Inhalt
In GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE betritt ein „Mann aus der Zukunft“ (Sam Rockwell) ein Diner in Los Angeles. Dort muss er aus den anwesenden Gästen genau die richtige Kombination (Haley Lu Richardson, Michael Peña, Zazie Beetz, Juno Temple) rekrutieren, um in einer nächtlichen Mission die Welt zu retten.
Kritik
Eine Ära, in der Porto-faschistische Technokraten beängstigende politische Macht gewinnen, und eine Handvoll multinationaler Technologie-Unternehmen einen ähnlich beunruhigenden ökonomischen Einfluss hat, schreit geradezu nach einer satirischen Abrechnung mit dem postmodernen und dabei erschreckend reaktionären IT-Imperialismus. Leider ist Gore Verbinskis (Spaceless) Science-Fiction-Klamauk, der nach seiner Premiere auf dem Fantastic Fest nun auf der Berlinale läuft, eher der Gegenentwurf eines solchen Werks. Das Möchtegern-zeitgeistige Zeitreise-Abenteuer ignoriert geflissentlich die Ideologie hinter der Technologie in seinem luddistischen Lamento. Das warnt vor einer vermeintlich Smartphone-süchtigen Jugend und deren multimediale Manipulation eine digital degenerierte Zukunft einläutet.
Aus dieser Zukunft kommt angeblich der namenlose Protagonist (ein hemmungslos chargierender Sam Rockwell, Die Gangster Gang 2), der eines verregneten Abends in einem Diner ein apokalyptisches Kämpfer-Team rekrutieren will. Seine bizarre Aufmachung lässt die Gäste in ihm einen geistig verwirrten Obdachlosen vermuten, doch dank Drohungen und absurden Zufällen kriegt er trotzdem seine siebenköpfige Crew. Die wird rasch dezimiert, wobei rasch klar ist, wer eine wandelnde Zielscheibe ist. Prominent verkörperte Figuren wie Zazie Beetz’ (They Will Kill You) Janet und ihren Partner Mark (Michael Peña, All Her Fault), Haley Lu Richardsons (PONIES) Ingrid und Susan (Juno Temple, Der Hochstapler - Roofman) erwischt e natürlich nicht.
Sonst würden Verbinski und Drehbuchautor Matthew Robinson (Love and Monsters) sich auch nicht die Mühe machen, ihnen mit namentlichen Titel versehene Hintergrundgeschichten zu geben. Trotzdem bleiben die Charaktere eindimensional, reduziert auf ihren Familienstatus oder Marotten. Ihr Kampf für eine weniger schlimme Zukunft, von der praktisch nichts gezeigt wird, gestaltet sich wie eine mörderische Schnitzeljagd. Der Spaß an Rockwells wilder Performance nutzt sich bald ab und innerhalb des eigenwilligen Teams entwickelt sich einfach keine Dynamik. Was bleibt ist eine halbgare Story mit reichlich reaktionärer Botschaft, die ausgiebig bei überlegenen Genre-Werken klaut.
Invasion of the Body Snatchers, Twelve Monkeys, Ghostbusters und Idiocracy sind nur die markantesten der Filme, aus denen Verbinski sein fades Szenario zusammenbaut. Das wäre halb so ärgerlich, hätte das Resultat etwas Selbstironie und würde eine eigene Grundidee dazu bringen. Doch der rabiate Humor basiert auf einer Handvoll plakativer Pointen, die beständig wiederholt werden: Die Jugend von heute starrt nur auf ihre Handys, Technik stumpft Menschen emotional ab. Nichts davon ist neu, originell oder sonderlich amüsant. Ausstattung und Aktion bleiben mittelmäßig und die reduzierten Effekte enttäuschend synthetisch.
Fazit
Dass Gore Verbinski in seiner derivativen Vision eines technokratischen Totalitarismus die junge Generation als dessen willenlose Handlanger darstellt, nimmt der unausgegorenen Story jeden satirischen Biss. In ihrer plumpen Pauschalisierung erinnert die Warnung vor einer durch böse neue Medien zu einer gefährlichen Masse mutierten Teenagern verdächtig an die moralische Panik vor Comics und Computerspielen. Sam Rockwells Darstellung dient als Zentrum und Motor holprigen Plots, der essenzielle Informationen vorenthält, Nebenstränge fallen lässt und innere Widersprüche nicht auflöst. In seiner bemühten Aktualität erschöpfend altbacken.
Autor: Lida Bach