Ein kleiner, abgeschiedener Ort tief im Schwarzwald. Zwei Mädchen verschwinden aus ein und demselben Haus: Das erste 1949, das zweite 1999. Sie tauchen nie wieder auf. Als Jessie das Haus erbt, begreift sie zu spät, welche Gefahr auch für sie und ihre Tochter Mila in der Dunkelheit des Hauses lauert. Eine Gefahr, erwachsen aus der Kluft, die seit Generatio
Kritik
Ein düsteres Einfamilienhaus tief im Schwarzwald, in dem immer wieder Mädchen auf rätselhafte Weise verschwinden. Ein alter Brunnen, der finstere Geheimnisse birgt. Eine Familie, die über drei Generationen von den Schatten der Vergangenheit eingeholt wird. Setting und Szenario der von Stefanie Ren (Für Jojo) und Regisseurin Mia Spengler geschaffenen Mystery-Serie, die im Rahmen der 76. Berlinale eine exklusive Kino-Premiere feiert, erzählen in ihrem mit Grimm’schen Märchen-Motiven gespickten Debüt-Werk eine urdeutsche Geschichte, die zugleich die einer chinesischstämmigen Familie ist.
Familiäre Traumata, ungesühnte Schuld und kollektive Erinnerung sind die unterliegenden Motive des sechsteiligen Serienhorrors, der Geister-Mythologie und soziale Stigmatisierung zu einem hintergründigen Mystery-Drama verwebt. In der Gegenwart kehrt die deutsch-chinesische Jessie (Elisa Hofmann) begleitet von ihrer jugendlichen Tochter Mila (Purnima Grätz, Die Schule der magischen Tiere 4) in das Haus ihrer Eltern zurück, das sie nach deren Tod verkaufen will. Nicht nur scheint in dem Haus alles noch wie vor Jahrzehnten, als Jessie ihren provinziellen Heimatort verließ, sondern alle Innentüren sind mit Bücherstapeln aufgesperrt.
Der Grund dafür ist das in Rückblenden erzählte Verschwinden Jessies kleiner Schwester Isabel (Xue Lili Pautze). Während eines Abends mit Jessies Freundin Tabea (Emilia Packard, Der Heimatlose) und deren Freund Benny (Yoran Leicher, Der Tiger) lief Isabel bei einem Streit mit Jessie in einen Raum, der sich scheinbar in Nichts auflöste. Immer mehr ergreift die Vergangenheit Besitz von Mila und Jessie, die erfahren, dass ein halbes Jahrhundert zuvor im Jahr 1949 schon einmal ein junges Mädchen chinesischer Herkunft verschwand.
Das Gebäude erweist sich als ein Speicher verdrängter Erinnerungen und übernatürlicher Kräfte, die zur metaphysischen Metapher für rassistische Ausgrenzung, Migration und kulturellen Identitätsverlust werden. Übersinnliche Mächte fungieren als Träger eines kulturellen Gedächtnisses, das die Handlung immer tiefer ins Unheimliche kippen lässt. Beobachtende, gedämpfte Einstellungen verfolgen die Schatten, die sich in den Winkeln des beengenden Hauses verlieren während die Tonspur zwischen angespannter Stille und unterschwelligem Dröhnen oszilliert. Schleichende Schrecken transportieren ein gesellschaftliches Grauen von Alltagsrassismus und kommunaler Ablehnung.
Fazit
In ihrem atmosphärisch dichten Beitrag zum neuen deutschen Genre-Kino verankern Mia Spengler und Stephanie Ren die symbolischen Schauer ihrer Mystery-Serie in einer verdrängten Familiengeschichte, überschattet von unterdrückten Traumata und xenophoben Ressentiments. Geisterhafte Elemente verbinden sich subtil mit sozialen Beobachtungen einer unaufgearbeiteten soziologischen Schuld. Die Bedrohung in den eigenen vier Wänden wird zum spukhaften Synonym für die Unsicherheit in einem Land, das die Figuren nie völlig akzeptiert. Überzeugendes Schauspiel, sorgsame Strukturierung und sozialkritische Substanz machen das stimmungsvolle Serien-Debüt auch emotional evokativ.
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