Inhalt
James Bond und sein amerikanischer Kollege Felix Leiter verhaften den Drogenbaron Sanchez. Als diesem die Flucht gelingt, rächt er sich auf furchtbare Weise an Leiter und seiner Frau. Bond kennt nur noch ein Ziel: Rache. Sechzehnter Film der legendären James Bond – Reihe, letztmalig mit Timothy Dalton als britischer Superagent.
Kritik
Der 16. Bond-Film von Eon Productions ist vielleicht der mutigste bisher – was ihm letztlich jedoch zum Verhängnis wurde. Obwohl der Film mit einem weltweiten Einspielergebnis von (inflationsbereinigt) 285 Millionen $ zwar weit weg von einem waschechten Flop war, stellte er dennoch den am wenigsten erfolgreiche Film der Reihe dar und blieb insbesondere in den USA hinter den Erwartungen zurück. Das hatte weitreichende Folgen. Der ursprünglich für 1991 geplante und vertraglich eigentlich sichere dritte Einsatz von Timothy Dalton als 007 wurde auf Eis gelegt und als dann erst 1995 schließlich GoldenEye folgte, wurde Dalton durch Pierce Brosnan (Mars Attacks!) ersetzt. Dalton galt schon beim Vorgänger Der Hauch des Todes als umstritten in der Rolle, viele eingefleischte Fans mochten seine ernstere, verbissen Auslegung des vorher meist lässigen 00-Agenten nicht. Darüber lässt sich natürlich vortrefflich streiten. Eine andere Meinung wäre, dass genau dies der ins Stocken geratenen Reihe frischen Wind und eine dringend benötigte, neue Ausrichtung gegeben hat. Warum der Film – gemessen an den hohen Ansprüchen – „scheiterte“ (von solchen Zahlen träumen andere Produktionen trotzdem noch) kann womöglich an der noch konsequentere Gangart festgemacht werden, mit der sich dieser Bond von den etablierten Altlasten entfernt – zumindest partiell, denn gerade an einer gewissen Konsequenz mangelt es zwischendurch schon wieder, was Lizenz zum Töten final davon abhält, der vielleicht beste Bond-Film bisher dahin zu werden!
Alles beginnt auf einer Hochzeit und wenn wir eines aus Im Geheimdienst ihrer Majestät gelernt haben: Hochzeiten sind im Bond-Universum keine sonderlich gute Idee. Zumindest für die Figuren, das Publikum bekommt nach dem verschenkten, da nie wirklich ernsthaft aufgearbeiteten Quasi-Cliffhanger aus besagtem Teil von 1969 (und nein, die Eröffnungssequenz aus In tödlicher Mission reicht in der Größenordnung definitiv nicht aus) nun endlich dadurch einen Plot, der sich zunächst sehr eigenständig und interessant anfühlt. Es wird persönlich und ein von Vergeltung getriebener Bond schmeißt verbittert die Brocken hin, worauf ihm seine titelgebende Lizenz entzogen wird. Da pellt sich der frisch gebackene Outlaw natürlich ein Ei drauf und scheint das mehr als Herausforderung zu sehen, nun aber mal richtig fiese Methoden aufzufahren. Jetzt, als er nicht mehr töten darf, denkt er sich wohl: Ob für einen oder dutzende Morde verurteilt zu werden, wen juckt es schon? Bond sieht Rot, es gibt sogar eine (quasi) Saloon-Schlägerei und Timothy Dalton kann seine bereits bei Der Hauch des Todes vollzogene Wachablösung so richtig zelebrieren. Das erste Drittel von Lizenz zum Töten ist super, da hier vieles anders gemacht wird, Bond in nur wenigen Minuten viel mehr Profil bekommt als in dem letzten dutzend Filmen davor und sich alles richtig, richtig frisch anfühlt.
Leider kommt es dann zum üblichen Bond-Problem: Da schon wieder 130 Minuten gefüllt werden müssen und zwischendurch entweder die Chuzpe oder die Ideen ausgegangen sind, wie man diesen wütenden Rache-Bond denn erzählen soll, wirkt der Mittelteil dann schon wieder wie jeder x-beliebige Teil, von denen man sich eigentlich bis dahin so erfolgreich distanziert hatte. Man muss natürlich auch wieder ins Casino, Onkel Q bringt ein paar Gadgets vorbei und bis den Drehbuchautoren im letzten Drittel Gott sei Dank wieder einfällt, was die eigentliche Intention dieses Films sein soll, ist man fast schon wieder ernüchtert. Nicht das es dann wirklich schlecht oder nicht mindestens grundsolide wäre, aber der spannende, einzigartige Touch droht ein Stückweit verloren zu gehen. Wer jedoch sehr aus der Masse heraussticht, ist der junge Benicio Del Toro (Sicario), der bei seiner Breakout-Performance als diabolischer Handlanger bereits ein unglaubliches Charisma zur Schau stellt. Erstaunlich, dass es trotzdem noch einige Jahre dauern sollte, bevor er regelmäßig für hochwertige Produktionen engagiert wurde.
Nach dem gewohnten, und hier leider doppelt unnötig wirkenden Leerlauf, reißt der inzwischen sehr Franchise-erprobte Regisseur John Glen bei seinem fünften und letzten Einsatz hinten raus aber ordentlich ab. Das Finale hat wieder viel Energie, handfeste Action und auch den notwendigen Schuss Brutalität und Skrupellosigkeit, der zum eigentlichen Kern der Handlung passt. Zum Abschied fackeln Glen und Dalton noch mal im wahrsten Sinne des Wortes einen ab und es ist schlussendlich sehr bedauerlich, dass ein paar Millionen zu wenig auf der Haben-Seite einen bis dahin vielversprechende Neujustierung komplett gekillt haben. Denn die Zukunft sollte zeigen, dass gerade dieser Stil sich Jahre später als goldrichtig herausstellen sollte.
Fazit
Starker Auftakt, starkes Finish. Dazwischen verfällt man leider zu sehr in bekannte Muster, die bei diesem Bond im Revenge-Modus eigentlich nicht so viel verloren haben. Wenn „Lizenz zum Töten“ sich aber mal was traut, funktioniert das hervorragend und gibt einen Vorgeschmack auf das, was in der Daniel Craig-Ära von jedermann gelobt wurde.
Autor: Jacko Kunze