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Quelle: themoviedb.org

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Der Gewinner des letztjährigen Berlinale-Preises für den besten Dokumentarfilm ist ein vielschichtiges Porträt davon, wie die Tragödie einer jüdischen Familie am 7. Oktober zu einem Spielball in einem geopolitischen Machtspiel wird.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Als Generationskonfliktstudie und Geiseldrama vor dem Hintergrund des Genozids in Gaza  bewegt sich Brandon Kramers observatives Krisenporträt auf einem politisch und psychologisch gleichermaßen sensiblen Terrain. Über Wochen und Monate hinweg begleitet die Kamera die Eltern, erwachsenen Kinder und Schwester der israelisch-amerikanischen Lehrerin Liat Beinin Atzili, die mit ihrem Ehemann Aviv am 7. Oktober 2023 aus ihrem Kibbutz entführt wurde. Angst und Hoffnung formen das angespannte psychologische Klima, in dem die politischen und ideologischen Positionen der Angehörigen kollidieren. 

Als Verwandter der Betroffenen hat der in den USA lebende Regisseur selbst emotionalen Anteil an der Entführung, deren Verlauf er ab der dritten Woche filmisch festzuhalten begann. Noch komplizierter wird die Verarbeitung des Falls durch seine emblematische Position. Über 1200 Israelis wurden an diesem Tag von Hamas getötet und 254 als Geiseln genommen. Die anti-palästinensische Propaganda-Maschinerie kanalisierte das Leid skrupellos, um die systematische Entmenschlichung der Menschen in Palästina und den Genozid zu rechtfertigen. Mit Rache-Gedanken ringt auch Liats Schwester, frustriert von der scheinbar gemäßigten Position ihres Vaters Yehuda.

Seine Kritik gilt jedoch dezidiert Benjamin Netanyahu, den er mit kurioser Jovialität “Bibi” nennt, und dessen Tatenlosigkeit angesichts der Entführungen. Der Genozid selbst taucht in seinen zornigen Reden gegen die israelische Regierung bezeichnenderweise praktisch nicht auf. Während die Familie auf der Suche nach Unterstützung ihre amerikanischen Verbindungen nutzen und ihre Geschichte auf unzähligen Events, in Büros und auf Rallys vortragen, kämpfen sie zunehmend mit moralischen Kompromissen und stehen immer öfter an ideologischen Gräben. Der familiäre Mikrokosmos spiegelt fesselnd und fokussiert die politischen und religiösen Spannungen innerhalb der israelischen Gesellschaft.

Fazit

Obwohl Momentum und Motivation der vielschichtigen Chronik, mit der Brandon Kramer 2025 auf der Berlinale für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde, tritt die Entführung zunehmend in den Hintergrund der aufmerksamen Observation. Deren analytische Spannung liegt in der langfristigen Studie moralischer und politischer Überzeugungen unter dem anhaltenden Druck von Sorge und Verlustangst. Frei von steuernder Kommentierung und mit entschiedener stilistischer Zurückhaltung zeigen die Handkamera-Bilder die Instrumentalisierung individueller Krisen in einem demagogischen Diskurs und wie Betroffene als Protagonisten nationalistischer Narrative eingesetzt werden.

Kritik: Lida Bach

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