MB-Kritik

If Luck Will Come 2026

Documentary

Inhalt

Durch wunderschöne Bilder und mit einer Kamera auf Augenhöhe mit den jungen Protagonisten erhalten wir einen seltenen Einblick in das, was es bedeutet, in Afghanistan aufzuwachsen, nachdem die Taliban die Macht übernommen haben.

Kritik

Der verspielte Überschwang kindlicher Zirkuskunst triff auf das ultra-repressive Regelwerk religiösen Fundamentalismus und die heranwachsenden Hoffnungen auf eine bessere Zukunft auf die brutale Realität eines Terror-Regimes in Camille Bildsøes dokumentarischer Coming-of-Age-Story. Jene zeigt anhand der niederschmetternden Schicksale zweier zwölfjähriger Geschwister im Kabul während der Machtübernahme der Taliban das erzwungene Ende einer Kindheit im Schatten des Krieges. Zur unbeständigen Zuflucht vor dessen Auswirkungen wird ein Zirkusprojekt, bei dem Kinder aller Altersstufen und Gender ihrer Phantasie und physischem Bewegungsdrang freien Lauf lassen können. 

Zahra und Zalagi sind zwei der jungen Talente des Mobile Mini Children Circus der NGO MMCCGlobal, die Kinder in gefährliche und repressiven Umgebungen durch Zirkuspädagogik Freude und neue Perspektiven geben will. Das unter einem improvisierten Zeltdach abgehaltene Training mit der bunt gemischten Gruppe afghanischer Jungen und Mädchen vermittelt ihnen beim Jonglieren und akrobatischen Kunststücken spielerisch Selbstvertrauen und körperliche Kompetenzen. Das fröhliche und enorm engagierte Üben der Kinder ist ein lebhafter Gegensatz zu ihrem harschen Alltag, der besonders für Zahra immer einschränkender wird. 

Radiomeldungen aus dem Off berichten von den eskalierenden Restriktionen, mit denen die Taliban weibliche Menschen von Bildung, Berufswelt und schließlich au nahezu jedem öffentlichen Bereich ausschließen. Zalagi wiederum sieht sich immer mehr unter Druck, die für seinen kranken Vater die Rolle des erwachsenen Versorgers zu übernehmen. Die geopolitische Gegenwart lässt sich nicht dauerhaft aussperren. Mit naiver Nähe und bisweilen nah am Kitsch beobachtet die Kamera die trügerisch unbeschwerte Zirkus-Gemeinschaft. Sie fungiert als emotionales Epizentrum der intimen Inszenierung, die zu selten den Blick über diesen Schutzort hinaus wagt. 

Objektive Einordnung und Off-Kommentar ersetzt Camille Bildsøes bittersüßer biographischer Einblick durch observative Alltagsszenen. Jene vermitteln exemplarisch die Fragilität kindlicher Unbeschwertheit in einer von patriarchalischer Unterdrückung und fundamentalistischer Kontrolle bestimmten Sozialsphäre. Die logistischen Strukturen des Zirkusprojekts, dessen Förderung und Status innerhalb der unsicheren politischen Situation bleiben dabei ebenso unklar wie die invitieren Ziele und Sehnsüchte der jungen Protagonisten. Die spontanen Szenen setzen ganz auf die emotionale Kraft des Moments, der vor dem Hintergrund der in aneigne Farbtöne getauchten Kulisse Kabuls zum Symbol für kindliche Resilienz wird. 

Fazit

Objektive Einordnung und Off-Kommentar ersetzt Camille Bildsøes bittersüßer biographischer Einblick durch observative Alltagsszenen. Jene vermitteln exemplarisch die Fragilität kindlicher Unbeschwertheit in einer von patriarchalischer Unterdrückung und fundamentalistischer Kontrolle bestimmten Sozialsphäre. Die logistischen Strukturen des Zirkusprojekts, dessen Förderung und Status innerhalb der unsicheren politischen Situation bleiben dabei ebenso unklar wie die invitieren Ziele und Sehnsüchte der jungen Protagonisten. Die spontanen Szenen setzen ganz auf die emotionale Kraft des Moments, der vor dem Hintergrund der in aneigne Farbtöne getauchten Kulisse Kabuls zum Symbol für kindliche Resilienz wird. 

Autor: Lida Bach
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