5.0

MB-Kritik

Greenland 2 2026

Action, Sci-Fi, Adventure, Thriller

5.0

Gerard Butler
Morena Baccarin
William Abadie
Roman Griffin Davis
Sophie Thompson
Amber Rose Revah
Tommie Earl Jenkins
Trond Fausa Aurvåg
Rachael Evelyn
Nathan Wiley
Peter Polycarpou
Alex Lanipekun
Gordon Alexander
Sidsel Siem Koch
Gianni Calchetti
Tommi Thor Gudmundsson

Inhalt

Fünf Jahre nach dem verheerenden Einschlag des Kometen Clarke leben John (Gerard Butler), Allison (Morena Baccarin) und ihr Sohn Nathan (Roman Griffin Davis) noch immer in dem Bunker in Grönland, der ihr Überleben sicherte. Doch Frieden finden sie hier nicht: Luft und Wasser sind verseucht, Strahlungsstürme wüten über die Oberfläche und Fragmente des Kometen schweben noch immer in der Umlaufbahn und drohen auf die Erde zu stürzen. Als ein verheerendes Beben den Bunker zerstört, muss die Familie erneut aufbrechen und sich durch ein verwüstetes Europa bis zum einzig sicher scheinenden Ort auf dem Planeten durchschlagen – dem gigantischen Krater des Clarke-Kometen in Südfrankreich.

Kritik

You gotta be kidding me“ entfährt Butlers John Garrity irgendwann während Greenland 2 – ein Satz, der weniger wie ein spontaner Gefühlsausbruch wirkt als vielmehr wie ein Kommentar zum gesamten Film. Zu diesem Zeitpunkt hat die Familie Garrity (darunter Deadpool-Gefährtin ) bereits eine erstaunliche Menge an Rückschlägen, Gefahren und Umwegen hinter sich gebracht. Und tatsächlich scheint es eine feste Regel dieser Filmwelt zu geben: Wo immer die Garritys auftauchen, ist Ärger nicht weit. Ihnen selbst passiert zwar nichts Entscheidendes, doch ihr Umfeld lebt gefährlich. In der Logik dieses Sequels wäre die klügste Überlebensstrategie vermutlich, möglichst großen Abstand zu dieser Familie zu halten.

Vom leisen Weltuntergang zur vertrauten Eskalation?

Der erste Greenland (2020) hatte viele Zuschauer*innen überrascht – und nicht wenige enttäuscht. Trotz  in der Hauptrolle und  (Angel Has Fallen) auf dem Regiestuhl blieb der Film erstaunlich zurückhaltend. Erwartet wurde ein donnerndes Weltuntergangsspektakel, geliefert wurde ein vergleichsweise nüchternes Drama. Wer eher mit Armageddon gerechnet hatte, bekam stattdessen etwas, das näher an Deep Impact lag: weniger Bombast, mehr familiäres Leid. Das brachte dem Film durchaus Anerkennung ein, fühlte sich für manche aber wie eine irreführende Verpackung an.

Greenland 2 ist in dieser Hinsicht ehrlicher. Das Sequel verspricht keine falsche Ruhe mehr, sondern setzt auf eine Mischung aus rauem Survival-Drama und etwas größer angelegten Katastrophenkino. Die Dramaturgie folgt einem einfachen, fast schon mechanischen Muster. Die Garritys ziehen von Station zu Station, und jedes Mal passiert etwas Unangenehmes. Ein plötzlicher Meteoritenschauer, ein Angriff aus dem Hinterhalt – natürlich bleibt der Mensch das größte Monster –, zwischendurch ein Fremder, der sich als Verbündeter entpuppt. Der Film gönnt sich kaum Atempausen. Stillstand ist hier kein Thema. 

Ebenso wenig wie echte Epik. Zwar donnert der Score pflichtschuldig und dickflüssig über die Bilder, und das auf 90 Millionen US-Dollar angewachsene Budget ist durchaus sichtbar. Das liegt vor allem daran, dass Regisseur Waugh und sein Team nicht ausschließlich auf CGI-Kulissen setzen, sondern tatsächlich in Island gedreht haben. Diese Entscheidung verleiht dem Sequel zumindest in formaler Hinsicht eine spürbar gesteigerte Wertigkeit.

Katastrophenkino mit Routine statt Risiko

Was das hohe Tempo und die gesteigerte Wertigkeit jedoch nicht kaschieren können, ist der Mangel an eigenen Einfällen. Greenland 2 wirkt wie ein sorgfältig zusammengestelltes Best-of bekannter Katastrophen- und Endzeitmotive. Das ist solide, aber wenig inspirierend. Auch wenn sich die Macher, wie bereits bei ihrem Spionage-Thriller Kandahar, um Graustufen bemühen. Doch gerade weil der Film so viele bekannte Versatzstücke nutzt, öffnet er ungewollt Raum für Fragen zur inneren Logik seiner Welt. Nicht alles ergibt Sinn, manches wirkt arg konstruiert. Wirklich störend ist das nicht, doch es trägt auch nicht dazu bei, dass sich das Geschehen besonders glaubwürdig oder mitreißend anfühlt.

Im Vergleich zum stellenweise schläfrigen und optisch wenig ansprechenden ersten Teil zeigt sich das Sequel in mehreren Bereichen verbessert. Die Inszenierung ist straffer, einige Actionsequenzen haben mehr Wucht, und insgesamt wirkt der Film entschlossener in dem, was er sein will. Gleichzeitig muss man akzeptieren, dass auch eine ordentliche Portion Unsinn mitgeliefert wird. Der Film vertraut sehr darauf, dass sein Publikum diese Art von Geschichte entweder noch nie gesehen hat – oder bereit ist, bekannte Muster erneut zu schlucken. Dabei sticht nichts an Greenland 2 wirklich heraus. Abgesehen von einem unfreiwillig komischen Moment gegen Ende, der hier nicht vorweggenommen werden soll, bleibt wenig nachhaltig im Gedächtnis. Sagen wir nur so viel: Center Parcs Auenland existiert. 

Gerard Butler passt in dieses Gesamtbild nahezu ideal. Seit Jahren bewegt er sich mit bemerkenswerter Verlässlichkeit durch genau solche Filme: kein billiger Ramsch, aber eben auch nur selten Kino, das eine Leinwand wirklich zum Leuchten bringt. In dieser Hinsicht gleicht er Greenland 2, der Actionfans zwar spürbar besser bedient als der erste Teil, darüber hinaus aber kaum Ambitionen zeigt. Die Figuren bleiben weiterhin schemen- und schablonenhaft, dürfen diesmal jedoch häufiger um ihr Leben zittern. Das ist auf der einen Seite solide Katastrophenunterhaltung, auf der anderen jedoch so berechenbar, dass der Film schneller verblasst, als seine Bilder Eindruck machen können.

Fazit

Geboten wird routinierte Endzeitunterhaltung, die mit höherem Tempo und klarerer Zielsetzung arbeitet. Das Geschehen bleibt kontrolliert, die Figuren funktional, die blasse Spannung verlässlich, aber kaum nachhaltig. Gerard Butler verleiht Stabilität, ohne zusätzlichen Glanz. Am Ende bleibt ein Film, der seine eigene Austauschbarkeit erstaunlich gelassen akzeptiert. Hat etwas für sich, wenn man mit sich selbst im Reinen ist.

Autor: Sebastian Groß
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