6.7

MB-Kritik

James Bond 007 - Der Hauch des Todes 1987

Action, Adventure, Crime, Thriller – UK

6.7

Timothy Dalton
Maryam D'Abo
Jeroen Krabbé
Joe Don Baker
John Rhys-Davies
Art Malik
Andreas Wisniewski
Thomas Wheatley
Desmond Llewelyn
Robert Brown
Geoffrey Keen
Walter Gotell
Caroline Bliss
John Terry
Virginia Hey
John Bowe

Inhalt

James Bond verhilft einem russischen General zur Flucht in den Westen. Von ihm erfährt er, dass der KGB in einer groß angelegten Aktion alle feindlichen Agenten töten will. Wenig später wird der General vor den Augen des Secret Service entführt. 007 schöpft einen Verdacht. Fünfzehter Film der legendären James Bond – Reihe erstmalig mit Timothy Dalton in der Rolle des britischen Superagenten.

Kritik

Generationenwechsel im Hause James Bond, na Gott sei Dank. Mal ganz ab von dem Elefanten im Raum auch auf bürokratischer Ebene. Nach stolzen 23 Jahren als stetig schmachtende Sekretärin Moneypenny durfte Lois Maxwell in den wohlverdienten Franchise-Ruhestand gehen. Die gute Seele geht von Bord, niemand war der Reihe bis dahin beständiger. Das ewige Anbeten des undankbaren Märchenprinzen hat ein Ende, auf das sie ihr Glück finden möge. Sie wurde ersetzt durch Caroline Bliss, der aber ein genauso kurzes Intermezzo im unendlichen Bond-Kreislauf zuteilwerden sollte wie dem Mann, der die längst überfällige Wachablösung von Roger Moore verkörperte. Timothy Dalton (Flash Gordon), schon vor Im Geheimdienst ihrer Majestät (1969) im engeren Kreis der Kandidaten, setzte sich in der Endausscheidung des Castings gegen einen gewissen Pierce Brosnan durch. Mal gucken, wo das noch enden sollte.

Damals wie heute gilt die Personalie Dalton als umstritten und schlussendlich musste er nach nur zwei Einsätzen wieder seinen Hut nehmen, inwieweit und ob man das überhaupt an ihm festmachen kann, es ist vermutlich eine neverending Story. Grundsätzlich sollte zwar kein Reboot, aber zumindest eine Neuausrichtung der Serie folgen. Weg von dem Alt-Herren-Muff, weniger Geschmunzel und Albernheiten. Jünger, dynamischer, ernsthafter, das war die Marschrichtung. Und bereits der Opener auf Gibraltar macht klar, wo die Reise hingeht. Es wird wieder schneller, zackiger, nicht mehr alles mit einer väterlichen Lässigkeit aus der bereits quietschenden Hüfte geschüttelt. Timothy Dalton ist nicht das Charisma-Monster wie seine beiden größten Vorgänger – auch das wird relativ schnell klar -, aber selbst das passt zu dieser frischen Gangart. Der kann nicht alles über Charme und Leinwandpräsenz regeln, hier sind andere Attribute gefragt. 

Dalton verkörpert das Ganze mit einer lange verlorenen gegangenen (oder niemals wirklich etablierte?) Handfestigkeit. Verbissen, selten überheblich, auch mal sichtlich angestrengt. Ja, Dalton mangelt es etwas an persönlicher Aura, dafür ist seine Interpretation des No-Bullshit-Bonds exakt das, was an dieser Stelle eigentlich die exakt richtige Wahl war. Das es wohl nicht den Zeitgeist traf, ist dann leider eine Wechselwirkung aus persönlichem Pech und falschem Timing. Natürlich kann und muss Bond immer noch Bond sein, alles auf Links gedreht wird nicht. Auch Timothy Dalton darf mal ein aufdringliches Auto mit dem eigebauten Laser öffnen wie eine Sardinen-Büchse, hier und da einen trockenen One-Liner droppen und auch das obligatorische Bond-Girl ist ihm nicht vergönnt. Maryam D’Abo (Zeit des Grauens) macht in dieser – wie immer – eher undankbaren Rolle eine gute Figur und kurzzeitig scheint es sogar so, als wenn Bond nicht einfach so wie gewohnt den Acker bestellen darf. 

-„Ah, Mr. Bond, möchten Sie ihre übliche Suite?“

-„Nein, diesmal eine mit zwei Schlafzimmern.“

Ja guck mal einer an, hat Bond seinen Keuschheitsgürtel-Sprengsatz etwa auch abgeben müssen? Nein, keine Furcht ihre Bond-Idealisten da draußen, natürlich zerfließt auch die anfangs zaghafte Kara irgendwann wie Butter auf dem heißen Toast, aber so für die gewohnten Hier-bin-ich-jetzt-nimm-mich-Verhältnisse ist sie beinah so was wie eine harte Nuss. „Wir kennen uns erst zwei Tage und ich denke noch darüber nach, wie es mit uns weitergeht“, so was sagt sie ihm doch kackdreist direkt ins Gesicht. Unfassbar! Aber ganz einfühlsam, wie gewohnt, kontert Bond mit „Denk nicht nach, lass es einfach geschehen!“. Diskussion beendet. Damit hätten wir gleich wieder den Sexismus-Pegel ausgeleuchtet und müssen feststellen: Zwar alles beim Alten, aber es wird tatsächlich eine Idee verhaltener. Das wird jetzt nicht gerade für einen Leitartikel in der EMMA gereicht haben und ist nicht mal so was wie Augenwischerei, aber Connery & Moore hätten das Weibsbild für diese Frechheit sogar noch angeschnauzt, bevor sie es so oder so arretiert hätten. 

Ach so, was passiert eigentlich bei Der Hauch des Todes? Bond hat es mit einem listigen Doppel-Doppel-Agenten (Jeroen Krabbé, Herr der Gezeiten) und einem skrupellosen Waffenschieber (Joe Don Baker, Kap der Angst) zu tun, reist von Bratislava über Wien (ganz stilecht mit Prater-Besuch) und schlussendlich bis nach Afghanistan, wo er gemeinsam mit dem Mudschaheddin den Russen in den Arsch tritt (damals klang das noch wie eine gute Idee…). Das bietet viel Abwechslung bei den Settings und sieht überwiegend ziemlich gut aus. Eine altbekannte Bond-Krankheit bekommt man auch hier nicht richtig in den Griff, denn 130 Minuten sind auch hier bestimmt 15 – 20 zu viel. Da hast du hier und da mal etwas Leerlauf, dafür kracht es am Ende mal wieder ordentlich und der 80er-Dauer-Bond-Regisseur John Glen zeigt endlich mal wieder, dass er so was durchaus beherrscht. Gut möglich, dass Sylvester Stallone sich das angeschaut hat und mit einem Rambo III vor der Brust nur gedacht hat: Hold my Beer. Und auch das einzige Highlight des mauen Vorgängers wurde nicht unterboten: Nach Duran Duran liefern auch A-Ha mit The Living Daylights einen sauberen Titelsong ab. Zwar sehr 80er-lastig, aber da bewegen wir uns nun mal.

Fazit

Aufschwung geglückt. Aus ganz neutraler Sicht ist „Der Hauch des Todes“ natürlich auch nur ein ganz guter Agententhriller der 80er, aber das lässt sich (im Idealfall) eh bis dahin – sorry, Fans - über jeden Bond-Film sagen. Im hauseigenen Ranking zum damaligen Stand klar ein Kandidat für die Top Ten. Die Attitüde stimmt, da ist immer etwas los und wer sich bisher tapfer durch alle anderen Filme durchgearbeitet hat mag feststellen: Der erste Dalton-Bond fühlt sich viel besser an, als ihm allgemein oft zugesprochen wird.

Autor: Jacko Kunze
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