Inhalt
Nach dem Tod von Vesper Lynd, versucht James Bond an die Hintermänner des Komplotts gegen Lynd zu kommen. Beim MI6 wird dazu Mr. White verhört, dem durch einen internen Verrat während des Verhörs die Flucht gelingt. Die Spur führt Bond nach Haiti. Dort gelangt er durch die attraktive Camille an den zwielichtigen Dominic Greene, der mit dem Komplott in Verbindung zu stehen scheint und Bond muss fortan nicht nur einmal um sein Leben bangen...
Kritik
Auf wohl keinen Bond-Film durfte man so gespannt sein wie auf den inzwischen 22., was sich als Fluch und Segen zugleich herausstellen sollte. Nach dem fulminanten Neustart der Reihe durch Casino Royale – der kaum noch etwas als in Stein gemeißelt dogmatisierte – und dessen offenem Ende war klar, das Ein Quantum Trost nun nicht einfach nur das nächste Abenteuer der berühmten Doppel-Null sein würde, sondern nun erstmals eine stringente, zusammenhängende Geschichte erzählt wird. In deren Folge sich der zunächst noch sehr rohe und ungeschliffene neue James Bond erst seinen Charakter erarbeiten muss, anstatt immer nur dieselbe Schablone, die vor über 40 Jahren gestanzt wurde und seitdem lediglich spawnte, unabhängig von Zeit und Gegebenheiten. Die Latte lag hoch und gemessen daran muss man leider feststellen, dass sie gerissen wurde – allerdings noch in einem Maß, mit dem es sich durchaus noch erhobenen Hauptes von der Matte abrollen lässt.
Wie zu erhoffen, startet Ein Quantum Trost von Beginn an durch und setzt unmittelbar an den Vergeltungs-Kreuzzug eines wutschnaubenden, von Kummer zerfressenden Bond (mal wieder fulminant in dieser brachialen Neuinterpretation: Daniel Craig, Knives Out - Mord ist Familiensache) an, den Casino Royale als ersten, echten Cliffhanger des gesamten Franchise stehen ließ. In den ersten Minuten des Films ist wahrhaft der Teufel los, von einer wilden Verfolgungsjagd mit Autos bis zu einer zu Fuß, mit Schusswechseln und allem Drum und Dran, doch ausgerechnet darin offenbart sich schon die erste Diskrepanz zum diesbezüglich exzellenten Vorgänger und stellt eine wichtige Personalie leicht in Frage. Obwohl der Film generell über potenziell starke Set Pieces verfügt und die Action rasant wie knallhart daherkommt, scheint der Deutsch-Schweizer Marc Forster vielleicht nicht der richtige Mann, um diese Art von Szenen zu dirigieren. Bei vorangegangenen Filmen wie Monster’s Ball, Wenn Träume fliegen lernen oder Drachenläufer hatte er auch keinerlei Erfahrung mit dem Sujet und das merkt man leider, besonders wenn man verwöhnt wurde von der hervorragenden Arbeit eines Martin Campbell aus dem Vorläufer.
Die Action wirkt zu hektisch - was ein Stückweit sogar gewollt sein mag -, das teilweise extreme Schnittgewitter und Wackelkamera-Gulasch speziell in der ersten Hälfe muss aber wohl kaschieren, dass hier eben kein Genre-erprobter Fachmann am Ruder ist und dann eben vieles am Schneidetisch geregelt werden muss. Vergleicht man das mal mit den Sequenzen aus Casino Royale trennen die qualitativ Welten, obgleich der Aufwand nicht minder hoch ist. Zumindest fängt man sich diesbezüglich gen Ende wieder und insbesondere der im wahrsten Sinne des Wortes infernale Showdown kann da einiges an Boden gutmachen. Sonst ist an Forster aber nicht wirklich viel auszusetzen, der Mann weiß schon, wie man gute Filme inszeniert, was er ja schon mehrfach unter Beweis gestellt hat.
Was man diesem Bond jedoch sehr stark anmerkt, ist sein vermutlich auch so kalkulierter Stellenwert in diesem neuen, aufeinander aufbauenden Universum: es ist ein Übergangsfilm. Ein Puzzleteil eines großen Ganzen, dass für diesen eine wichtige Bedeutung haben wird, für sich genommen aber eher nur eine Episode darstellt, die sich schlussendlich nicht exklusiv und bedeutend aus dem Gesamtkonstrukt herausheben wird. Die Rachestory um den großen Verlust von Bond wird zwar fortgeführt, der neu aufgemachte Story-Part fühlt sich dabei mehr wie eine Überbrückung an, da für Größeres noch nicht die Zeit gekommen ist. Das definiert sich sogar über die Laufzeit, denn mit schlanken 106 Minuten ist dies tatsächlich der kürzeste Film der gesamten Serie. Sogar hinter dem Debütfilm James Bond 007 jagt Dr. No von 1962, der ja noch nicht ansatzweise erahnen ließ, was für eine Lawine er lostreten sollte. Das ist einerseits sogar mal ganz angenehm, denn die sonst üblichen 120 – 130 Minuten + waren (besonders bei den älteren Filmen) nicht immer optimal, es verdeutlicht aber andererseits sehr klar, dass auf diesem Teil nicht der Fokus der Neustrukturierung liegt.
Was aber nach wie vor ein Geschenk ist und der Grund, warum auch dieser leicht enttäuschende Nachfolger noch zu gefallen weiß, ist die grundsätzliche Herangehensweise rund um das schwer in die Jahre gekommene Franchise. Der Craig-Bond fühlt sich nicht mehr an wie der schelmische, aber auch vergleichsweise unfähige Onkel hinter den Ethan Hunts und Jason Bournes des neuen Jahrtausends, er sagt ihnen mit voller Ernsthaftigkeit den Kampf an. Natürlich ist es irgendwo immer noch Bond, aber nur noch so viel wie nötig und nicht mehr so verkrampft auf seine nostalgischen Altlasten versteift, die ihn früher so einzigartig machten, aber schon lange nur noch behinderten und lediglich aufgrund mangelnder Konkurrenz noch strahlen ließen. Damit ist nun endgültig Schluss und das merkt man auch hier jede Sekunde. Für Puristen mag das schwer zu verkraften sein, dem neutralen Publikum kann das aber - mit Recht - herzlich egal sein.
Fazit
„Ein Quantum Trost“ bleibt in jeder Hinsicht hinter den großen Fußspuren eines „Casino Royale“ zurück, was aber nur schwer zu vermeiden war und offensichtlich auch ein Stückweit so in Kauf genommen wurde. Als Stand-Alone-Film nicht herausstechend und das die Talente eines Marc Forster nicht zwangsläufig in der Inszenierung von Actionszenen liegen ist relativ deutlich, trotzdem gefällt diese neue Attitüde rund um einen sich noch entwickelnden, verwundbaren und gleichzeitig ungemein wütenden James Bond in einer fortlaufenden Story einfach zu gut, als dass man diesen Film seine Bedeutung absprechen kann – oder erst recht will.
Autor: Jacko Kunze