüsiert dann aber auch in großem Maße. Zu erwähnen wären da zum Beispiel Santiago Ziesmer (Spongebob), Udo Schenk (Kevin Bacon, Ralph Fiennes), Charles Rettinghaus (Robert Downey Jr.) oder Ronald Nitschke (Tommy Lee Jones).

Generell ist dem Film das geringe Budget trotz eines insgesamt düsteren Looks jederzeit anzumerken. Die Soundeffekte gehen in Ordnung und erinnern manchmal etwas an SAW. Wobei der Ton nicht immer gut gemischt und die Dialoge oft zu leise sind. Kameraführung und Schnitt sind in einigen Szenen nicht ganz homogen, wobei hier bereits viel Talent durchblitzt. Mit etwas mehr Erfahrung und Rückhalt seitens größerer Produktionsstudios darf man auf jeden Fall gespannt sein, welche Projekte Michael David Pate in Zukunft angehen wird.

Fazit

„Gefällt mir“ ist ambitioniertes Genre-Kino, dem man das geringe Budget zwar ansieht, dies aber mit vielen kreativen Einfällen wieder wettmacht. Vor allem die Verschmelzung von Realität und digitaler Welt ist wirklich gelungen. Man muss sich aber schon auf den kruden Mix aus Slasher, Comedy und satirischen Elementen einlassen können. Denn entweder wird man dann prächtig unterhalten oder man schlägt andauernd die Hände über dem Kopf zusammen. Beides liegt im Debütfilm von Michael David Pate nah beieinander.

Autor: André Schiemer

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