8.5

MB-Kritik

Good Boy: Wir wollen nur dein Bestes 2025

8.5

Stephen Graham
Andrea Riseborough
Anson Boon
Kit Rakusen
Monika Frajczyk
Savannah Steyn
Mila Jankowska
Callum Booth-Ford
Noah Valentine
Noah Manzoor
Maciej Stępniak
Jessica Johnson
Austin Haynes
Helena Calvert
Jessica Polak
Katarzyna Adamczyk

Inhalt

Der 19-jährige Tommy feiert ausgelassene Partys, treibt seine Freunde immer wieder zu kleinen Regelbrüchen an und prahlt damit auf Social Media – bis er eines Nachts von einem Fremden entführt wird. Als Tommy erwacht, findet er sich angekettet im Keller eines abgelegenen Vorstadthauses wieder, in dem sein Entführer Chris mit seiner Frau Kathryn und ihrem jungen Sohn Jonathan lebt. Die Familie setzt alles daran, Tommys unkontrolliertes Verhalten zu „reformieren“, und unterzieht ihn zahlreichen körperlichen und psychologischen Qualen, um aus ihm einen „braven Jungen“ zu machen.

Good Boy: Wir wollen nur dein Bestes gehört zum Programm der Fantasy Filmfest Nights 2026 (weitere Infos hier)

Kritik

Dass der Original-Titel Jan Komasas (The Changesadistischer Kidnapping-Comedy fast identisch mit  s weit überlegenen Hunde-Horrors ist, scheint paradox passend für einen Film, dessen interessante Ideen ausnahmslos von besseren Leinwandwerken abgeguckt sind. Von Klassikern wie Clockwork Orange über Exploitation-Kult wie Hostel zu C-Movies wie The Girl Behind the Door und neueren Produktionen wie Bad Apples ist die erste englischsprachige Inszenierung des polnischen Regisseurs ein krudes Konglomerat dramaturgischer Versatzstücke. Jene arrangiert der patriarchalische Plot zu einer zynischen Ode an autoritäre Aggression und toxische Männlichkeit. 

Exemplarisch verkörpert wird jene durch Chris (ein exzellent abstoßender Stephen Graham, Animol), psychopathischer Patriarch einer Alptraum-Version der traditionalistischen Kernfamilie. Ehefrau Kathryn (Andrea Riseborough, Ebenezer: A Christmas Carol) ist depressiv seit Verschwinden des ältesten Sohnes Charlie, dessen Schicksal wie zahlreiche Aspekte des unausgegorenen Plots unklar bleibt. Ob Charlie an Drogen gestorben ist, an Selbstmord oder nur abgehauen, ist letztlich nachrangig. Fakt ist, er ist weg und nach Chris Logik braucht es Ersatz. Das wird Tommy (Anson Boon, MobLand), ein hedonistischer Jugendlicher, den Chris entführt und in seinem Keller-Verließ einer brutalen Konditionierung unterzieht. 

Die kriminellen Impulse des renitenten Protagonisten, der das Gen-Z-Negativstereotyp zu Chris Klischee-Boomer abgibt, dienen dramaturgisch und moralisch als willkommene Legitimation psychischer und physischer Folter. Jene ist wie in typischen Exploitation-Filmen als amüsante Unterhaltung geframt - mit dem entscheidenden Unterschied, das der Fokus nicht auf surrealen Splatter-Exzessen liegt, sondern systematischer seelischer Grausamkeit, und dass Chris implizit als in seiner pervertierten Pädagogik bestätigt wird. Erniedrigung und Entmenschlichung, die der englische Alternativ-Titel Heel noch klarer benennt, machen aus dem Delinquenten scheinbar einen idealen Sohn macht. 

Den Endpunkt einer solchen Entwicklung repräsentiert Chris jüngerer Sohn Jonathan (Kit Rakusen, Der phönizische Meisterstreich), der weiterhin Opfer Chris Machtdemonstrationen wird. Ob Jonathan wie möglicherweise auch der ominöse Charlie ebenfalls ein konditioniertes Kidnapping-Opfer ist, bleibt unklar. Das Gleiche gilt für die Motive Kathryns, die Chris Komplizin sein könnte, seine manipulierte Gefangene oder zum Eingreifen zu abhängig, wie die eingeschüchterte mazedonische Reinigungskraft Rina (Monika Frajczyk). Solche Leerstellen verstärken die psychologische und dramatische Inkohärenz des zynischen Szenarios. Dessen autoritäre Dialektik und paternalistische Perversion sind der einzig originelle Aspekt der derivativen Dressur-Show.

Fazit

Riseborough, Boon und Graham geben ihren Charakteren mit dynamischen Darstellungen mehr Substanz, als es die generische Genre-Ware. Jene ist eine konservative Variation des Horror-Tropes einer monströsen Musterfamilie, die potenzielle Mitglieder gewaltsam zwangsintegriert. Mit reduzierter physischer Action und gesteigertem soziologischen Sadismus macht Jan Komasa, der sich wiederholt mit reaktionären Läuterungs-Konzepten befasste, daraus Torture Porn für Boomer: eine Folter-Phantasie für eine alternde neo-konservative weiße Mittelschicht, die Paranoia und Herablassung gegenüber der jungen Generation nicht demaskiert, sondern zelebriert - inklusive des „Du wirst mir dafür noch dankbar sein“.

Autor: Lida Bach
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