Inhalt
Um die wahren Hintergründe einer gigantischen Juwelenschieberei aufzuspüren, ist James Bond (Roger Moore) der geheimnisvollen Octopussy (Maud Adams) auf den Fersen. Sie ahnt nicht, dass sie von einem Wahnsinnigen hinters Licht geführt wird. Der russische General Orlov (Steven Berkoff) benutzt ihren Octopussy-Zirkus vorgeblich, mit ihm den geraubten Kreml-Schatz durch Europa zu schmuggeln. Tatsächlich dient er ihm nur als trojanisches Pferd für einen atomaren Sprengkörper, der auf dem Gelände der US-Airforce in Feldberg detonieren soll.
Kritik
„Mein Vater war eine Kapazität auf dem Gebiet der Oktopus-Forschung. Er liebte diese Tiere. Deswegen nannte er mich Octopussy.“
Na, da kann man ja nur von Glück sagen, das Vati kein Gynäkologe war…
Die wilde 13 der James Bond-Reihe und nach dem eher bodenständigen In tödlicher Mission wird es auch wieder vogelwild. Nicht ganz so durchgehen und konsequent wie bei Moonraker – Streng geheim (schade), aber wenigstens ab der zweiten Hälfte noch irrsinnig genug, dass auch dieser Bond zu einem wahren Edel-Trash-Fest verkommt. Kommerziell schnitt der Film – trotz damals eher durchwachsener Kritik – sogar ziemlich gut ab, obwohl erstmal so was wie Konkurrenz aus „den eigenen Reihen“ drohte. 1983 war das Jahr, in dem erstmals sowohl Roger Moore als auch der Doppel-Comebacker Sean Connery als James Bond auf der Leinwand zu sehen waren, wobei Sag niemals nie erst Ende des Jahres bzw. in den USA sogar erst Anfang 1984 in die Kinos kam. Wieso, weshalb, warum kann in der Moviebreak-Kritik zu Sag niemals nie gelesen werden, jetzt erstmal wieder zu Octopussy.
Death of a Clown, so heißt nicht nur der Rock-Klassiker von Dave Davies, sondern damit nimmt auch das neueste Abenteuer des britischen 00-Agenten seinen Anfang. Dies führt über eine Fabergé-Ei-Auktion in London zunächst nach Indien, wo Bond auf den Bösewicht der Saison namens Kamal (Louis Jourdan, Das Mädchen Irma la Douce) und das vermeidlich nächste Bond-Girl Magda (Kristina Wayborn, The Frankenstein Syndrome) trifft. Letzter dient aber nur als kleines Amuse Gueule für den nicht gerade als Kostverächter geltenden Bond, der diesbezüglich noch auf ein wahres Schlaraffenland stößt: Eine Insel, ausschließlich bewohnt von jungen, hübschen Frauen, alle unter der Führung der titelgebenden Dame, deren Vater einen Fetisch für gewisse Meeresweichtiere pflegte (Maud Adams, die schon in Der Mann mit dem goldenen Colt in anderer Rolle auftrat). Ein Fest für Spanner-Bond, der aus lauter Hormonstau schon den Ausschnitt der eigenen Kollegin ausspionieren muss und noch nicht mal die junge Assistentin von Moneypenny richtig „einarbeiten“ durfte.
Octopussy lässt sich im Prinzip in zwei Filmhälften von sehr unterschiedlichem Unterhaltungswert aufteilen. Der Indien-Part in der ersten Stunde lässt kein Klischee ungenutzt und ist trotz ein paar eingestreuter Action-Szenen doch recht schleppend. Damit konnte Regisseur John Glen bei In tödlicher Mission noch deutlich mehr punkten. Wenn Bond bei einer tierischen Verfolgungsjagd zum Großwildflüsterer wird und sogar mit Tarzan-Schrei durch die Bäume schwingt, wird es auch noch sehr klamaukig. Aber dranbleiben lohnt sich definitiv, denn sobald sich das Geschehen in der zweiten Hälfte zurück (nach dem Auftakt, der tote Clown und so…) wieder hinter den Eisernen Vorhang, um genau zu sein nach Karl-Marx-Stadt (die Älteren erinnern sich) verlegt, ist das endlich wieder so ein rasanter und dabei komplett vogelwilder Hirn-Furz, der schon Moonraker – Streng geheim zu einer absoluten Granate machte – zumindest partiell.
Es gibt eine ausgiebigen Actionsequenz in und auf einem Zug (damit machst du praktisch nie was falsch), wieder jede Menge nationale Klischees, diesmal halt mit Deutschen (bei der Fahrt mit dem VW-Käfer gibt es Bier und Bockwurst, wie sich das gehört), das Tempo ist hoch, der Humor absurd und am Ende ist sich Roger Moore sogar nicht zu schade, in voller Clown-Montur die Welt zu retten. Um dann den Bösewicht endgültig zu stürzen, braucht er natürlich auch Octopussy und ihre Armee bildhübscher Amazonen, zwischen denen Großvater-Bond (Fun Fact: Roger Moore war drei Jahre älter als sein Vorgänger Sean Connery, der schon Anfang er 70er zu alt für die Rolle erschien) immer wirkt wie der verzückte Onkel Willi, der sich für den anstehenden Bordell-Besuch fein gemacht hat. Das ist so Banane, aber ab einem gewissen Punkt auf seine Weise fast schon wieder großartig. Mindestens so großartig wie dieses Ein-Mann-Krokodil-U-Boot, mit dem sich Bond zuvor auf der Insel der Wollust einschleicht. Wie solche Drehbücher für eine derart aufwändige und prestigeträchtige Produktion grünes Licht bekommen, immer wieder erstaunlich.
Fazit
Manege frei für den ganz großen Affen-Zirkus des Franchise. Tarzan-Schreie, Kroko-Boote, Frauen, die von ihren Vätern nach Tintenfischen benannt werden, Bier & Bockwurst im VW-Käfer und mittendrin der ewig rollige Roger Moore, der eigentlich die perfekte Kommune für seinen Lebensabend gefunden hat und trotzdem als Dummer August den Kalten Krieg vorm atomaren Auftauen rettet. Wer seine Bonds ernst und verbissen mag, macht lieber einen ganz großen Bogen um "Octopussy" (bzw. fängt mit der Reihe am allerbesten erst viel später an), Freunde des groben Unfugs kommen hier aber nach stotterigen Startschwierigkeiten spätestens zum Stundenwechsel aber sehr auf ihre Kosten.
Autor: Jacko Kunze