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Quelle: themoviedb.org

Inhalt

Christophe, ein zehnjähriger Junge mit Gleichgewichtsstörungen, meistert sein Leben in einer orthopädischen Orthese, während der angeschlagene Familienbauernhof vor der Modernisierung steht. Hin- und hergerissen zwischen dem Streben nach Unabhängigkeit und dem Wunsch, die zerrüttete Beziehung zu seinem distanzierten Vater zu kitten, wägt er seine Zukunft ab.

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Quelle: themoviedb.org

Kritik

Sie bräuchten keinen Sohn, der sich quer stellt, ruft der Vater (Dimitri Colas) des 11-jährigen Helden Louis Clichys (Asterix im Land der Götter) semi-biographischen Solo-Animations-Debüts in einem bedrückend doppeldeutigen Moment. Der offenbart die Frustration des reizbaren Farmbesitzers, der in der Handlungsära Mitte der 80er im provinziellen Beauce von der Krise der französischen Landwirtschaft erfasst wird, mit seinem physisch beeinträchtigten Sohnes. Christophes (Gary Clichy) Handicap wirkt wie ein körperlicher Ausdruck seines unterdrückten Aufbegehrens gegen strukturellen und familiären Einengungen. Manifestation des allseitigen Drucks scheint das (Original)Titelobjekt.

Das gegen seine schwere Skoliose verordnete Metall-Korsett, das er nur zum Schlafen ablegen darf, soll ihn buchstäblich geradebiegen. Ohne die mechanische Stütze ist sein Gleichgewichtssinn beeinträchtigt und er fällt ständig, was zur Demolierung des Traktors beiträgt. Mit dem verhassten Korsett wird Christophe von seinen Mitschüler*innen gehänselt und ist nutzlos in den Augen seines Vaters, um dessen Aufmerksamkeit es ihm geht. Seine Mutter (Aurélie Vassort) scheint eine wandelnde Versorgungsmaschine mit noch weniger Persönlichkeit als der ältere Bruder und das Baby-Geschwister. 

Folglich braucht es in dieser Männerwelt eine Ersatzvaterfigur in Organist Michel (Clichys ehemaliger Co-Regisseur Alexandre Astier, Asterix im Land der Götter), der Paneele als Assistent einsetzt und dann im Orgelspielen unterrichtet. Die ältere Sportschwimmerin Clara (Brune Moulin) wird zum heimlichen Crush und Komplizin in den formativen Handlungsjahren. Impressionistische Aquarell-Zeichnungen setzen ein originelles Gegenmodell zum synthetischen CGI-Look von Pixar, die Clichy verließ. Dies gelingt ihm in dem tragikomischen Coming-of-Age-Story. Die zweidimensionale Optik in Gelb- und Brauntönen erfasst kongenial die Topographie des weiten Farmlands und dessen arides Klima.

Skizzenhafte Porträts fangen die Eigenheiten der Charaktere pointiert ein. Das von Clichy mit Franck Salomé verfasste Drehbuch indes wirkt bisweilen wie ein Relikt der reaktionären Handlungszeiten. Die einzigen beiden weiblichen Figuren sind Mutter und Love Interest. Dass Clichy in seiner Kindheit selbst ein Stützkorsett trug, macht den ableistischen Unterton einiger Gags nicht weniger fragwürdig. Persönlichkeit und Physis scheinen voneinander abhängig und die spinale Begradigung auch die Seele auszurichten. Omnipräsente klerikale Symbolik verstärkt die konservativen Dissonanzen der nur scheinbar naiven Nostalgie. 

Fazit

Phantasie-Szenen, in denen die kindliche Wut des jungen Hauptcharakters seine Umgebung erschüttert, durchbrechen die ruhige Atmosphäre Louis Clichys persönlichen Animations-Werks. Dessen handgefertigt Tusche-Bilder entfalten einen beschwingten Charme, an den die Handlung die heranreicht. Das von der Kindheit des Regisseurs inspirierte Geschehen changiert zwischen Coming-of-Age-Klischees und patriarchalischem Selbstverständnis. Körperliche Eigenheiten bleiben ein Kuriosum, das nie als menschliche Normalität akzeptiert wird. Der Voice Cast, darunter Clichys Sohn als Stimme seines Alter Egos, bringt eine Lebendigkeit, die Dialoge und Humor nur bedingt erreichen.

Kritik: Lida Bach

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