5.1

MB-Kritik

Over Your Dead Body 2026

5.1

Samara Weaving
Jason Segel
Timothy Olyphant
Juliette Lewis
Keith Jardine
Paul Guilfoyle
Jake Curran
Nikolai Kinski
Kayla Jenee Radomski
Danusia Samal
Jennifer Amaka Pettersson
Yoon Cha-Lee
Bill Jones
Robert Goodman
Andy Cohen
Iina Kuustonen

Inhalt

Ein zerrüttetes Ehepaar zieht sich in eine einsame Hütte zurück, doch beide planen insgeheim, den anderen umzubringen.

Kritik

Das skandinavische Kino ist von jeher bekannt als Fundgrube interessanter Stoffe, die sich aber höchstens auf dem europäischen Markt behaupten können. Wenn auch mal jenseits des Großen Teichs Potenzial schlummert, wird in der Regel die US-Remake-Maschinerie angeworfen und so geschehen nun auch bei Over Your Dead Body, beruhend auf dem norwegischen Film The Trip: Ein mörderisches Wochenende aus dem Jahr 2021. Dessen Regisseur Tommy Wirkola ist auch im internationalen Markt schon länger ein Begriff, wobei er auch bereits seit Jahren nur noch in den Seilen taumelt. Zuletzt lieferte er für Netflix den durch die Seepferdchen-Prüfung gerasselten Hai-Horror Thrash ab und auch schon sein Original war trotz guter Voraussetzungen mehr ein Blender statt der erhofften Reminiszenz auf die starke, schwarzhumorig-nordische Filmwelle der frühen 2000er. 

Die Story bleibt – wie üblich – sehr dicht bis nahezu identisch bei der Vorlage: Der seit Jahren erfolglose Regisseur Dan (Jason Segel, How I Met Your Mother) hat endgültig die Schnauze voll von seiner stets und ständig nörgelnden Ehefrau Lisa (Samara Weaving, Ready or Not 2), einer ebenso erfolglosen Schauspielerin. Für einen gemeinsamen Trip in die Hütte seines Vaters fokussiert der frustrierte Göttergatte daher ihr Ableben, doch die Dame des Hauses verfolgt einen ähnlichen Plan. Als der Rosenkrieg gerade komplett eskaliert, tauchen aus heiterem Himmel plötzlich noch drei Gestalten auf, die die Funktion eines gemeinsamen Feindes einnehmen und das eigentlich schon längst auf den „Bis das der Tod und scheidet“-Modus laufende Ehepaar rauft sich notgedrungen zusammen, um nicht ganz fremdbestimmt ins Gras beißen zu müssen.

Wenn Remakes wie diese nicht darum bemüht sind, der Vorlage neue Facetten abzugewinnen, sondern sie schlicht auf einen bisher unerschlossenen Markt anzupassen, passiert da naturgemäß recht wenig in der Differenzierung und exakt das trifft auch auf Over Your Dead Body zu. Sprich: Kennst du den einen, brauchst du den anderen eigentlich nicht. Aber im Umkehrschluss gilt natürlich auch: Wenn der eine gut funktioniert, sollte es der andere doch auch. Oder? Ist in der Tat nicht selbstverständlich, hier muss man aber sagen, dass sich Original und Remake nicht sonderlich viel nehmen. Leider sind die Problematiken damit auch absolut deckungsgleich. Der eigentlich vorgelegte, bitter-böse Ehekonflikt bietet reichlich Stoff für eine pechschwarze Anti-Rom-Com, mit dem Eintreffen der diesbezüglichen Antagonisten verkommt es zur wüsten Splatter-Orgie, die diesmal sogar noch drastischer ausfällt als in der an sich schon wenig zimperlichen Vorlage.

Das Problem dabei ist, das der eigentliche Konflikt und die Dynamik der Figuren total relativiert wird, da durch den gemeinsamen Feind eine vielleicht für den Moment akzeptable, im Gesamten aber allgemein wenig sinnstiftende Versöhnung stattfindet, die später kaum noch hinterfragt wird. An diesem Problem scheiterte bereits das Original ein Stückweit, aber aus diesem Fehler wurde nicht gelernt. Daran krankt auch die Identifikation mit den Hauptfiguren. Sie sind und bleiben egoistische Arschlöcher und nur weil sie sich notgedrungen zusammenraufen müssen, gewinnen sie keinerlei echte Sympathiepunkte hinzu. Da bleibt es einem völlig gleichgültig, wer hier wem was für einen noch so massiven Schaden zufügt und damit geizt Over Your Dead Body keinesfalls. So ausgiebig, dass einem sogar der Spaß an der eindeutig als Fun-Splatter angelegten Sause vergehen kann. Im letzten Drittel wird eine Gewalteskalation an die andere gereiht, dass die Grenze zum hemmungslosen Sadismus mehr als einmal überschritten wird. Es fehlt dabei an dieser Prise Humor, die auch die gröberen Exzesse immer noch in einem anderen Licht erscheinen lässt. Over Your Dead Body frönt zu sehr der Lust an der Gewalt, anstatt sie clever und sarkastisch zu instrumentalisieren. Wenigstens geben sich Jason Segel und Samara Weaving redlich Mühe. An ihnen liegt es definitiv nicht, dass auch dieses Remake – wie schon das Original – deutlich hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. 

Fazit

Als ganz grobschlächtiger Zeitvertreib kann „Over Your Dead Body“ sicherlich einen geringfügigen Zweck erfüllen, verzettelt sich aber deutlich in seiner exzessiven Gewaltspirale, die in keinem Verhältnis zu seinem satirischen Ansatz steht. An den selben Problemen haperte aber bereits die Vorlage, von daher muss man sich eher die Frage stellen, warum das offensichtlich niemand bemerkt hat.

Autor: Jacko Kunze
Diese Seite verwendet Cookies. Akzeptieren.