Inhalt
Garance ist eine junge Schauspielerin – doch kein Star. Sie schlägt sich so gut wie möglich durch und findet im Alkohol sowohl Antrieb als auch Trost. Während sie sich auf eine achtjährige Reise voller Lebensveränderungen begibt, trinkt sie immer mehr. Bis der Tod drohend am Horizont erscheint.
Kritik
„Das Leben ist scheiß langweilig.“ So lautet die Diagnose der Ärztin der alkoholsüchtigen (Original)Titelfigur, verkörpert von einer gewohnt überzeugenden Adèle Exarchopoulos (Orange Flavoured Wedding). Deren engagierte Darstellung der in einem Zustand permanenter Umnebelung durch ihre klägliche Existenz torkelnden Theaterschauspielerin Garance macht Jeanne Herrys (All eure Gesichter) larmoyantes Leinwand-Lehrstück kaum erträglicher; in gewisser Weise ist auch das eine Leistung der Regisseurin, deren selbstverfasstes Skript dem Duktus der Doktorin folgt. Langweile und Überdruss sind die dominierenden Regungen von Garance: der Figur und des Films.
Dessen Handlung versackt die längste Zeit mit Garance im stupiden Rhythmus ihrer Alkoholsucht. Über den Tag verteilt trinkt sie literweise Wein, den sie auf nächtlichen Bar-Streifzügen mit Shots auffüllt. Eine solche Menge Alkohol regelmäßig konstant zu konsumieren, ist ein enormes Gesundheitsrisiko und hinterlässt bleibende physische und mentale Spuren. Nicht so bei der abgestumpften Protagonistin. Die ist höchstens etwas zerzaust am nächsten Morgen, auf den unweigerlich der nächste Absturz folgt. Die Gründe ihres Selbstzerstörungsdrangs bleiben indes unklar.
Garance Freundeskreis pendelt zwischen besorgten Ermahnungen und Enableing ihres stetigen Abstiegs. Dessen Ausweg ist so stupide, schablonenhaft und sexistisch wie die Abbildung der brutalen Konsequenzen von Alkoholkonsum. Einen angedeuteten sexuellen Übergriff im Nachtbus präsentiert Herry als selbstverschuldete Strafe für die vorgebliche Verantwortungslosigkeit ihrer Figur. Die Liebe der nüchternen Pauline (Sara Giraudeau, Behind the Palm Trees) und Garance krebskranker (Mathilde Roehrich) lassen sie Schließlich ärztliche Hilfe suchen. Reden erscheint einmal mehr als Wunderkur für Frauen.
Fazit
Die sozialen Muster und psychischen Ursachen von Alkoholabhängigkeit, ihre Integration in den Berufsalltag, die unterschiedliche gesellschaftliche Bewertung von Alkoholismus bei Frauen und Männern: All dies könnte Jeanne Herrys didaktischem Drama nicht gleichgültiger sein. Der paternalistische Plot wirkt wie ein zeitgenössisches Remake der belehrenden Schulfilme, die Rauschmittel dämonisieren ohne sich mit ihnen zu befassen. Austauschbare Hochglanz-Bilder verstärken die monotone Repetition der Handlung. Darin bleibt die queere Romanze ein Fremdkörper mit dem Zweck die Message sozialer Anpassung zu kaschieren.
Autor: Lida Bach